Nach einem Streit stirbt der Mann von Alice (Souheila Yacoub) bei einem Autounfall. Obwohl er sie jahrelang misshandelt hat, verbringt sie nach der Beerdigung Zeit im Haus der Familie, wo gemeinsam getrauert wird.
Bald jedoch ist die fünfköpfige Familie plus Thya (Luciane Buchanan), die Freundin des zweiten Sohnes der Familie, nicht nur verbal aggressiv gegenüber Alice, denn sie werden der Reihe nach von Dämonen befallen, die ein ganz bestimmtes Artefakt suchen…

Drei Jahre nach Evil Dead Rise gibt es nun den bereits sechsten Film des 1981 geborenen Franchise im Kino, dieses mal unter der Regie des Franzosen Sébastien Vanicek (Spiders: Ihr Biss ist der Tod). Ich bin ja Fan des Universums, vor allem vom Remake und der Ash-Serie, aber Burn kann dieses Niveau für mich auf mehreren Ebenen nicht halten.
Spoiler folgen. Zunächst mal zum Ton des Filmes. Vor circa 20 Jahren gab es einen Boom, was französische Horror-Filme betrifft. Was europäische Genre Beiträge betrifft, gehören diese Filme zu den härtesten, man nehme als Beispiel Frontier(s). Vanicek ist Franzose und genau so fühlt sich Burn auch an. Kompromisslos, brutal, hoffnungslos.
Es gibt da durchaus Überschneidungen mit einem großartigen Evil Dead Erlebnis, aber es fehlt auch etwas und das ist der Spaß. Ein ED-Film, bei dem ich nicht lachen kann/muss, hat irgendwas falsch gemacht. Dazu braucht es auch keine Figur wie Ash, die sowieso auf Lacher abzielt, sondern rein den vorherrschenden Irrsinn, bei dem man lacht und erheitert oder ungläubig den Kopf schüttelt.
Das Franchise unterhält Fans auf mehreren Ebenen, doch Burn ist eher ein Ereignis, dass man aushalten muss. Das liegt sicherlich auch am Thema an sich. Das Remake behandelte Drogen-Entzug, bei Rise ging es um erwachsen werden und Verantwortung übernehmen. Burn nimmt sich der häuslichen Gewalt an, was sich als zu schwer und auch nicht pauschal lösbar erweist.
Ein riesiges Problem sind dabei die Charaktere, die man nicht leiden kann. Eine toxische Familie, die die Frau ihres Sohnes nicht akzeptiert und ihre physischen Verletzungen durch den Missbrauch, als Unfälle sehen. Zwischen Mann und Frau herrscht Kälte, die Großmutter ist in ihrer Demenz verloren, der eine Sohn ist ein Feigling und der zweite ist und war ein Frauenschläger.
Man bangt nicht um deren Leben, man will sie sterben sehen und genau das weiß Vanicek auch und liefert ab. Wie die dann von Dämonen besessen werden, ist ebenso befremdlich, denn das wirkt nicht ED typisch, sondern eher wie eine Zombie ähnliche Übertragung (durch Blut oder Speichel), dauert unterschiedlich lange und man muss nicht dafür Tod sein oder bestimmte Worte aufsagen.

Um nochmal auf die Hoffnung zurück zu kommen: in den letzten beiden Filmen gab es Momente, da glaubte man als Zuschauer das wird nichts mehr, hier sterben alle inklusive dem Final Girl. An Ende gab es dann jeweils doch so etwas wie Hoffnung. Hier nicht wirklich. Ja, Alice überlebt aber der letzte Shot soll zwei Interpretationen offen lassen (vielleicht wird sie ja auch ein Deadite).
Dann schiebt der Schlussspann noch nach. In der einen Szene infiziert die überlebende Oma eine junge Dame und in der zweiten kehrt Rise Antagonistin Ellie aus der Asche zurück, tötet ein kleines Mädchen und sagt „Mami ist zurück“. Eine Verbindung herstellen, einen weiteren Teil anteasen, schon klar. Ellie ist aber doch nur die Hülle, warum kehrt da nicht der Dämon zurück, der in ihr steckte? Kommen jetzt alle toten Deadites zurück (weil anderes Buch der Toten) und machen damit jeden Überlebenskampf irgendwie sinnlos?
Ja, euer Eindruck ist richtig, als Film innerhalb des Franchise, hat mir Burn nicht wirklich gefallen. Als Horror-Erlebnis, vor allem von den kreativen Kamera-Einstellungen und den Schwenks her und der unangenehmen Intensität, die hier durch Make Up, Effekte und Schauspiel erzeugt werden, können jedoch nur wenige Genre-Beiträge der letzten Jahre auch nur ansatzweise mithalten.
Vor allem Souheila Yacoub (Planet B) als Alice und Luciane Buchanan (The Night Agent) als Thya bleiben dabei im Gedächtnis. Alice, weil man sie zu Beginn weniger mag, weil sie sich und ihre Lage selbst nicht leiden kann und schließlich doch dagegen ankämpft und Thya, weil sie als Mensch nett und Streit schlichtend agiert und dann als Dämon so herrlich verspielt bösartig ist.
Das ergibt für mich in Summe ein etwas gespaltenes Erlebnis (schwächelndes CGI gegen Ende nehme ich da gar nicht erst hinein in die Gleichung), denn im Genre-Vergleich ist das schon großartig, es ist mir aber einfach zu grausam (nicht brutal) und trostlos und das schlimmste Verbrechen eines ED-Filmes ist es, wenn er dir keine Freude bereitet (er löst dafür einige andere Emotionen aus) und das ist hier der Fall.
P.S.: Man kann den Film durchaus als Gegenpol zu Project Hail Mary sehen und zwar auf die Stimmung bezogen, nachdem der Schlussspann begonnen hat. Dort ist man wieder Kind und ging hoffnungsvoll aus dem Kinosaal und hier will man einfach nur, dass das trostlose Leben als Erwachsener vorbei ist.
„Evil Dead Burn“ bekommt von mir 5/10 (als Franchise unabhängigen Genre-Film gesehen, könnte man locker 3 Punkte addieren) am eigenen Anspruch noch eines drauf zu legen, den Geist des Materials vergessen habende Empfehlungspunkte.


