Best Of Worst Case: Raptor Attack bzw. Raptor’s Revenge (2026 Filmkritik)

Jevan (Jemma Hines) will mit ihrem Mann (Jacob Dalton) und ihren beiden (fast erwachsenen) Töchtern, die Großmutter besuchen. Die wohnt weit draußen am (Schott)Land und lebt sehr zurückgezogen. Jevan macht sich Sorgen, denn Mama reagiert auf keine Anrufe und keine Nachrichten.

Als die Familie dann ankommt, finden sie Blutspuren vor dem Haus und in der Küche. Kurz darauf finden sie ihre Überreste. Stellt sich raus, dass hier ein scheinbar sehr wildes Tier sein Unwesen treibt.

Und dieses Tier ist nichts anderes als ein von Oma gezüchteter Raptor namens „Robert“, der ausgebrochen ist und sein Unwesen rund um die Farm treibt, wie nach und nach mehrere Personen feststellen werden müssen …

Nur zur Erinnerung, weil ich schon lange kein Review eines Trashfilms mehr geschrieben habe: Ich mag Trashfilme. Ich mag die dummen Entscheidungen der Figuren und die schlechten Effekte. Ich mag es, wenn Herzblut drinsteckt, aber einfach das Rundherum nicht reicht. Da verzeihe ich viel.

Und dann stolpere ich immer wieder über Filme wie diesen hier.

Hier passt wenig zusammen. Oder sehr viel. Das ist vermutlich eine Frage des Blickwinkels, denn: Das Budget war offensichtlich sehr gering. Im Grunde sind die Drehorte die Farm der Oma (und auch da nur vier Räume + Keller) und die Weiden, Wiesen und Wälder rund um diese Farm herum. Auch die Menge an Personen, die vorkommen ist sehr begrenzt und eingeschränkt.

Das ist aber nicht mein Problem. Es gibt viele Filme mit kleinem Cast, begrenzten Handlungsorten und trotzdem machen die Spaß. Mein Problem, oder anders gesagt, ProblemE (die Mehrzahl ist wichtig) mit dem Film laufen auf eine einfache, grundlegende Frage hinaus:

Wenn man schon Geld in die Hand nimmt, um einen Film zu machen – warum juckt es dann niemand, ob sich alle wie Vollidioten benehmen?

Ich meine, im Ernst jetzt? Ein paar Beispiele: Die Familie findet die Hälfte(!) der (Groß)Mutter. Offensichtlich von Tieren gefressen. Sie werden gewarnt, dass das Ding noch herumlaufen könnte in der Gegend. Blutspuren sind auch im(!) Haus. Was macht die Familie? „Naja, jetzt sind wir so weit gefahren. Dann bleiben wir doch auf Urlaub hier. Tralala.“ In dem Haus, in dem sie die Tote gefunden haben. Na dann.

Oder: Die Mutter sagt, dass sie am Morgen noch eine Runde spazieren gehen will im Wald. Die Töchter finden ein paar Minuten darauf erneut frisch er- und zerlegtes Fleisch direkt auf der Farm. Und sie entscheiden sich, der Mutter nichts zu sagen, weil sie das nervös werden lassen könnte. Logisch, nicht?

Oder: Sie sehen, wie drei Menschen vom Raptor eingeholt und gefressen werden. Schlussfolgerung: Der ist schnell. Was machen wir also? Richtig. Wir versuchen ihm zu Fuß zu entkommen. Ich meine, klar. Was auch sonst?

Die Regie bzw. der Schnitt bzw. das Schauspiel legen dann noch eins obendrauf. Müsste ich jetzt alles aufzählen, dann würde das hier ein Roman werden. Und der wäre sicher spannender als der Film, aber das nur am Rande.

Es wird versucht Spannung aufzubauen, indem zum Beispiel die Mutter ihrer Familie sagt, sie würde noch was besorgen – aber sie steckt sich ein großes Messer ein, weil sie den Raptor (da wissen sie schon, was es ist) aus Rache für den Tod ihrer Mutter abmurksen will. Die gute Jevan folgt also den Spuren des Sauriers und glaubt auch mehrfach, ihn gesehen zu haben. Die Familie macht sich Sorgen und geht sie suchen. Alle sind panisch, weil sie sich solche Sorgen machen. Dann finden sie Jevan. Alle(!) steigen aus dem Auto und laufen unglaublich weit (natürlich gemeinsam und unbewaffnet) zu ihr. Dann gibt es eine Umarmung, weil ja alle so froh sind, sich wiederzuhaben. Und vom Schnitt, der Mimik und der Regie her ist sofort alles gut. Bedrohung weg, weil – jetzt sind es ja vier Personen. Nämlich. Kann gar nix mehr schiefgehen.

Das Schauspiel ist – leider – grottig. Liegt es an der Kamera, die alle Personen sehr nachteilig einfängt, oder liegt es am Schauspiel selbst – ich kann es nicht sagen. Aber es tut wirklich fast körperlich weh, den Leuten zuzusehen. Vor allem Jemma Hines ist richtig schmerzhaft. Jacob Dalton hat zwei oder drei Momente, in denen hat er gutes Gespür für Comedy-Timing und Mimik. Aber ansonsten ebenfalls: Nein.

Auch toll: Es gibt ein Labor unter der Farm. Dort hat Mama/Oma die Saurier gezüchtet. Und die hatte eine Assistentin. Die kommt dann auch die Farm, weil sie sich auch Sorgen macht. Aber – großes Aber – sie kennt den Code zum Eingang für das Labor nicht. Mhm. Okay. Und aus dem Nichts fällt allen ein, dass Jevan ja immer so gern Rätsel gelöst hat und Mama/Oma das ja wusste, also ist der Code sicher ein Rätsel. Und natürlich hat sie es in zwei Atemzügen gelöst.

Also fassen wir zusammen: Schauspiel suboptimal. Inszenierung und Schnitt: Kann man nur mit viel gutem Willen so nennen. Schauspiel: wenig bis nicht vorhanden. Drehbuch? Ich weiß nicht, ob die sowas hatten. Und wenn ja, dann hat es niemand gelesen. Bei so viel Stumpfsinn hätte doch irgendjemand(!) sagen müssen: „Moment … WAS machen die? Seid ihr irre? Niemand würde das tun!“ Und das bei gefühlt jeder dritten oder vierten Szene.

Und das Schlimmste: Die nehmen das ernst! Das gleiche Drehbuch aber mit Humor inszeniert, der sich bewusst ist, was für Schwachsinn hier passiert. Das hätte großartig sein können. Ein bisschen Meta-Humor, zum Drüberstreuen. Zum Beispiel bei der oben erwähnten „Jevan suchen und finden“-Szene. Könnte alles genauso inszeniert sein und wenn dann alle sich umarmen und alles Spannung (von Musik, Schnitt und allem) weg ist, dann hätte man eins der Mädchen sagen lassen können: „Was für ein Glück, dass wir alle zusammen sind. So kann uns der Dino nichts anhaben.“ Dann hätte Jacob Dalton einen seiner coolen-witzigen Blicke aufsetzen können, einen Moment innehalten und sagen: „Moment.“ – kurze Pause, alle sehen ihn, die Rädchen in seinem Kopf rattern – „Lauft!“. Schnitt. Alle Vor der Tür beim Haus. Irgendjemand sagt: „Gut mitgedacht, Dad.“ Dad sagt: „Danke. Als mir klar wurde, dass der richtig scharfe …“ – ZACK. Dino schnappt ihn. Alle kreischen und laufen Weg. Schnitt. Im Haus. Tochter zu Mama: „Vielleicht hätten wir gleich ins Haus laufen sollen, anstatt draußen zu warten.“

Ihr wisst, was ich meine, oder?

Oh – und damit es gesagt ist: Die Effekte bzw. der Raptor sieht für so einen Film tatsächlich ziemlich gut aus. Kann man jetzt nicht von allen Effekten im Film behaupten. Aber der Raptor, ja, der funktioniert.

Jedenfalls tut der Film ein bisschen im Kopf und ganz viel im Herzen weh. Und selbstverständlich bemerken sie am Ende, dass Robert eine Roberta war. Und dann wird auf ein Ei geschnitten. Ooooooh, die Spannung! /sarcasmoff

„Rapter Attack“ bzw. „Raptor’s Revenge“ bekommt von mir 4 von 10 möglichen, leider nicht mal schlecht-lustig seiende, Punkte.


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