Sophie arbeitet in einem Hutladen und repariert dort Hüte. Und das in einer Zeit, in welcher sich das Land gerade im Krieg befindet. Eines Tages wird sie beim Spaziergang von Soldaten belästigt, aber von einem seltsamen, mysteriösen Mann, der scheinbar ein Zauberer ist, gerettet. Aber auch er wird verfolgt, nämlich von seltsamen Schattenwesen. Aber die beiden können entkommen. So rasch, wie er in ihr Leben getreten ist, ist er auch wieder weg.
Kurz darauf bekommt Sophie Besuch von einer abartigen Frau, die einen Fluch über sei ausspricht. Der Grund ist simpel: Der Zauberer hat ihr geholfen und das gefällt der Hexe gar nicht. Als Sophie am nächsten Morgen aufwacht, ist sie eine alte Frau. Sie flieht und stolpert mehr durch Zufall über eine Vogelscheuche, die zu leben scheint und in ein Schloss.
Das Schloss bewegt sich auf vier Beinen durch die Gegend und wird von „Howl“ bewohnt. Dem besagten Zauberer, der Sophie gerettet hat. Aber wie es aussieht, ist es Howl, der tatsächlich Hilfe braucht. Denn der Grund für die ständige Bewegung des Schlosses liegt darin, dass auch Howl verfolgt wird. Er soll nämlich in den Krieg eingreifen, weigert sich aber. Noch dazu hat die Hexe, die Sophie verflucht hat, noch eine Rechnung mit ihm offen.
Lang kann Howl die Flucht nicht mehr aufrecht erhalten, denn die Magie, die er dazu braucht, raubt ihm jeden Tag ein wenig mehr Menschlichkeit. Langsam, aber sicher wird er zu einem Monster werden. Auch, weil er seine Magie durch einen Pakt mit einem Dämon, der nun als Feuerflamme im Schloss wohnt, eingegangen ist …

Also, wenn man versucht die gesamten Handlungsstränge von „Das wandelnde Schloss“ bzw. „Howl’s Moving Castle“ zusammenzufassen, dann merkt man erst so richtig, wie viel in dem Film los ist und wie viel Vorgeschichte ein Großteil der Protagonist:innen mit sich herumschleppen. Das merkt man während dem Film tatsächlich gar nicht so groß, weil so viel passiert, dass man ohnehin mitdenken muss, um den Faden nicht zu verlieren.
Vielleicht einen Schritt zurück: Der Film ist von Hayao Miyazaki und der ist durchaus für seine optisch tollen und ansprechenden, aber auch nicht immer leichten Filme bekannt. Vor allem natürlich mit dem Studio Ghibli. Das sollte man kennen. Bzw kennt man und frau im Regelfall Filme vom Studio Ghibli, auch wenn der Name vielleicht unbekannt ist.
Auf der Liste des Studios stehen so Perlen wie „Prinzessin Mononoke“ oder „Mein Nachbar Totoro“ oder „Chihiros Reise ins Zauberland“ oder „Die Chroniken von Erdsee“ oder „Ponyo“. Und noch viele, viele weitere. Fast jeder davon ein Klassiker. Es gab eine Zeit, da war jeder Film vom Studio Ghibli ein Event – wie Pixar damals. Nur japanisch. Und handgezeichnet. Das Studio hat klar einen eigenen Stil und es gibt ja aktuell sogar immer noch den Trend bei KI-Bildern „im Stil vom Studio Ghibli“. Kennt man einfach.
„Howl’s Moving Castle“ ist sehr ambitioniert und nach einem eher langsamen und entspannten Einstieg nimmt der Film immer mehr an Fahrt auf und gegen Ende eskaliert das Ganze absolut. Was als kleine Story von Sophie beginnt, wird am Ende zu einer Story der Weltenrettungen und des Widerstand gegen den Krieg, der bis dahin allerdings bereits durch die Lande zieht und da geht richtig die Post ab. Also hier ist einiges los.
Dass man den Überblick nicht verliert, liegt daran, dass die Story aus der Sicht von Sophie erzählt wird, die mehr oder weniger gegen ihren Willen, in die ganze Sache mit reingezogen wird – und sich am Ende (Überraschung …) auch als Teil der Lösung herausstellt. Und das ist auch das einzige Manko des Films – er nimmt so viele Storyfäden und Figuren mit, dass er gegen Ende nur einen Teil davon befriedigend auflösen kann.
Nur ein minimaler Spoiler (weil’s für die Handlung nicht so wichtig ist): Sophie richtet als sie als alte Frau aus der Stadt flieht im Vorbeigehen eine Vogelscheuche auf, die sie am Wegrand findet. Stellt sich heraus, die lebt, springt herum und begleitet sie immer wieder Mal. Gegen Ende – da werden dann Flüch aufgehoben und so weiter – stellt sich heraus: Das ist der Prinz vom Nachbarland und der wird jetzt sofort den Krieg beenden. Was für’n Zufall. Und wie passend.
Naja, der Film hat trotzdem viel zu bieten: Schauwerte über Schauwerte, eine philosophische Story und vor allem die Figuren sind wirklich fein. Nur als Beispiel: Sophie muss in Vertretung von Howl zur Beraterin des Königs. Am Weg dahin, trifft sie auf die Hexe, die sie zu einer alten Frau verflucht hat. Die ist richtig, richtig dick. Sophie beschwert sich bei ihr, weil sie sie zurück verwandeln soll. Daraufhin erklärt ihr die Hexe, dass könne sie nicht. Sie wüsste nur, wie man Flüche ausspreche, nicht wie man sie breche. Na dann. Zur Königin rauf ist es eine endlos lange Treppe. Tut sich Sophie schon schwer, aber die Hexe ist so dick und schwer, dass sie mehrmals fast zusammenbricht. Was tut Sophie? Hilft ihr und feuert sie an.
Das sind einfach Verhaltensweisen, die irgendwie seltsam sind, mit denen man nicht rechnet und die trotzdem irgendwie passen. Und die Hexe spielt dann später noch eine absolut wichtige Rolle, auch wenn man sich nie ganz sicher ist, ob die jetzt eine der Bösen ist – immerhin ist sie Schuld an Sophies Zustand -, oder ob sie nicht vielleicht doch irgendwie zu den Guten gehört.
Ja, es ist ein seltsamer Film. Anders kann man das nicht nennen, aber er reißt mit, er berührt und auch wenn dann gegen Ende auf jedwede Logik gepfiffen wird und alles viel zu schnell zu einem Ende kommt, so packt der dennoch und nimmt einen mit auf eine spannende und unerwartet ernste und intensive Reise.
„Das wandelnde Schloss“ bekommt von mir 7,5 von 10 möglichen, eine fantastische Geschichte mit einem nicht ganz so fantastischen Abschluss, erzählende Geschichte.


