Der kleine Ben hat ein Problem mit seiner Schwester. Sie nervt ihn unglaublich. Seine Mutter ist vor Jahren verschwunden, ihr Vater trauert immer noch und seine kleine Schwester Saoirse spricht nicht mehr. Das nervt. Außerdem will sie immer seine Sachen. Insbesondere eine Muschel, die ihm ihre Mutter hinterlassen hat. Dass sie mitten im Nirgendwo einem Leuchtturm am Meer wohnen, macht die Sache nicht besser. Nur sein Hund ist ihm ein Quell der Freude.
Aber da gibt es dann auch noch Großmutter, die beschließt, dass die Kinder in die Stadt ziehen müssen. Vor allem, da sie Saoirse erst gestern völlig nass am Strand liegend gefunden hat. Die Kinder sind ja in Lebensgefahr!
Kinder eingepackt, Vater und Hund zurückgelassen, ab in die Stadt. Aber Ben mag nicht. Er haut ab und macht sich auf den Weg retour. Saoirse folgt ihm – und dann passiert es. Sie verschwindet. Und plötzlich merkt Ben, dass seine Schwester ihm doch wichtig ist und er tut alles, um sie zu finden.
Dazu muss er sich aber duch viele Gefahren und Sagengestalten kämpfen … denn es gibt einen Grund, weshalb Saoirse verschwunden ist …

Wenn ich früher gemerkt hätte, dass die Macher:innen von „Song Of The Sea“ jene sind, die auch „Wolfwalkers“ gemacht haben, dann hätte ich mir den Film schon viel früher angesehen. Denn „Wolfwalkers“ fand ich wirklich großartig. Richtig großartig.
Und auch „Song Of The Sea“ enttäuscht nicht, auch wenn es eine völlig andere Art von Film ist. Hier ist ganz viel Melancholie und Traurigkeit dabei, das Ende ist bittersüß, wunderschön und traurig zugleich. Auch sind viele der Sagengestalten ein wenig seltsam für mitteleuropäische Menschen.
Ich weiß nicht, wie die alle namentlich heißen, aber sie sind toll. Der Kern der Geschichte beginnt relativ spät, wie ich der Fairness halber anmerken muss und der 2D-Animationsstil mag vielleicht nicht den Geschmack von allen treffen, aber was hier an Herzblut drinsteckt, das ist so richtig, richtig zu bemerken.
Die Entwicklung die Ben durchmacht, seine Erkenntnis, dass er seine kleine Schwester über alles liebt und alles für sie auf sich nehmen würde – das wird richtig herzerwärmend erzählt. Dann gibt es noch eine Hexe, die Menschen und anderen ihre Gefühle raubt und sie damit in Stein verwandelt. Der Grund? Sie hatte einen Sohn, der war ein Riese, aber … lange Geschichte, aber sie ist nicht 100%ig böse. Auch wie das gelöst wird – super.
Die Musik ist ohnehin auch toll und herzergreifend. Wäre auch seltsam, wenn die Musik bei einem Film mit diesem Titel schlecht wäre.
Ich hab den Film mit meinen Kindern angesehen und zeitweise war ich kurz am überlegen, ob er ihnen nicht zu steil wird – die Teile mit der Hexe zum Beispiel. Der Weg zu ihrer Hütte ist mit Statuten ausgelegt und man sieht natürlich, dass das früher Menschen waren. Und die Metapher von „zu Stein werden ohne Emotionen“ … ich war mir nicht sicher, ob sie das nicht verwirrt.
Absolutes Gegenteil: Die haben mir erklärt, was da passiert. „Schau mal, Papa! Die haben keine Gefühle mehr, drum sind sie zu Stein verwandelt. Weil, wer nichts mehr fühlt, der mag auch nichts mehr machen, sondern nur noch starr herumsitzen.“
Hola, die Waldfee (wie Snöfried denken würde). Und auch, wenn das Ende ein bisschen traurig ist, so ist es auch wunderschön. Und wenn dann die Kleine zum ersten Mal spricht – Tränen, sag ich nur. Tränen. Bei mir, nicht bei den Kindern.
„Die Melodie des Meeres“ bekommt von mir 8 von 10 möglichen, absolut sehenswerte und märchenhafte, Punkte.

