The Whistler (Filmkritik)

Nicole (Diane Guerrero) und ihr Mann ziehen zurück aufs Land bzw. nach Venezuela. Passend, dass auch ihr Schwiegervater vor kurzem verstorben ist und ihr Mann jetzt der Mann im Haus ist. Laut ihrer Schwiegermutter. Und der Mann im Haus ist dringend notwendig, denn die Farm bzw. Ranch hat Probleme: Die Felder im Besitz der Familie werden von „Squattern“ genutzt, die es sich dort gemütlich gemacht haben.

Und außerdem geht irgendetwas um in den Reihen der Felder. Etwas, dass der Folklore nach „The Whistler“ heißt. Und wenn du ihn sein Lied pfeifen hörst, dann bist du kurz darauf Geschichte.

Alles nur Gerüchte, so Nicoles Mann. Das sind sicher die Squatter, die Leute über den Jordan schicken. Immerhin machen die Voodoo oder so Zeug. Aber Nicole glaubt der Sache nicht …

Wenn ich den Film auf einen Satz zusammenfassen darf: Ein Monster, dieses Mal pfeift es, geht am Land um und killt mehr oder weniger wahllos Leute bis es aufgehalten wird.

Das ist es. Mehr ist es nicht. Das Monster ist neu, aber auch nur dem Namen nach – alles andere an ihm ist zu 100% generisch. Es gibt auch keinen Twist. Man sieht in der ersten Szene wie es entsteht. Ja, nach knapp zwei Drittel sehen wir, dass die erste Szene uns – oh Schock! – etwas vorenthalten hat, was damals passiert ist und das soll wohl unseren Blick auf einen Charakter im Film verändern. Mir war’s völlig egal, weil auch alle Figuren im Film zu 100% austauschbar sind.

Ich musst ehrlich gesagt sogar den Namen der Hauptfigur nachschlagen, weil ich ihn zehn Minuten nach dem Film nicht mehr wusste. Die zwischenmenschlichen Momenten zwischen Nicole und ihrem Mann sind fast ein wenig schmerzhaft. Ich habe vergessen zu erwähnen, dass die beiden ihr Kind verloren haben und auch deshalb in Venezuela sind – Abstand. Neuanfang.

Klappt wie in jedem anderen Horrorfilm natürlich wunderbar.

Ich kann es nicht sagen, zumindest kann ich den Finger nicht auf die Wunde legen, aber der Film hat es zu keinem Moment geschafft, mich abzuholen. Vielleicht liegt es dann der Werbekatalog-Optik von Diane Guerrero – ja, sie sieht gut aus. Sie kann spielen. Aber irgendwie hat sie für mich nicht in den Film gepasst. Zu sauber, zu adrett, zu „schön“.

Der Rest des Films hat einen dreckigen, natürlichen Look. Man merkt, es ist Venezuela und nicht irgendein High-Tech-Vorort in Amerika. Der Dschungel ist da. Die Männer auf der Farm, die Squatter – das sind Personen, die wirken als hätten sie schon dort gelebt und gehörten zu Land – also kudos in diese Richtung.

Die Entscheidung Diane Guerrero so wirken zu lassen, war vermutlich eine bewusste Entscheidung, weil das „Großstadtmädel“ aufs Land kommt und dort nicht hinpasst. Was allerdings ja nicht stimmt, denn sie spricht ja perfekt spanisch und überhaupt, wenn man die Backstory … ach, egal. Ich denke da mehr drüber nach als die Macher:innen.

Es gibt wie üblich nach knapp zwei Drittel mal einen so genannten Twist, der einer war, der auch gut gemacht war, aber er wird quasi sofort aufgelöst – man sieht es ja! – nur, um dann einige Zeit später als „Twist“ aufgegriffen zu werden. Äh – Nein. Das war kein Twist. Das habt ihr ja vorher schon gezeigt. Aber gut. Haben sie vielleicht vergessen.

Naja, ich formuliere es mal nett: Der Film ist absolut in Ordnung. Er macht nichts grundlegend falsch, aber auch nichts grundlegend anders oder Interessantes. Das Schauspiel passt schon. Die Kameraarbeit funkt. Die Optik ist (großteils) passend.

Es scheitert halt an einem Drehbuch, welches irgendwie zumindest für mich nie wirklich zündet. Und dann plätschert es noch eine Weile herum und dann ist er aus. Es gibt dann noch – natürlich! – eine Szene in welcher Nicole mit ihrem verstobenen Kind sprechen kann – immerhin will sie das ja nachdem sie von all dem Voodoo erfährt – und tja, was soll ich sagen?

Ich verweise auf den ersten Absatz dieser Review.

„The Whistler“ bekommt von mir 5 von 10 möglichen, als grundlegend okay, aber halt auch völlig generisch seiende, Punkte.


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