Best Of Worst Case: Breadcrumbs – Das Hänsel und Gretel Massaker (Filmkritik)

Ja, manchmal ist das Leben nicht einfach: Da beschließt man zu alt für das Pornogeschäft zu sein, noch bei einem letzten Film mitzumachen (und als Partner einen wirklich jungen Mann zu haben, der einen vergöttert) und fährt dazu aufs Land und nistet sich in einem Haus im Wald ein.

Und am Weg dahin trifft man zwei seltsame Jugendliche, die beide wenig sprechen, einer davon hat Blut im Gesicht und irgendwie wirken die, als wären sie ein bisschen irre. Als die beiden (Bruder und Schwester) dann noch des nachts auftauchen, durchs Fenster beim Dreh zusehen und sich generell sehr seltsam benehmen, steigt die Unsicherheit immer mehr. Und dann offenbart sich, dass die Jugendlichen so gar nicht richtig ticken … welch Überraschung.

Breadcrumbs

Ich weiß nicht mehr, warum ich mir gedacht habe, dass „Das Hänsel und Gretel Massaker“ ein sehenswerter Film sein könnte. Vielleicht lag es am Klappentext der DVD, vielleicht an dem coolen Cover, vielleicht hatte ich auch einfach einen miesen Tag. Fakt bleibt, dass der Film nicht hält, was er verspricht. Und das im positiven, wie im negativen Sinn.

Zu Beginn des Films sehen wir eine sehr unheimliche Szene, die Laune macht und sogar beim hellichten Sonnenschein eine Gänsehaut entstehen ließ. Danach folgte der Vorspann (der sich als das Beste am ganzen Film herausstellen sollte), der in schön gezeichneten und coolen Bildern die Hänsel-und-Gretel-Geschichte umreißt. Ein verdammt guter Spannungsaufbau, der allerdigns in die Hose geht, weil der Film dann in ein reguläres „Slasher“-Filmchen-Fahrwasser kippt.

Okay, dachte ich mir, ist das halt eben ein richtig ernster Horrorfilm. Bis zur Hälfte trifft es das auch: Die schrägen „Jugendlichen“ (nennen wir sie mal so …) werden wie gewohnt eingeführt, tauchen unerwartet auf und benehmen sich so richtig unheimlich, machen seltsame Anspielungen („I told her, not every man with an axe is your enemy. We play different out here in the woods“) und so weiter. Und dann kommt die „unerwartete“ Wendung. Von da an geht es dann leider so richtig bergab.

Aber – und das ist die Crux bei der Sache – leider wird der Film auch nicht so schlecht, dass er schon wieder witzig wird. Er wird einfach dermaßen austauschbar und beliebig, dass es fast schon weh tut. Der zweite Twist ist so vorhersehbar, dass ich das Wort „Twist“ eigentlich nicht mal verwenden mag.

Richtig ärgern musste ich mich über die – mittlerweile scheinbar üblichen – Drehbuch/Schnittfehler im Film. Szenen die einfach jedweder Logik entbehren und nicht stimmig sind. Da kann es schon passieren, dass eine an sich erwachsene und intelligente Frau einen der Killer beschützt, weil „wir ja nicht wissen, ob sie die Täter sind!“, wo doch gerade zwei Minuten davor zwei ihrer Kollegen einen Mord beobachtet(!) haben. Oder zwei erwachsene Männer streiten darüber, ob man jemand ins Haus lässt und der eindeutig körperlich Unterlegene setzt sich durch. Wie? Er sagt halt „Nein.“ Sein Gegenüber ringt mit sich, hat moralische Zweifel, ist innerlich zerrissen. Aber tut nichts. Steht nur da. Um es anders zu formulieren: Die emotionale Tiefe mancher Szenen hängt in keinem Zusammenhang mit den aktuellen Ereignissen. Wenn jemand panisch ist, dann ist er/sie panisch. Mag der Grund noch so an den Haaren herbeigezogen sein (bester Grund: Das stand so im Drehbuch …).

Amy Crowdis (als Gretel) würde ich allerdings gerne in anderen Filmen noch öfter sehen, da man ihr wirklich alle Facetten ihrer Darstellung glaubt und auch ihr Bruder Hänsel (Dan Shaked) macht seine Sache ziemlich gut (vor allem gegen Ende. Ich sag nur „Mommy! Mommy!“).

Allerdings ist der Film zu spät zu Ende und hat unnötig verwirrende finale fünf Minuten, die wohl eine Fortsetzung möglich machen sollen (die hoffentlich nie kommt). Auch wenn es da die eine Szene mit den Pfeilen im Rücken und den Worten „Lass sie los!“ gibt, die mich wirklich überrascht hat, kurz schockierte und dann zum Kichern brachte.

Übrigens: Das im Trailer erwähnte Geheimnis, hab ich im ganzen Film nicht finden können (wurde auch nie darüber gesprochen oder angedeutet) und – nur so nebenbei erwähnt – wer sich den Trailer anguckt, kennt alle „Twists“ des Films.

Sollte mir außerdem jemand erklären können, wie es passieren kann, dass im Trailer von „Childern(sic)“ die Rede ist, anstatt von „children“, der oder die darf gerne einen Kommentar hinterlassen. Aber vielleicht ist das einfach eine „Meta-Ebene“ zu hoch für mich. /sacrasm off

„Breadcrumbs – das Hänsel und Gretel Massaker“ bekommt von mir -5 von -10 möglichen, leider zu durchschnittlich meuchelnden Punkten.

Best of Worst Case-Urteil (Trashfaktor: Szenenfolge, Logik, Schnitt):
Eigentlich als Slasher gedacht und durchaus ernst gemeint, kann man den Film spätestens ab der Hälfte nicht mehr für voll nehmen. Schade. Aber immerhin ob der völlig absurden Verhaltensweisen der Leute im Film unterhaltsam.

Fazit: Nur bedingt empfehlenswert.

Bread Crumbs - Das Hänsel & Gretel Massaker (uncut)


von Mike Nichols [Great Movies GmbH]
Preis: EUR 5,78


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