Citizen Vigilante (Filmkritik)

Sanders (Armie Hammer) hat genug von Gesetzen, die Opfer im Stich lassen und Täter beschützen. Deshalb ist er als Vigilante der Bürger selbst auf den Straßen unterwegs.

Dabei hat er ebenso korrupte Richter auf dem Radar und nein, keiner überlebt, der sich einmal auf seiner Liste befindet. Das ruft natürlich unweigerlich die Cops in Form von Interpol Regional Chief Henry (Costas Mandylor) auf den Plan…

Im Jahr 2016 hat sich der kontroverse deutsche Regisseur Uwe Boll mit seinem Finale der Rampage Trilogie, von der Filmwelt temporär verabschiedet. Der DVD/Blu-Ray Markt war am Zusammenbrechen und ohne diese Einnahmen, konnte er seine Projekte nicht mehr finanzieren. Seitdem hat er mit seinem Sterne-Restaurant „Bauhaus“ in Vancouver ein zweites finanzielles Standbein gefunden.

Gleichzeitig wurde Streaming immer populärer, weswegen er einen neuen Weg gefunden hat, mit seinen Independent Produktionen, Geld zu machen. Citizen Vigilante – der ursprünglich The Dark Knight heißen sollte, keine Ahnung warum Warner Bros. da was dagegen hatte – ist nun sein bereits fünftes Projekt seit seiner Rückkehr.

Hier kommen Verbrechen vor, die von wahren Missetaten in Europa (etwa England) inspiriert wurden, auch in Deutschland. Reaktionen darauf? In good old Germany wurde dem Film ein FSK-Rating verwehrt, weswegen er weder im Kino noch im Stream erscheinen darf. Eine Klage hat Boll verloren aber an die SPIO hätte er sich noch wenden können. Internationale Nachrichten wie „Hate Speech punished more harshly than gang rape“ sind jedoch wohl die bessere Werbung.

Es ist genau dieses Lead Up zum Finale, dass dich wirklich den Kopf schütteln lässt. 7 Jugendliche vergewaltigen ein 14 jähriges Mädchen und werden dafür nicht eingesperrt. Warum? Weil laut Richter die Politik versagt hat, die Jugendlichen richtig zu integrieren. Sie seien genau so Opfer wie das Mädchen und die Vergewaltigung war in einer Form ein Schrei nach Struktur.

Dass dieser Wortlaut dem real gesprochen Wort der zuständigen Richter im Sinn entspricht, sollte wohl jedem einzelnen Menschen zu denken geben. Bringt Boll seine Botschaft subtil rüber? Ja, genau, mit der Subtilität eines Vorschlaghammers. Kommt die emotionale Wucht an, oder bekommt man Wut auf die Dinge, wie sie in unserer Welt laufen? Oh ja, das schafft der Film zu 100 Prozent.

Der durch dumme Aktionen in der #MeToo-Ära gecancelte Armie Hammer (Wounds) wurde laut seinem Interview selbst von Boll für die Rolle angeschrieben und man sieht ihm die Freude an, dass er endlich wieder seinen Traumjob nachgehen kann. Seine Kinder hätten ihm geholfen zu überleben und die Aussicht auf neue Rollen hat ihm die Kraft gegeben, weiter machen zu können.

Als Sanders ist er konzentriert, unerschütterlich in seinen Vorstellungen und wenn er seine Gerechtigkeit ausübt, dann gibt es keine Gefangenen. Wie er den Schimmel bei einem Bordell-Besuch erkennt oder das SWAT-Team warnt, bevor er das Feuer eröffnet (plus die von Boll absichtlich irritierend fröhliche Musik), sind dabei kleine Eigenheiten, die ihm Profil verleihen, obwohl man nichts über seine Beweggründe weiß.

Wer sich nicht in seiner unbeweglichen Blase befindet, der wird auch unweigerlich zum Diskurs angeregt. Warum gewisse Menschen aus gewissen Kulturen anders funktionieren, ist die eine Frage. Als Ausrede für ein Verbrechen – z.b. ich steche Jemanden ab – da muss das dann aber egal sein, wo ich herkomme bzw. darf es die Strafe nicht beeinflussen. Und wenn die Gesellschaft/Regierung der wahre Übeltäter sein soll, dann ändert doch bitte etwas daran.

Rache-Thriller wie etwa in den letzten Jahren die „Equalizer“ Trilogie sind ja deshalb so beliebt, weil da endlich Jemand etwas tut, wo alle anderen schlafen. Bolls Vigilante ist dabei aber irgendwie zu nahe an der Realität und vor allem deshalb auch für Leugner unangenehm, wie auch etwa Sound of Freedom für manche aus den falschen Gründen Propaganda war.

Wenn ich nett bin würde ich schreiben: Filmtechnisch und dramaturgisch sprüht das Werk durchaus europäischen Independent-Flair aus. Sonst müsste ich sagen, die Erzählstruktur ist etwas konfus, die Darsteller sind blass und die Fahrten des Panzerfahrzeugs durch die Stadt, dauern gefühlt eine halbe Stunde. Die große Kunst ist es hier aber, wie sehr Boll wieder mal aufregen und polarisieren kann und sowohl Leute aus dem linken als auch rechten Lager, zu extremen Aussagen verleitet.

Die moderne (etablierte) linke Seite ist schon längst bereit für Gewalt, wie wenn etwa die Ermordung von Charlie Kirk gefeiert wurde, oder man dazu aufruft, Donald Trump zu töten. Der finale Teil des Filmes löst dann die Frage aus: soll die Gegenseite (damit meine ich die normalen Rechten, nicht die extremen) auch diese Route wählen und ist das daraus resultierende Massaker wirklich das, was wir wollen?

Das Beste wäre natürlich die Menschen, die etwas ändern könnten, würden das auch tun. Wenn z.b. in Deutschland drei von fünf Vergewaltigungen von Männern aus anderen Ländern begangen wurden, dann soll man solche Aussagen nicht als Rassismus oder Hetze abtun und nichts tun, sondern lieber versuchen dahinter zu kommen, warum das so ist.

Was wäre also unsere Aufgabe? Ich finde nicht, dass Bolls Film mehr als andere Selbstjustiz Thriller dazu aufruft, selbst auf der Straße aufzuräumen. Er zeigt viel eher die Ohnmacht der Menschen, die Suche nach Rettung und den Frust über ein stagnierendes System, in dem sich die kontrahierenden Seiten, gegenseitig klischeebehaftetes Schubladendenken um die Ohren hauen.

„Citizen Vigilante“ bekommt von mir 5/10 sofortigem Abwimmeln mit kalkulierter Provokation entgegen wirkende Empfehlungspunkte.


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