The Bluff (Filmkritik)

Ercell (Priyanka Chopra Jonas) lebt zusammen mit ihrem Mann, dessen Schwester und dem gemeinsamen Sohn in einem Inselparadies. Früher war sie jedoch die gefürchtete Piratin Bloody Mary, da sie als Teenager von Captain Connor (Karl Urban) gefangen genommen wurde, der sie zu einer skrupellosen Piratin und seiner Liebhaberin gemacht hatte.

Bis sie ihn eines Tages verraten und verletzt hat und mit einer Kiste voller Gold verschwunden ist. Genau dieses Leben holt sie nun wieder ein, denn Connor ist mit seinem Schiff auf dem Weg zu ihrer neuen Heimat und er hat Ercells Mann als Gefangenen mit an Bord…

Seit dem im Jahr 2004 erschienenen Film „Haven“ hat Frank E. Flowers ausschließlich bei Musikvideos, Serien und Kurzfilmen die Regie übernommen. Für AmazonPrime hat er nun seine lange Abstinenz unterbrochen und einen Piraten-Actionfilm inszeniert, bei dem ursprünglich Zoe Saldana (Guardians of the Galaxy) die Hauptrolle übernehmen sollte. Sie ist weiterhin als Produzentin mit an Bord, doch die Antihelden-Rolle hat schließlich Priyanka Chopra Jonas übernommen.

Die ist derzeit ja sozusagen eines der Gesichter von Amazon, nach ihrer Serie Citadel (die zweite Staffel soll bald kommen) und dem Film Heads of State von 2025. Um den „Zeitgeist-Filter“ kurz anzuwenden, hier gleich folgende Information: ja, hier kämpfen dunkelhäutige Frauen und Kinder, gegen böse, weiße, toxisch maskuline Männer. Das sind aber erstens Piraten – da soll das abgesehen von der One Piece Crew so sein – und zweitens ist es für den Film völlig egal.

Es geht nämlich außer um Schauwerte um so ziemlich gar nichts. Auf Grund des unverbrauchten Insel-Settings und dem Hineinragen der Realität – dieser Winter 2025/2026 war ziemlich kalt und reich an Schnee – zelebriert man beim Ansehen förmlich dieses Urlaubs-Feeling, plus dieses Gefühl von Freiheit, dass die Seefahrt mit sich bringt. Den stärksten Pluspunkt dies zwischendurch als kleinen Happen zu genießen, liefert dann aber klar Karl Urban (The Boys).

Natürlich ist der sowieso immer mindestens sehr unterhaltsam, aber hier reißt er mit seinem raubeinigen Charme, einfach alle seine Szenen an sich. Man liebt es eindeutig ihn zu hassen und auch wenn es klar ist, wie es enden wird, weil von der Story her hundertprozentig nötig und weil es sich um kein Franchise handelt, aber so einen Gegner bringt man nicht um, den lässt man immer wieder mal in Erscheinung treten.

Was die Härte betrifft, da geht Amazon ebenso wenig zimperlich vor. Vielleicht nicht ganz so rabiat wie zuletzt in The Wrecking Crew, doch Morde abseits der Kamera, gibt es nur selten. Dabei macht die in solchen Fights bereits erprobte Chopra eine gute Figur, auch wenn teilweise die Kameraführung zu chaotisch wirkt und ein paar Aktionen durchaus aufgesetzt in Sinne von zu sehr inszeniert und nicht spontan wirken.

Was ich dafür schätze, sind schräge Kleinigkeiten. Wenn Ercell zu Beginn eine Muschel im Garten stört, die aus der geraden Reihe der Muscheln verschoben wird und sie dann im weiteren Verlauf eine Muschel aus dem Set nimmt, einem Piraten den Kopf damit einschlägt und sie dann wieder genau fein säuberlich in die Reihe legt, dann fällt dies exakt in die Art von individuellen Eigenheiten, die ich zu schätze weiß. Oder etwa wenn ihr Sohn seinen Dolch sucht und sie den noch schnell „diskret“ aus dem Nacken eines Gegners entfernen muss.

Das ergibt in Summe ein kurzweiliges Piratenabenteuer, das schöne Landschaftsbilder, starke Ladys, raue Typen und coole Oneliner kombiniert und somit genau den Musikvideo-Wurzeln des Regisseurs entspricht. Für Fans von Urban sowieso ein klarer Tip aber auch Chopra schafft es mit ihrer Mischung aus Stärke und Verletzlichkeit bzw. Piratin und Mutter, dass man sie nie als unsympathisch erlebt. Sie ist am ehesten ein Girl und ein Boss, aber eben nicht beides zusammen.

„The Bluff“ bekommt von mir 6/10 diese eine Dame niemals hinter sich lassen könnende Empfehlungspunkte.


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