28 Years Later: The Bone Temple (Filmkritik)

Spike (Alfie Williams) muss sich beweisen – wenn er einen Zweikampf gewinnt, dann darf er als neuer „Jimmy“ bei der Gruppe mitwirken und unter Leitung des obersten Jimmy (Jack O’Connell) mit durch das Land ziehen, dessen Lehre verbreiten und die Sünder bestrafen. Nachdem es ein Kampf auf Leben und Tod ist, wehrt sich Spike – und gewinnt.

Als er mit den „Jimmies“ durch das Land zieht, merkt er jedoch rasch, in welches Umfeld er hier geraten ist – Satanisten, welche andere Leute sadistisch ermorden, weil sie denken, dadurch „old Nick“ (den Teufel) zu unterstützen, denn die „Zombieplage“ ist schließlich dessen Machwerk.

Bei einer Erkundungstour entdeckt eine der Jimmys Dr. Kelson (Ralph Fiennes), der gerade dabei ist, einen Alpha, den er Samson (Chi Lewis-Parry) nennt, zu bändigen und vielleicht sogar zu heilen. Sie hält ihn für den Teufel, da er mit den „Zombies“ reden kann und berichtet das – einem sichtlich irritierten Anführer-Jimmy. Aber man macht sich auf dem Weg zu ihm, immerhin ist es ja das Ziel, diesen zu treffen.

Und dann prallen die Welten aufeinander …

Meine Erwartungshaltung an diesen Film war erneut tendentiell Null. Ich kenne keinen Film von Nia DaCosta der mir gefällt (ja, das „Candyman„-Remake inkludiert), deshalb war ich unterwältigt, als ich gelesen habe, dass sie hier die Regie in der Hand hat. Das Drehbuch ist natürlich erneut von Garland. Und das merkt man im Guten wie im Schlechten.

Die Story ist keine Fortführung des ersten Teils – so kommen weder die Insel, noch Spikes Vater, noch sonst irgendwas in dieser Richtung vor -, es ist noch nicht einmal eine Fortführung der Storyline von Spikes Entwicklung. Stattdessen wird der Weg vom Finale des ersten Teils weiterverfolgt und es wird sofort mit dem Jimmy-Clan angefangen. Und bei dem bleiben wir auch bis zum Ende.

Das ist gut. Und das ist schlecht. Denn einerseits ist der Clan interessant und sein Anführer ein spannender Charakter, nur ist das Ganze meiner Ansicht nach schon ziemlich Malen-nach-Zahlen. Da kann jetzt DaCosta nix dafür und sie gibt sich alle Mühe den Film interessant zu inszenieren (böse Zungen würden sagen Danny Boyle zu kopieren) und schreckt vor allem im ersten Drittel auch nicht vor richtig brutalen Szenen zurück, aber das alles übertüncht meiner Ansicht nur einen relativ schwachen Plot.

Was sehen wir konkret und warum finde ich es zu wenig?

Wir sehen Spikes Aufnahme in die Gruppe. Dann überfällt die Truppe einen Hof und schlachtet die Bewohner:innen brutal ab. Einige der Jimmys gehen drauf. Dr. Kelson wird gesichtet. Die Gruppe geht hin. Parallel sehen wir Dr. Kelson, der sich Samson annähert und eine Idee hat, wie man vielleicht das Virus heilen könnte. Und dann taucht die Gruppe Jimmys auf. Ein Gespräch zwischen Dr. Kelson und Jimmy Crystal. Dann die Konfrontation und Ende.

Mehr ist da nicht. Und das ist im Grund genommen nicht wirklich viel. Die Szenen mit den Jimmys sind zwar im positiven Sinn irre und erzeugen Spannung, weil man halt nie genau weiß, was als nächstes passieren wird („Tell me – will you leave again?“ – „But of course.“ Pause. „But first we will murder you all.“). Aber so richtig zur Story haben sie für mich nicht viel beigetragen. Ja, Jimmy Crystal ist irre. Okay, das wussten wir im Grunde schon. Und die anderen bekommen wenig bis keine Backstory.

Der Teil mit Dr. Kelson ist an sich spannend, aber leider auch zu einhundert Prozent vorhersehbar und irgendwann hab ich genug drogenmüde Augen und Zuckungen gesehen, damit ich verstehe was mir vermittelt werden soll.

Der spannendste Teil war das Treffen zwischen Dr. Kelson und Jimmy Crystal, weil das ein ziemlich offenes und ehrliches Gespräch war und wirklich cool anzuhören. Was dann folgt … nun, das ist Geschmackssache. Es gibt dann einen Auftritt von Dr. Kelson, den man entweder grandios oder peinlich finden kann. Ich fand ihn peinlich. Da ist grandiose Musik („The Number Of The Beast“ von Iron Maiden) und eine interessante Optik (ich würde sagen da hat jemand den Sänger der Smashing Pumpkins kopiert oder die späten Tiamat) und Fiennes gibt sein Bestes, aber in Summe: Sorry. Nein. Das war nicht meins.

Die folgende Konfrontation, also was konkret passiert, wie es endet und warum sich alles anders entwickelt als vermutlich gedacht – kleiner Spoiler: Kelson erkennt Spike – fand ich dann wieder gut. Genauso, wie ich die Masken der Jimmys gut fand. Und das ein „Thank you“ so viel beinhalten kann ist wirklich super rübergekommen und hat mir sehr gut gefallen.

Fand ich den Film jetzt gut? Hm. Schwer zu sagen. Ich bereue nicht, ihn gesehen zu haben, fand einige Ideen darin super, hab mir aber überlegt, ob ich ihn auch super finden würde, wenn es kein „28 xy later“-Film wäre, sondern einen anderen Titel tragen würde. Ich muss gestehen: Vermutlich nicht. Vermutlich hätte ihn mies gefunden, wenn er irgendeinen anderen Titel gehabt hätte. So ehrlich muss ich sein.

Und das am Ende dann auf einmal Jim (Cilian Murphy) aus dem allerersten „28 Days Later“ auftaucht, war ja bereits angekündigt und erfreulich, weil Cilian Murphy, wirkt aber im Moment noch richtig aufgesetzt und irgendwie deplaziert. Nicht so schräg wie das Ende vom Vorgänger, aber doch irgendwie seltsam. Was das für den möglichen dritten Teil bedeuten kann – keine Ahnung. Ich habe Null Ahnung, wo die Reise da jetzt hingehen könnte. Alles ist möglich, alles ist offen. So gesehen ist auch die Spannung in diese Richtung gering, weil es für mich keine Erwartungshaltung geben kann, wenn ich nicht weiß, worauf jemand hinauswill. Und so wie ich Garland kenne, wird er ohnehin auf nichts hinauswollen, sondern einfach mittdrin aufhören.

„28 Days Later – The Bone Temple“ bekommt von mir 6 von 10 möglichen, gute Ansätze habende, sich für mich aber zu sehr verzettelnde, Punkte.


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