Resident Evil: Welcome To Racoon City (Filmkritik)

Claire Redfield (Kaya Scodelario) ist auf dem Weg zurück in ihre Heimat: Racoon City. Grund dafür ist die Nachricht eines Verschwörungstheoretikers, dass der in dieser Stadt vorherrschende Konzern Umbrella etwas Gewaltiges vorhat. Erst hat er die Einwohner:innen zu Versuchszwecken missbraucht und sich dann aus dem Staub gemacht. Wie es jetzt aussieht, wird es aber noch schlimmer, denn „etwas“ passiert in Racoon City. Aber eigentlich ist Claire auf der Suche nach ihrem Bruder Chris (Robbie Amell), denn dieser ist in der Stadt geblieben und hat sich der lokalen Polizei angeschlossen.

Just in dieser Nacht bekommen Chris und seine Kolleg:innen Albert Wesker (Tom Hopper), Jill Valentine (Hannah John-Kamen) und William Birkin (Neal McDonough) den Auftrag im Anwesen der Spencers, welche die Gründer von Umbrella waren, nach dem Rechten zu sehen, denn ein Aufklärungstrupp, der dorthin unterwegs war, ist nie zurückgekehrt.

Nur Leon S. Kennedy (Avan Jogia) darf allein mit Chief Irons (Donal Logue) zurückbleiben und das Revier bewachen. Aber okay, er ist ja auch der Anfänger, ein Rookie, und außerdem wirkt er, als hätte er noch einen mächtigen Kater auszuschlafen.

Dann aber geht es los: Scheinbar fallen Zombies über die Stadt her und plötzlich geht es um Leben und Tod …

Die Erwartungshaltung war von vielen Seiten groß. „Back To The Roots“ war das Motto. „Es soll ein echter Horrorfilm werden“, war das Motto. „Wir werden uns eng an die Vorlage halten“, hieß es. Und was ist dabei rausgekommen? Nun, das ist eine an sich gute Frage, denn ich habe den Film jetzt endlich mal gesehen und ihn ein wenig nachwirken lassen, aber was übrig bleibt davon sind drei Dinge:

Erkenntnis 1: Die Locations und Sets sind wirklich super nah an der Vorlage. Sei es der Eingangsbereich des Polizeireviers (mehr werdet ihr im Grunde genommen nicht sehen) oder die Eingangshalle des Spencer-Anwesens: Beides sieht gut aus. Was man von den Figuren weniger sagen kann. Für jene, die mit den Spielen und den Charakteren nicht vertraut sind wird es egal sein, nehme ich an, aber für alle anderen gleich mal ein Wort der Warnung: Optisch haben die Figuren im Film mit denen aus den Spielen bis auf die Uniformen (oder die Rote Jacke) nichts mit denen aus den Spielen zu tun. Gar nichts.

Erkenntnis 2: Wenn man versucht zwei Spiele (mit jeweils rund 20 Stunden Spielzeit) in einen Film zu zwängen, dann bleibt viel auf der Strecke. Wenn man dann noch versucht, so etwas wie eine gemeinsame Einführung in beide Spiele zu schaffen, wie es hier versucht wird und erst nach gut 45 Minuten an den Punkt kommt, an dem die Spiele eigentlich beginnen, dann – tja, dann kann man sich nicht erwarten, dass sich auch nur irgendwas, von Anspielungen abgesehen, auf dem Bildschirm wiederfindet. Und so ist es auch. Von den verwinkelten Gängen des Spencer Anwesens über die dunklen und bedrohlichen Korridore der Polizeistation sind wir weit entfernt. Anwesen der Spencer. Fünf Schritte: Boom Hubschrauber kracht nieder. Fünf Schritte: Zombie! (1:1 eine Szene aus dem Spiel) – Bäm. Zombie weg. Fünf Schritte: Ui, Geheimlabor. Schnitt. Im Labor: „Stop! Gib mir das Virus oder ich schieße!“. Das ist ein Abhaken von Wegstationen und in keiner Sekunden kommt so etwas wie Atmosphäre auf. Was wirklich schade ist, denn diese hätte dieser Film hier wirklich nötig.

Auch der Handlungsfaden (es tut ein bisschen weh, es wirklich „Handlung“ zu nennen) mit Leon ist völlig für den Eimer. Leon ist der Neuling und wird zurückgelassen, um im Polizeirevier die Stellung zu halten. Da kracht keine zwanzig Meter vor ihm ein Tanklaster in die Luft und der gute Mann merkt es nicht, weil er noch einen Kater vom Vortag hat, die Füße am Tisch und dösend Musik hört. Das hat jetzt nochmals was genau mit dem Leon aus dem Spiel zu tun? Außer dem Namen? Nichts. Nochmals: Mag für Neulinge, welche die Figuren nicht kennen, passen, aber ansonsten? Wer ist diese Person? Sicher nicht der Leon, den wir aus den Spielen kennen. Gleiches gilt für Claire Redfield. Und Jill Valentine (wobei die quasi nicht vorkommt; von einer Szene mit Wesker mal abgesehen, die aus dem Nichts kommend plötzlich hochdramatisch ist … oder anders: Von Hannah John-Kamen hochdramatisch gespielt wird: Als würde ihr bester Freund in den Untergang reiten. Dabei hatten die beiden Figuren davor ungefähr die Chemie von zwei nebeneinander im Dreck liegenden Regenschirmen).

Zusammenfassung von Erkenntnis 2: Figuren ohne Tiefe, die Namen tragen, die sie nicht verdienen und Charakterzüge und Hintergrundgeschichten aufweisen, die mit den Figuren, die man sich erwartet wenig bis nichts zu tun haben. Sets, die zwar im Ersteindruck Vorfreude erwecken, weil man sich sofort an ikonischen Orten wähnt, aber nicht genutzt werden und die Abwesenheit jeglicher Atomsphäre. Puh. Das muss man erst mal schaffe, es so zu vermurksen. Und nein, das ist nicht mal mehr trashig lustig.

Erkenntnis 3: Wer immer auch entschieden hat, dem Regisseur von „47 Meters Down: Uncaged“ oder „The Strangers: Opfernacht“ bei diesem Film hier Regie führen zu lassen UND das Drehbuch zu schreiben, der oder die hat wohl ein Rad ab. Es ist wirklich, wirklich traurig, weil man sehen kann, was versucht wurde. Johannes Roberts hatte die Erkenntnis, dass ja „Resident Evil 1“ und „Resident Evil 2“ quasi parallel spielen, weshalb er einen gemeinsamen Weg zu diesen beiden Spiele erzählen wollte und die Figuren dann aufteilen, um zu zeigen was zeitgleich in (Welcome To) „Racoon City“ passiert. Idee: Super. Umsetzung: Fehlschlag. Dabei sind es nicht mal die Ereignisse, die es so schlimm machen (okay, die auch …), sondern die Inszenierung.

Es gibt zB eine Stelle, an welcher Claire aus einem Haus flieht, dann von der Hintertür zur Garage läuft, oder auf ihr Motorrad steigt, sich den Helm aufsetzt und startet. Dann blickt sie nochmals zum Haus zurück (niemand verfolgt sie) und sie fährt weg. Das dauert in den Händen eines guten Regisseurs mit Schnitten ungefähr 5 Sekunden. Und wirkt (wenn die Musik auch noch passend gewählt wird) spannend. Nicht hier. Nicht Roberts. Roberts macht einen Kameraschwenk von der Tür aus der Claire läuft, hin zur Garage und während sich Claire auf das Motorrad setzt, kommt die Kamera in einer Geschwindigkeit näher, dass man denkt, der Kameramann sein eingeschlafen. Die Szene dauert gut zweieinhalb Minuten. Leute: Wisst ihr, was in einem Film in zweieinhalb Minuten alles passieren kann? Irre. Und das kommt immer wieder vor. Wieso macht man sowas? Oder eine andere Szene im Spencer Anwesen, als Chris gegen Zombies antritt. Ich dachte kurz ich sei in Uwe Bolls „Alone In The Dark“ gelandet … ihr wisst schon: Diese eine Szene als alles dunkel ist und man immer im Mündungsfeuer sieht, was passiert. Und Nein, es funktioniert auch hier nicht.

Ich fasse zusammen: Dieser Film ist schlichtweg zu langweilig inszeniert um irgendwie packend zu sein. Für die Fans der Spiele ist einfach so viel falsch (von der Optik der Figuren über deren Charaktereigenschaften). Für Trashfans der Marke „so schlecht, dass es gut ist“, ist der Film einfach zu langweilig und die Szenen, die wirklich (unfreiwillig) lustig sind, sind einfach zu wenige (welche Szenen? Zum Beispiel der emotionale Ausbruch von Jill, siehe weiter oben. Oder als Claire ein Buch mit Namen von Experimenten findet und „durchdreht“. Das ist dermaßen schlecht, das war wirklich witzig anzusehen. Und deshalb auch ärgerlich, weil eigentlich wollte ich einen, wie uns versprochen wurde, einen „echten“ Horrorfilm).

Schade für die ganzen Schauspieler:innen. Ich meine, immerhin reden wir hier von Kaya Scodelario und die hat ja doch in „Crawl“ bewiesen, dass sie es kann und sogar einen ganzen Film allein schultert. Oder Hannah John-Kamen, die doch in „Ant-Man And The Wasp“ die Ghost gespielt hat und uns gezeigt hat, dass sie emotional kann. Das einzige(!) schauspielerische Highlight ist Donal Logue, der dermaßen overactet, dass es richtig Spaß macht (ja, man kennt ihn als Harvey Bullock aus „Gotham„). Von Avan Jogia und Tom Hopper will ich jetzt nicht mal anfangen.

Also, man kann jetzt getrost sagen, dass die Filme von Paul W.S. Anderson nicht die schlechtesten Videospielumsetzungen aller Zeite waren. Immerhin hat es die Reihe auf zumindest sechs Teile gebracht und auch wenn die Qualität von Film zu Film nachließ, so gab es doch ein paar Highlights. Ich denke – und hoffe – dass dieses „Reboot“ nicht über diesen Teil hinauskommen wird.

Junge, ist der Film schlecht. Glaubt mir, der Vergleich mit „Alone In The Dark“ ist treffend. Nur ist „Resident Evil: Welcome To Racoon City“ weit weniger witzig.

„Resident Evil: Welcome To Racoon City“ bekommt von mir 3 von 10 möglichen, an den grundlegendsten und einfachsten Dingen scheiternde, Punkte.


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