Fast & Furious 9 (Filmkritik)

Seit Dominic Toretto (Vin Diesel) Vater ist, verbringt er gemeinsam mit seiner Freundin Letty (Michelle Rodgriguez) und dem kleinen Sohnemann die Zeit auf einer abgelegenen Farm. Sie haben ihr abenteuerliches Leben hinter sich gelassen. Eines Tages bekommen sie jedoch Besuch von ihren Freunden Roman (Tyrese Gibson), Tej (Ludacris) und Ramsey (Nathalie Emmanuel), die für eine Mission ihre Hilfe brauchen würden.

Dom lehnt zunächst ab, dann erkennt er jedoch eine persönliche Verbindung zu dem Fall und somit bricht sein altes Team gemeinsam auf. Kurz darauf bestätigt sich seine Befürchtung, denn ihr aktueller Gegenspieler erweist sich als Jacob Toretto (John Cena), der kleine Bruder von Dom, der von ihm als sie noch junge Männer waren, nach einem tragischen Unfall aus der Familie verbannt wurde…

Ich behaupte jetzt mal folgendes: wer wie ich seit The Fast and the Furious aus dem Jahr 2001 mit dabei ist, der weiß mittlerweile genau, was er von dieser Franchise bekommt und auch will. Bei diesem neunten Part führte erneut Justin Lin Regie, der bereits die Teile drei bis sechs realisiert hatte. Es sollen übrigens unter seiner Regie noch die Teile zehn und elf folgen, danach ist dann (abgesehen von Spin Offs wie etwa Hobbs and Shaw) angeblich Schluß.

Was dieser neunte Teil für mich ist und für was das Franchise steht, ist die perfekte Flucht aus der realen Welt. Egal ob man nun Ablenkung vom Corona-Wahnsinn möchte (weswegen der Film auch ein Jahr verschoben wurde), oder einfach nur dem tristen Alltag einmal entfliehen möchte, es funktioniert einfach perfekt. Dabei ist die Handlung freilich vollkommen egal (die Welt retten gehört irgendwie immer dazu) und der Realismus ist nicht mal mehr ansatzweise dabei, man muss sich schließlich mit jedem neuen Teil weiter übertreffen.

Die Figuren entwickeln sich mittlerweile nicht mehr wirklich weiter, es wird eher richtig zelebriert, wer sie sind und wie sie funktionieren. Dabei hat Jeder/Jede hier die Möglichkeit zu scheinen nur um dem Zuschauer wieder ins Gedächtnis zu rufen, warum man genau diesen jeweiligen Charakter genau so mag. Dieses mal dürfen sie sich auf ironische Art sogar mit ihrer eigenen „Unbesiegbarkeit“ auseinandersetzen und der Tatsache, dass sie selbst die gefährlichsten Situationen die man sich ausdenken kann, ohne einen Kratzer überstehen.

Wenn dann mit Supermagneten Autos durch die Gegend geschleudert werden, dann schüttelt man eben nicht ungläubig den Kopf sondern wundert sich nur, wie sie es doch wieder geschafft haben, noch mehr zu übertreiben und innerhalb des Franchise dennoch absolut stimmig zu agieren. Das ist hier dann wieder mal so gut gelungen, dass ich sogar sagen muss, dass dies für mich der unterhaltsamste Teil seit dem fünften ist, der mein Lieblingsfilm der Reihe ist.

Bei Teil sieben hat der Unfalltod von Paul Walker ja das gesamte Erlebnis beeinflusst (irgendwie hatte man das beim Anschauen ständig im Kopf) und bei Teil acht ist mir dieses „Vin Diesel“ gegen Alle und dennoch ist er besser“ Prinzip etwas auf die Nerven gegangen (ja Vin, wir wissen dass du der Beste bist, nur Dwayne Johnson hat das nicht kapiert). Egal, ich schweife etwas ab aber über den Film selbst gibt es doch glatt auch noch etwas zu berichten.

Mit John Cena (The Suicide Squad) wird hier ein neuer Charakter eingeführt dem man glaubt, dass er mit Vin Diesel mithalten kann. Die Bruder-Geschichte ist natürlich stimmig, weil es bei den Fast-Filmen ja immer sehr um Familie geht und man kann sich deshalb schon denken, dass jeder Zwist hier irgendwann ein Ende hat. Dennoch wird so eine persönliche Note erreicht. Wer hier dann auch noch aller in Cameo-Auftritten seine/ihre Rollen aus früheren Filmen wiederholt, das sollte man als Fan am Besten selbst erleben.

Der Weltraum, unendliche Weiten…ja, auch da ist die Reihe mittlerweile angekommen. Seht das einfach als Metapher, denn Limits (nicht nur die Tempo abhängigen) hat das Franchise schon lange keine mehr. Freunde werden das hier feiern, alle anderen Filmfreunde (vor allem die um Realismus bemühten) sollten einen weiten Bogen um diesen Film machen. Man lacht, wundert sich wie cool die übertriebenen Action-Momente gefilmt sind, feiert die Figuren und ihre spielfreudigen Darsteller und weiß von Anfang an, dass am Ende alles gut wird. Ja, das Jahr 2021 kann genau so einen Film sehr gut brauchen.

Fast and Furious 9 bekommt von mir 8/10 für die einen perfekte und die anderen furchtbare Empfehlungspunkte.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.