Gunpowder Milkshake (Filmkritik)

Vor fünfzehn Jahren, als sie gerade einmal zwölf Jahre alt war, ist Sam (Karen Gillan) von ihrer Mutter Scarlet (Lena Headey) verlassen worden. Dennoch ist Sam in die Fußstapfen ihrer Mutter getreten und wurde eine Profikillerin für eine Organisation, die nur bekannt ist unter dem Namen die Firma. Sie ist eine der Besten, doch aktuell hat Sam neben einem von ihr verursachten Massaker, noch ein anderes Problem.

Sie hat bei ihrem letzten Auftrag von einem achtjährigen Mädchen namens Emily (Chloe Coleman) erfahren, das entführt wurde. Sam hat sie gerettet und das Geld das sie zurückholen sollte, ging dabei verloren. Dies und andere Tatsachen führen dazu, dass Sam zum Abschuss frei gegeben wird und eine ganze Armee von bewaffneten Männern, auf die Dame und ihre junge Begleitung Jagd machen…

Man kann sicherlich behaupten, dass der israelische Filmemacher Navot Papushado sich seine Projekte genau aussucht. Dies ist nach „Big Bad Wolves“ aus dem Jahre 2013 (abgesehen von einer Sequenz für den Anthology-Film „The ABC´s of Death 2„) erst sein dritter Film in seiner Doppelfunktion als Drehbuchautor und Regisseur. Sein aktueller Film ist dabei klar eine Verbeugung vor Quentin Tarantino und zwar speziell vor seinem Werk „Kill Bill“ (man schaue nur mal auf Sam´s Jacke).

Dabei ist dieser Milkshake sicherlich ein „Love it or Hate it“ Kandidat, denn das absurde Abenteuer wirkt wie aus einer fantasievollen Graphic Novel heraus kopiert. Eine weitere Möglichkeit um das Treiben hier zu beschreiben ist der gute alte „man wird es gerne haben, wenn man diese Art von Filme mag“ Satz. Um genau zu sein sind Filme gemeint, bei denen die Handlung rund um die Action-Einlagen geschrieben wurde.

Das „John Wick“ Action-Subgenre sozusagen. In diesem Fall sind diese Momente extrem gestylt. Kein einziger Kampf wirkt spontan, alles wirkt wie ein Setting. Das meine ich jetzt nicht negativ, eher so wie bei einem Computerspiel, wo man in einen Raum geht und genau weiß, dass hier jetzt gleich ein Bosskampf stattfinden wird. Das gibt diesen Szenen eine eigene Dynamik, als würde man sich ein Musik/Tanz- Video ansehen.

Was von der Choreographie ja Kampfszenen nicht unähnlich ist und da gibt es hier dann einiges in unterschiedlicher Qualität zu bestaunen. In den schwächeren Momenten wirken diese Sequenzen einstudiert, andere wiederum, funktionieren perfekt. Eine „Slapstick-Kampf“ etwa, als Sam mit gelähmten Händen gegen drei ebenfalls lädierte Bösewichte kämpft, ist einfach lächerlich, auf eine großartige Art und Weise.

Das Finale gibt es dann auch noch in überstilisierter und blutiger Slow Motion zu bewundern. Über die gesamte Länge wirkt der Film dabei unglaublich fokussiert, eingehüllt in zuckerfarbene Bilder mit Noir Flair und einer klaren Botschaft. Hier räumt ein Matriarchat von starken Damen, mit der präpotenten Männerwelt auf. Das wird dann auch genau so konsequent wie einseitig inszeniert.

Keine einzige Dame ist hier in einer negativen Rolle zu sehen und jeder einzelne Mann (abgesehen von der tragischen Vaterrolle vielleicht) hat es verdient, umgebracht zu werden. Karen Gillan (Jumanji) als Sam ist sehr direkt und ehrlich und wie sie ihre Emotionen kontrolliert und dann doch wieder viel mehr hat (und auch zeigt) als ihre Gefährtinnen, machen sie zu einer sehr sympathischen und nie langweiligen Figur.

Während Lena Headey (Fighting with My Family) und Angela Bassett (Survivor) für aggressive Coolness sorgen, bringen Michelle Yeoh (Boss Level) in sich ruhende Erfahrung und Carla Gugino (Elizabeth Harvest) Herzlichkeit ins Spiel. Von Chloe Coleman (My Spy) wird dann der frische und kindliche frechen Wind beigesteuert und mit diesen Begleiterinnen, bahnt sich mit ihrer Figur der Emily, die nächste Generation von starken Damen an.

Insgesamt klar ein Trip-Film, der dich entweder mit nimmt und dir eine witzige Achterbahnfahrt beschert, oder dich einfach kalt lässt. Ich habe interessanterweise beide Seiten gefühlt beim Betrachten und finde insgesamt, dass das hier ein guter Vertreter seines Sub-Genres ist, jedoch keiner, der mich wirklich umgehauen hat. Dafür wirkt alles zu inszeniert und hat zu wenig raue, kinetische Energie für mich.

„Gunpowder Milkshake“ bekommt von mir 6,5/10 den Shake jedes Mal zum überschäumen bringende Empfehlungspunkte.


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