Black Friday (Filmkritik)

Es ist der Abend von Thanksgiving und somit steigt die Vorfreude auf den wichtigsten und stressigsten Einkaufstag des Jahres. Aktuell drillt Jonathan (Bruce Campbell) seine Angestellten in seinem Spielzeugladen wieder mal darauf, Spielzeuge zu lieben und möglichst viele Produkte an die Kunden zu bringen. Ken (Devon Sawa) ist wenig begeistert, dass er heute hier arbeiten muss und versüßt sich die Zeit mit heimlichen Alkoholkonsum.

Marnie (Ivana Baquero) macht wie so oft gute Miene zum hektischen Spiel und Chris (Ryan Lee) kämpft mit seiner Phobie gegen Viren, die er mit ständigem Händewaschen und Desinfizieren bekämpft. Bald findet der Kampf jedoch gegen die Kunden statt und das in einer viel direkteren Form, als in den Jahren zuvor. Durch eine bei einem Meteoritenschauer auf der Erde gelandeten Lebensform, verwandeln sich die Einkäufer nämlich plötzlich in Zombie ähnliche Mutanten, die ziemlich angriffslustig sind…

Diese Horrorkomödie von Regisseur Casey Tebo (Happy Birthday) mit dem deutschen Zusatztitel „Überlebenschance stark reduziert“, widmet sich einer ganz speziellen Art von Monstern und zwar uns Kunden im Einkaufswahn. Infiziert mit einem Alienparasiten haben die Einkaufenden hier dann keine Chance mehr, ihr wahres Ich zu verbergen. Mal kurz Spaß beiseite: natürlich trifft dieses Virus hier jeden Menschen, doch die Handlung spielt großteils in einem Gebäude und die Verkäufer, sind die Protagonisten.

Was mich gleich zu dem für mich überraschenden Teil bringt, denn die hier eingebrachten Seitenhiebe und Anspielungen sowie der subversive Humor sind um einiges intelligenter, als ich es erwartet hätte. Themen wie die Unternehmenskultur, der Konsumismus und Affären am Arbeitsplatz werden mit Seitenhieben versorgt und auch genretypische Charaktere werden als solche eingesetzt, nur um teilweise gegen das Klischee zu agieren.

Was die mutierten Menschen betrifft, da hat Robert Kurtzmann (From Dusk Till Dawn, 13 Ghosts, All Cheerleaders Die) wieder mal ganze Arbeit geleistet. Die Wesen schwanken irgendwo zwischen ekelhaft, einschüchternd und albern hin und her und was man ihnen dabei sicherlich nie absprechen kann, ist das sofortige Gefühl einiges an Distanz zwischen sich und sie bringen zu wollen. Mit Blut und Erbrochenem sollte man übrigens keine Probleme haben, denn diese kommen nicht gerade selten zum Einsatz.

Drehbuch und Effekte sind somit schon mal gelungen, zum Leben erweckt wird das Ganze dann jedoch durch die Darsteller, die ihren klar als was sie sind/sein sollen erkennbaren Figuren, durchaus auch eine Zusatzebene verleihen. Devon Sawa (The Fanatic) ist als Ken einerseits der abgebrühte Sprücheklopfer, der an die Arbeit wie an seine Zeit in der Highschool heran geht. Andererseits ist das Wohl seiner beiden Kinder seine größte Sorge. Er könnte auch leicht der Hauptheld sein, doch er ist klar Teil eines Ensembles.

Er und auch Bruce Campbell (Ash vs Evil Dead) agierten übrigens auch als Produzenten und Campbell ist hier klar gegen seine sonstigen Charaktere besetzt, als gieriger Manager, dem es nur um seinen Umsatz geht. Dennoch bekommt auch seine Figur im weiteren Verlauf eine tragische Seite spendiert. Die schon als Kind großartig gewesene Ivana Baquero (Pan´s Labyrinth) sieht man sowieso viel zu selten, hier darf sie vor allem für die (kämpferische) Menschlichkeit im Team sorgen. Michael Jai White (Welcome to Sudden Death) ist in seiner Nebenrolle wirklich witzig als zur Kampfmaschine mutierender Angestellter (gerade weil er so ernst ist).

Die Macht- und geldhungrige Führung, die sich einschleimenden Assistenten und die egoistischen und unfreundlichen Kunden. Wie ich eingangs erwähnt habe ist das äußerliche Erscheinungsbild der Wesen sozusagen nur das „nach außen Kehren“, des inneren Kerns. Selten hat man den Alltagshorror von Verkäufern gespürt, wie er hier auf satirische Art und Weise vermittelt wird. Ich werde mich daran erinnern, wenn ich in Versuchung geraten sollte, den nächsten Angestellten in einem Geschäft im Stress anzuschnauzen. Gut, dass diesen Job Jemand erledigt.

Insgesamt auf eine gewisse Weise ein reiner Spaßfilm, der Horror und Komödienfans einfach nur unterhalten möchte, dann wiederum doch genug einbaut, über das man nachdenken kann. Rein als Creature Feature habe ich schon ein paar mitreißendere Abenteuer gesehen, doch die Intentionen/Ideen des Drehbuchs, die Effekte und vor allem auch die Darsteller sind riesige Pluspunkte hier. Mit dieser Truppe kann der nächste Black Friday (Entschuldigung, der heißt ja laut Film nun Green Friday, Black ist nämlich rassistisch) kommen!

„Black Friday“ bekommt von mir 7/10 als gäbe es kein Morgen Geschenke einkaufende Empfehlungspunkte.


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