An American Werewolf In Paris (Filmkritik)

Eigentlich wollte Andy (Tom Everett Scott) einfach nur Urlaub machen. Und als er eines nachts mit seinen Kumpels Brad (Vince Vieluf) und Chris (Phil Buckman) vom Eiffelturm unerlaubterweise Bungee-jumpen will, da sieht er eine junge Dame, die offensichtlich auch springen will. Allerdings ohne Seil. Andy rettet sie und landet im Krankenhaus. Sie geht ihm allerdings nicht aus dem Kopf. Liebe auf den ersten Blick sozusagen.

Nach ein wenig Recherche stellt sich heraus, dass die gute Frau Serafine (Julie Delpy) heißt und ein Geheimnis mit sich herumträgt, welches das Leben von Andy und seinen Freunden sehr drastisch ändern wird. Zumal ihr „Vormund“ Claude (Pierre Cosso) sehr großen Gefallen an den „amerikanischen Bekannten“ gefunden hat. Nach einer Einladung zu einer Party, welche von Claude und seinen Freunden veranstaltet wird, ist allerdings klar, dass hier ganz schlimme Dinge vor sich gehen und die haben zum Teil mit dem Vollmond zu tun …

Es ist ja an sich schon mal keine gute Idee, wenn man eine Fortsetzung eines Films machen möchte, der eine Fortsetzung an sich absolut nicht braucht. Wenn dann noch viele Jahre dazwischen liegen, dann ist ein guter Anschluss umso wichtiger. Das kann gelingen (siehe „Aliens“ oder „Dr. Sleep“), aber das kann auch schiefgehen. Und bei „American Werewolf in Paris“ kann man klar davon reden, dass die Sache schief gegangen ist.

Dabei kann ich verstehen, dass nach dem Lesen des Drehbuchs durchaus der Gedanken bei den Schauspieler:innen aufgekommen sein könnte, dass der Film Potential hat. Zugegeben: Die größere Storyline an sich und was sich hinter den Werwölfen und einem bestimmten Serum verbirgt, ist, wie man so schön sagt, Banane, aber wenn die Sache runderhum gut gemacht wäre, dann würde man als geneigte Seher:in durchaus drüber sehen.

Leider misslingt hier das, was im ersten Teil fast perfekt funktioniert hat, nämlich die Balance zwischen Horror und Humor. Dieser Film hier ist ein Slapstick-Film und zwar über eine ganze Länge seiner Laufzeit. Kurz unterbrochen von Momenten, in denen versucht wird, so etwas wie Horroratmosphäre aufzubauen. Das geht allerdings halbwegs schief, denn zum einen sind die Werwölfe in diesem Fall zu 100% CGI, was man in jeder einzelnen Aufnahme merkt (wobei für 1997 jetzt nicht per se schlecht gemacht) und zum anderen kommt einfach wenig bis keine Spannung auf. Dafür ist der Film (man verzeihe mir das Wortspiel) zu blutleer und witzige Idee aus dem Vorgänger wurden beinahe 1:1 kopiert, funktionieren hier allerdings nicht so richtig.

Natürlich hilft es nicht, dass Tom Everett Scott („13 Reasons Why“ oder „Scream“-Serie)das Charisma einer, erneut, Banane hat, aber er schadet dem Film auch nicht, weil zumindest sein Comedy-Timing in den meisten Fällen passt. Auch die anderen Schauspieler:innen sind großteils mit Ernst bei der Sache und machen mit dem Drehbuch halt was möglich ist, wenn auch die Regieanweisung klar gelautet zu haben scheint: Overacting! Randnotiz: Phil Buckman war Bassist von „Filter“ (keine Ahnung, ob die heute noch jemand von euch kennt).

Einziges Hightlight ist Julie Delpy (Zoe aus dem Film „Killing Zoe“ oder Sherry in Jim Jarmuschs „Broken Flowers“, „Before Sunrise“ oder „Before Midnight“ mit Ehan Hawke von Richard Linklater), die allerdings ebenso wie Scott eine undankbare (Haupt)Rolle hat. So ist in meinen Augen zu keinem Zeitpunkt nachvollziehbar, was die gute Frau an dem Idioten Andy findet. Aber okay, geschenkt. Trotzdem reißt sie mit ihrer natürlichen Liebenswürdigkeit einfach den Film auf eine höhere Ebene (die er nicht verdient hat).

Und um ehrlich zu sein: Ja, ein paar der Witze funktionieren. So zum Beispiel als sich Serafine, um Andy zu beruhigen auf ihn draufsetzt, sich das Shirt vom Körper reißt, seine Hände schnappt und sie auf ihre Brüste drückt. Andy blickt sie entsetzt an, seine Hysterie bricht ab und er grinst sie absolut entspannt an: „Why are you doing this?“ Serafines trockene Antwort: „You needed to calm down.“ Liest sich vielleicht peinlich und blöd, funktioniert im Film aber.

Die Idee mit den zurückkehrenden Opfern, die langsam verwesen funktioniert allerdings kein zweites Mal, und manche Momente sind zum Fremdschämen. Als zB eine der Toten halb verwest den Werwölfen Pfeifen will und als Resultat kein Ton rauskommt, dafür eine Blutfontäne aus ihrer Wange spritzt. Also hält sie sich die Wange zu, pfeift nochmals und das führt dazu, dass ihr Auge aus dem Kopf ploppt. Wie gesagt: Kann witzig sein, wenn man es gut macht, aber in diesem Fall funktioniert die Sache leider nicht.

Dazu kommen dann trotzdem noch ein paar Punkte im Drehbuch, die man, so denke ich, anders hätte lösen können. So wird Andy mehrmals dabei beobachtet, wie er scheinbar seltsame Gespräche mit sich selbst führt, was aber keine Konsequenzen außer irritierte Blicke (die im besten, im allerbesten Fall, beim ersten Mal lustig sind) nach sich zieht. Oder Andy, der (leichter Spoiler) eine weibliche Bekanntschaft tötet, später vor ihrer Geisterform vom ebenfalls toten Brad gemahnt wird: „I warned you this would happen!“, mit den Worten „You knew this would happen!“ angefahren wird. Aber auch das hat tatsächlich keine Konsequenzen. Wir sollen Andy weiterhin als Held sehen, der unschuldig ist. Nein. Ist er nicht.

Zusammengefasst: Eine Fortsetzung, die mehr Slapstick als alles andere ist, den Tonfall im Humor nicht richtig hinbekommt, einen Horror aufkommen lässt und schlechte CGI-Effekte an die Stelle von preisgekrönte phyischen Effekten setzt. Nein, Leute, das passt nicht.

Ja, der Film ist auf sich allein gestellt nicht so schlecht, wie ihn machen, aber er ist auch weit davon entfernt ein guter Film zu sein. Gibt schlimmeres, gibt aber auch viel, viel besseres. Und nochmals: Julie Delpy. Ohne sie könnte man den Film in die Tonne kicken.

„An American Werewolf in Paris“ bekommt von mir 6 von 10 möglichen, ohne Julie Delpy noch um mindestens einen Punkt weniger, Punkte.


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