Vicious Fun (Filmkritik)

Joel (Evan Marsh) ist Kritiker für ein Horrorfilm-Magazin. Ansonsten passiert in seinem Leben genau gar nichts abgesehen davon, dass er in seine Mitbewohnerin verliebt ist. Als diese wieder mal mit einem neuen Freund nach Hause kommt und dieser Kerl namens Bob (Ari Millen) ihm verdächtig vorkommt, verfolgt er ihn bis zu einem Lokal. Dort angekommen trinkt Joel viel zu viel und schläft in einer Abstellkammer ein.

Als er wieder erwacht ist der normale Betrieb in diesem Lokal längst vorbei, doch eine fünfköpfige Gruppe von Menschen sitzt in einem Kreis und die Teilnehmer sprechen über ihre Gefühle. Als sie Joel sehen, halten sie ihn für jemand anderen und nehmen ihn in ihrem Kreis auf. Schnell wird Joel klar, dass es sich hier nicht um eine normale Selbsthilfegruppe handelt, denn alle hier anwesenden Menschen, sind Serienkiller…

Was der Kanadier Cody Calahan (Antisocial) hier in seiner Funktion als Drehbuchautor und Regisseur abgeliefert hat, nennt man bei Festivals (auf denen er auch gezeigt wurde) einen sogenannten „Crowd-Pleaser“. Von einem Fan für Fans, speziell natürlich für Freunde des Slasher-Horrorfilmes der 80er Jahre, in dem die Handlung auch angesiedelt ist, will Calahan vor allem eines erreichen und zwar dass die Zuseher beim Betrachten seines Filmes, den titelspendenden vicious fun haben.

Visuell ist diese Horror-Komödie sowohl bestechend als auch wundervoll nostalgisch, eingetaucht in blaue, rosa und gelbe Neonlichter ist eine klare Noir-Note eindeutig spürbar. Die Schauplätze sind dabei sehr detailreich und lösen bei Genre-Fans verschiedene Assoziationen aus. Der Kern der Geschichte und warum es so gut funktioniert, sind dann klar die Killer, samt der vorherrschenden Ironie und den geistreichen Sprüchen.

Jeder von ihnen ist vom Drehbuch ausreichend herausgearbeitet bzw. haben sie ihre eigene Persönlichkeit, es sind dann aber vor allem die Bilder im Kopf die zum Schmunzeln anregen, wenn man an die großen Vorbilder ihrer Figuren denkt. Der asiatische Kannibale, eine Mischung aus Yakuza-Killer und Hannibal Lecter, der maskierte, seine Machete schwingende Riese (hallo Jason, hallo Michael), der sadistische „Doktor“ mit Hang zu Clown-Verkleidungen und natürlich der gefährlichste von ihnen, weil er sich am Besten unter „normalen“ Menschen verstecken kann, der wortgewandte Yuppie der Marke Patrick Bateman.

Und wer soll den Angriff dieser Männer heil überstehen? Richtig, der oft nervende Verlierer mit der großen Klappe und dem Hang dazu, im falschen Moment das Falsche zu tun. Wie der von Evan Marsh (Shazam) mit sichtbarer Spielfreude zum Leben erweckte Charakter dann jedoch eingeführt wird, ist einfach sympathisch, auf eine seltsame Hass-Liebe Art und Weise. Erfreulicherweise ist das Drehbuch sehr deutlich darin zu zeigen, was nun lustig ist, was ernst sein soll und wann es sich um eine Mischung aus beiden handelt.

Dadurch sind die Figuren trotz des durchbrechenden Irrsinns nie egal und die Handlung an sich fühlt sich weit weniger oberflächlich an, als man vermuten könnte. Was ich wirklich schon sehr lange nicht mehr gesehen habe, sind die drei herrlich doofen Polizisten, die einfach nur genial daneben sind. Schauspielerisch ist Ari Millen (Orphan Black) das Highlight, ein schmieriges Chamäleon und Schlitzohr, ohne Moral und dafür aber mit einem zu großem Ego ausgestattet.

Ebenfalls toll ist Julian Richings (Urban Legends) als Killer-Clown und was unerzwungen wirkende Coolness von toughen Damen betrifft, können andere Frauen einiges von Amber Goldfarb (Sex/Life) lernen. All diese positiven Aspekte können sich freilich am Besten entfalten, wenn man Fan des Genres ist und vor allem die Anspielungen, kleinen Hommage-Momente und den subversiven Humor als solchen erkennt.

Was ich daher eindeutig bestätigen kann, hier hat man von der „bestechenden“ Anfangssequenz angefangen, eindeutig seinen bösartigen Spaß. Alle Darsteller sind voll bei der Sache und gerade die Ernsthaftigkeit dahinter macht die doofen Szenen, dann so witzig. Das 80er Setting weiß zu gefallen und die Verbeugung vor dem Genre funktioniert, denn dies ist viel weniger Parodie als vielmehr ein weiterer Vertreter des Genres. Wer dieses nicht kennt oder/und schätzt, der wird hier auch um einiges weniger Freude haben.

„Vicious Fun“ bekommt von mir 7,5/10 das Töten von Menschen als Berufung erforschende Empfehlungspunkte.


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