The Marksman – Der Scharfschütze (Filmkritik)

Jim Hanson (Liam Neeson) ist ein Veteran aus dem Vietnam Krieg, wo er als Scout Sniper im Marine Corps gedient hat. Seit dem Tod seiner Frau, verbringt er seine tristen Tage auf seiner Ranch nur begleitet von seinem treuen Hund, an der Grenze zwischen Arizona und Mexiko. Seine Stieftochter Sarah (Katheryn Winnick) ist dabei seine einzige Bezugsperson, die ihn immer wieder nach Hause bringt, sollte er in der Bar zu viel erwischt haben.

Eines Tages trifft er bei einer seiner Ausfahrten eine junge Mutter und ihren Sohn, die gerade über die Grenze geflüchtet sind. Sie werden jedoch verfolgt von Mitgliedern des örtlichen Drogenkartells, es kommt zu einem Schusswechsel und die Mutter stirbt. Sie bittet Jim vor ihrem Tod ihren Sohn zu Verwandten nach Chicago zu bringen, doch er hat bereits die Grenzpolizei gerufen und überhaupt, Jim hat zur Zeit eigentlich ganz andere Probleme…

Regisseur Robert Lorenz hat hiermit erst seinen zweiten Film angeliefert, doch als Second Unit Director, hat er bereits jahrelange Erfahrung gesammelt. Vor allem mit Clint Eastwood Filmen wie etwa Blood Work, Mystic River oder Million Dollar Baby. Auch bei seinem Debüt „Back in the Game“ hatte Eastwood die Hauptrolle. Warum ich das so explizit erwähne, ist weil sich „The Marksman“ über weite Strecken, eben genau wie ein Eastwood-Abenteuer anfühlt.

Hört man Liam Neeson, denkt man die letzten Jahre vor allem an Action. Doch sein aktueller Film, ist kein Beitrag dieses Genres, vielmehr ein Drama um einen älteren Herren, der nach dem Tod seiner Frau, den Willen gerne zu Leben, verloren hat. Er macht zwar weiter, weil er nichts anderes kennt, doch echte Freude kennt sein Alltag kaum. Da kommt ihm der Junge trotz anfänglichem Zögern, gerade recht. Endlich hat er wieder eine Aufgabe, ein Ziel und kann etwas richtig machen.

Ich hänge jetzt die Spoiler-Warnung hinzu, doch eigentlich braucht man die nicht, weil spätestens nachdem seine Ranch abgefackelt wurde, eines klar ist und zwar wie der Film enden wird. Der Junge kommt heil bei seiner Familie an, das ist 100 Prozent fix. Jim´s Hund muss sterben, damit er wirklich alles verloren hat und Jim beim Finale sein Leben einsetzen kann, da er abgesehen von seiner Mission den Jungen heil an sein Ziel zu bringen, so richtig gar nichts mehr zu verlieren hat.

Aber ja, Vorhersehbarkeit muss nicht stören, manchmal fällt sie nicht mal auf. Ist wie ich finde ein sehr individuelles Empfinden. In diesem Fall verlässt man sich einfach voll und ganz auf Liam Neeson (Hard Powder), während die Handlung so dahinplätschert. Neeson darf hier dafür überraschend verletzlich agieren, von seinem Leben und seinen Verlusten gezeichnet, müde und mürrisch und nur widerwillig das tun wollend, was sein Gewissen von ihm verlangt.

Den Umgang mit dem Scharfschützengewehr, den hat er jedoch nicht verlernt. Bei den wenigen Action-Momenten sieht man dann wie effektiv er seine Schüsse einsetzt, wenn er vorbereitet ist. Der Getroffene steht dann nicht mehr auf und zwar wirklich nie wieder. Das gibt Jim´s Figur diesen angenehmen „Underdog“ Charakterzug, einfach weil man ihn auf Grund seines sonstigen Auftretens, sicherlich nur allzu leicht unterschätzen könnte.

Es ist immer nett Katheryn Winnick (Polar) zu sehen, doch als Sarah hat sie eigentlich kaum etwas zu tun. Juan Pablo Raba (Peppermint) als Schurke Mauricio ist austauschbar, was seine Wut und Brutalität angeht, woran ein paar emotionalere Momente am Schluß auch nichts ändern und Jacob Perez (Home Team) in seiner ersten Hauptrolle als Miguel schafft es ganz gut, nie das nervige Kind zu sein, eher schon ist er auf eine gewisse Opferrolle fixiert.

Ein letzter Altherren-Roadtrip mit Liam Neeson, bevor sein Charakter wieder mit seiner geliebten Frau vereint ist. Das erwartet man so und was glaubt ihr bekommt man? In meiner Lieblingsszene verbrennen Jim und Miguel das Geld des Kartells, sind somit keine Sklaven des Mammons mehr. Das ist zwar in dieser Radikalität auf das reale Leben angewendet unrealistisch, doch der Gedanke zählt und den nehme ich mir hier mit. Das Leben ist eben auch von Geld bestimmt, doch es muss das Leben nicht bestimmen.

„The Marksman“ bekommt von mir 6/10 zumindest mit der Waffe niemals daneben treffende Empfehlungspunkte.


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