Brightburn: Son Of Darkness (Filmkritik)

Tori (Elizabeth Banks) und Kyle (David Denman) möchten ein Kind haben, aber es geht nicht. Als dann eines Nachts ein Meteor im Wald einschlägt, gehen sie der Sache nach und finden – ein Kind. Sie taufen es Brandon (Jackson A. Dunn) und ziehen es als ihr eigenes auf.

Aber dann kommt die Pubertät und alles wird anders. Brandon entdeckt, dass er mehr oder weniger unverwundbar ist. Außerdem hat er Superkräfte. Und er kann fliegen. Und. Und. Und. Was macht ein Teenager mit diesen Kräften? Genau. Seinem Schwarm nachlaufen. Was allerdings passiert, wenn man nicht in einem Twilight-Film mitspielt, kann man hier gut sehen: Wer in das Zimmer eines schlafenden Mädchens einsteigt, der ist ein Stalker und das Verhalten ist creepy.

Aber das ist nur der Anfang, denn Brandon entdeckt immer mehr, dass ihn eigentlich niemand aufhalten kann. Und das Raumschiff, welches im Stall verborgen liegt, hat auch keinen guten Einfluss auf ihn, denn es flüstert ihm immer wieder zu, er müsse sich die Welt untertan machen.

Tori glaubt nicht, dass ihr Sohn böse sein kann. Kyle jedoch wird immer sicherer, dass es Brandon ist, der nach und nach die Bewohner*innen von Brightburn dezimiert, stellen die Toten doch im Grund jene Personen dar, die Brandon im Weg stehen …

Es hat eine Weile gedauert bis ich mir „Brightburn“ tatsächlich angesehen habe, das lag aber primär an meiner Übersättigung mit Superheldenfilmen und dann hatte ich ihn schlichtweg vergessen. Jetzt habe ich ihn (Hallo, Netflix) nachgeholt und muss sagen: Im Grunde habe ich nichts versäumt gehabt.

Ja, die Idee ist gut (Was, wenn Superman nicht gut wäre?) und die Umsetzung ist spannend und in diesem Fall tatsächlich angenehm brutal. Hier sieht man sehr gut, was Schläge und andere Dinge von Menschen mit Superkräften auslösen. Da werden normale Menschen nicht von einem Faustschlag gegen die Wand geschleudert, sondern der Faustschlag geht durch die Menschen durch. Das ist teilweise starker Tobak und „Brightburn“ ist sicher nichts für Zartbesaitete.

„Brightburn“ ist allerdings auch nichts für Menschen, die sich bei so einem Film so etwas wie Innovation erwarten. Denn vom Hauptprotagonisten (oder Antagonisten), der eben Superkräfte hat, abgesehen, unterscheidet sich der Film so gut wie nicht von anderen Filmen dieser Art. Wobei … Jason hat auch Superkräfte. Und Freddy auch. Also … eigentlich unterscheidet sich der Film durch NICHTS von anderen Horrorfilmen. Es wird nur behauptet, der Film wäre ein Superheldenfilm. Spoiler: Ist er nicht.

Tatsächlich ist der Film über weite Strecken sehr vorhersehbar und schockiert primär durch die spontan stattfindenden brutalen Bilder und weniger durch die Handlungen der agierenden Personen. Auch ist die Logik an sich nicht ganz durchdacht. So findet zum Beispiel ein Vater hinter dem Kleiderkasten seines Sohns ein blutiges Shirt und wird dann von ihm beim Schnüffeln ertappt. Logische Folgerung des Jungen wäre, nachdem der Vater weg ist, er guckt hinter dem Kleiderkasten nach, ob das Shirt noch da ist. Passiert aber nicht. Und solche Dinge gibt es Zuhauf.

Es gilt also die klassische Horrorfilm-Regel: Schalt ein Hirn aus und hinterfrage nicht.

Dann aber, dann funktioniert der Film wirklich gut, da er handwerklich gut gemacht ist und auch der Spannungsaufbau sehr gelungen ist. Klar, ich wiederhole: Regisseur David Yarovseky verlässt sich zu 100% auf bereits etablierte Schnittfolgen, Musikstücke und Kameraeinstellungen, aber hey: Es funktioniert. So wie es in jedem anderen Film dieser Art auch funktioniert.

Ich habe an ein paar Stellen gelesen, die Menschen in Brightburn würden sich dumm verhalten, aber das kann man über fast alle Protagonisten/Nebenfiguren in fast jeden Film sagen und deshalb lasse ich das mal links liegen. Als Zuseher weiß ich, dass ich einen Horrorfilm sehe und kenne die Vorzeichen, wenn A und B passieren. Man vergißt als Zuseher*in nur sehr leicht, dass die „Charaktere“ in diesen Filmen halt nicht wissen, wo sie mitspielen. Sollte man sich vielleicht hin und wieder bewusst machen. Vor allem die Angriffe auf die Figur von Tori sind meiner Ansicht nach übertrieben, denn gerade mit ihrem fast schon krankhaften Wunsch Mutter zu sein, ist es völlig klar, dass sie alles, was ihren „Sohn“ schlecht darstellen lässt absolut ausblendet, bis es halt nicht mehr anders geht. Und Elizabeth Banks (die ich seit „Scrubs“ einfach unheimlich gern in egal welcher Filmrolle sehe) bringt das sehr überzeugend rüber. Auch David Denman macht seine Sache als Vaterfigur sehr gut, wie ich überhaupt finde, dass alle im Film durchwegs glaubwürdig spielen.

Das Ende ist auch keine Überraschung und bietet natürlich Raum für Fortsetzungen (wie bringt man Superman um, wenn man nicht weiß, dass es Superman gibt?). Alles in allem kann ich sagen, dass es viel verschenktes Potential gibt, aber zeitgleich kann man den Film auch nicht mehr Dummheit vorwerfen als allen anderen Horrorfilmen. Und spannend war die ganze Sache ja dann doch.

Am innovatisten waren die kurzen Clips am Ende, als man in den Nachrichten diverse Clips von anderen Superhelden sieht und wie diese in einer „bösen“ Version wahrgenommen werden würden. Und wenn jemand nicht weiß, auf wenn die Figur von Michael Rooker anspielt, dann sollte ihr euch mehr Freunde suchen, die an Verschwörungen glauben. Die können euch das sicher erklären.

Wäre es ein Film in den James Gunn mehr als nur als Produzent involviert war (war er nicht), dann wäre ich enttäuscht, aber ich kann auf jeden Fall nachvollziehen, warum er den Film produziert hat: Immerhin haben sein Bruder und sein Cousin das Drehbuch geschrieben.

„Brightburn“ bekommt 7 von 10 möglichen, zur Einmalsichtung taugliche, spannende Standardware liefernde, Punkte.


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