Gretel & Hansel (Filmkritik)

Da ihre Mutter durchdreht und sie aus dem Haus wirft, machen sich Gretel (Sophia Lillis) und Hansel (Samuel Leakey) auf den Weg, um Arbeit für Gretel zu suchen. Die Gute ist jedoch ein wenig zu emanzipiert und so will keiner der Lords sie anstellen. Auf dem Weg durch den Wald treffen sie auf Vampire und einen Vampirjäger, der ihnen den Weg zum Haus einer bekannten Familie weist.

Nach drei Tagen ohne Essen kommen die beiden dort an. Und finden ein Festmahl vor. Da macht es nichts, dass die alte Bewohnerin (Alice Krige/Jessica De Gouw) ein wenig seltsam erscheint …

Drehbuchautor Rob Hayes und Regisseur Oz Perkins („I Am The Pretty Thing That Lives In The House“) hätten sich vielleicht ein kleines bisschen mehr auf das Drehbuch konzentrieren und es schlichtweg ein paar Szenen kürzer machen sollen. Das steht für mich gleich mal außer Frage. Vor allem eine Szene mit Pilzen fand ich völlig unnötig. Gleiches gilt für den Vampir. Absolut unnötig und es hätte gute Zeit gespart, wenn man gleich mit der „richtigen“ Geschichte angefangen hätte bzw der Weg dahin nicht so zäh wäre.

Denn „Gretel & Hansel“ ist ein wirklich langsamer Film, der stark von seiner Atmosphäre lebt, diese jedoch zu spät nutzt. Da der langsame Aufbau bis zum Aufeinandertreffen mit der Hexe doch schon ein wenig Geduld fordert (man hält nur ein begrenztes Maß an bedrohlichen Aufnahmen von Bäumen pro Film aus), geht einem als Zuseher(in) möglicherweise die Luft aus, bevor der Film überhaupt erst richtig anfängt.

Und ganz ehrlich: Ich hatte das Interesse bereits verloren und bin nur noch drangeblieben, weil ich eben wusste, ich würde eine Kritik schreiben. Und was soll ich sagen? Ab dem Zeitpunkt „Hexenhaus“ wird der Film wirklich gut. Zwar komplett anders als man erwarten würde – es ist kein Horrorfilm per se, auch wenn ein paar Horrorszenen vorkommen –, denn in erster Linie bemüht sich die Hexe um eine Sache: Frauenpower.

Das klingt jetzt im ersten Moment dumm, ich weiß, aber hört mir zu: Es steht nie außer Frage, dass die Hexe eine böse Frau ist, die Kinder tötet und isst. Sie ist klar die Böse. Sie stellt aber auch alles dar, was Gretel sein könnte: Unabhängig. Mächtig. Herrin ihres Schicksal. Und das zieht natürlich an. Das lockt. Und darum geht es: Gretel findet ihre eigene Macht, lernt damit umzugehen und … tja, entweder tritt sie in die Fußstapfen der Hexe oder eben nicht. Denn da ist ja immer noch der kleine Bruder, der einen braucht.

Nun, Sophia Lillis kannte ich bis jetzt nur aus „Stephen King’s Es„-Neuverfilmung, aber ehrlich gesagt gefiel sie mir dort viel besser. Das liegt aber wohl mehr an der Rolle als an ihrer Leistung. Vor allem ihre Optik (Frisur, etc) passt, wie ich finde, nicht in einen Film, der eigentlich in einer Art Mittelalter-Umgebung spielen soll. Und die „Pilz“-Szene inklusive der darauffolgenden war völlig … daneben.

Samuel Leakey ist der übliche klassische Klischeebruder, den man beschützen muss, aber ehrlich … so richtig sympathisch ist der junge Kerl nicht.

Alice Krige („Silent Hill„, „Star Trek: Insurrection„) als alte Hexe ist dafür ein Hammer. Die gute Frau braucht nur ruhig dazustehen und es läuft einem kalt den Rücken runter. Alle Achtung.

Alles in allem ein Film bei dem man durchhalten muss (und das Ende ist nicht berauschend, aber der Weg dahin nach etwa einem Drittel Aufbau zumindest spannend) und bei dem die Erwartungshaltung einfach passen muss. Also nochmals: Langsamer Film. Emanzipation.

Es gab übrigens einen mächtigen Aufschrei als der Titel des Films bekannt wurde. Das finde ich (wie jedes verdammte einzelne Mal) immer noch lächerlich. Es gibt einen Grund, warum der Film das „Gretel“ zuerst im Titel hat. Und was ist schlimm daran, die Geschichte mal als eine Parabel auf Frauenpower zu erzählen? Genau nix. Es ist nur schade, dass der Film an sich nicht besser geworden ist (am besten sind die Poster!).

„Gretel & Hansel“ bekommt 5,5 von 10 möglichen, zu zäh beginnende, in der Mitte stärker werdende und gegen Ende hin wieder stark nachlassende, Punkte.


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