Wahnsinnig verliebt (Filmkritik)

Angélique (Audrey Tautou) ist eine liebe, schüchterne, junge Frau, die sich unglaublich in den Arzt Loic Le Garrec verschossen hat. Dieser ist leider verheiratet, wie sie ihrer Freundin beichtet. Alle ihre Versuche ihn für sich allein zu gewinnen und sich endlich von seine Frau zu trennen, gehen schief. Er versetzt sie, tritt den gemeinsam gebuchten und geplanten Urlaub nicht an und es wirkt generell in der Öffentlichkeit als wäre er glücklich verheiratet. Er ist per definition ein Mistkerl, der mit ihr spielt. Zumindest behauptet das ihre Freundin jedes Mal, wenn sie ihr von Loic erzählt. Aber Angélique verteidigt ihren Liebsten, denn das Problem ist nicht er, sondern seine Frau.

Betrachtet man die gesamte Situation allerdings aus dem Blickwinkel von Loic (Samuel Le Bihan), dann sieht die Sache anders aus. Ganz. Anders.

Gerade mal ein Jahr nachdem Audrey Tautou unser aller Herz mit „Die fabelhafte Welt der Amélie“ erobert hat, kehrte sie mit einem Film namens „Wahnsinnig verliebt“ zurück. Der Trailer wirkte, als wäre es eine ähnlich schöne Geschichte wie der eben erwähnte Kultfilm. Denn, sind wir ehrlich: Audrey Tautou konnte doch nur ein absolut liebevolles und unschuldiges Wesen sein … oder?

Vorhang auf für die beiden Drehbuchautorinnen Laetitia Colombani (die auch Regie führte) und Caroline Thivel. Ich weiß nicht, ob das Drehbuch bewusst für Tautou geschrieben wurde, aber ihre Bekanntheit durch „Amélie“ hat sicher geholfen, den Film hier zu verkaufen und – wie ich vermute – wirklich viele Kinogänger/innen zu überraschen.

Ich weiß, dass ich überrascht war. Positiv und sprachlos überrascht.

Das Drehbuch ist einfach großartig und es ist faszinierend sich selbst zu beobachten wie sehr man während dem Film die Positionen und Loyalitäten wechselt. Ich will hier nicht viel erklären, denn dies ist einer der Filme die man selbst gesehen haben muss, damit sie ihre Wirkung entfalten. Gibt es ein filmisches Lehrstück darüber, wie viel Unterschied zwei Seiten einer Geschichte machen, dann ist es dieser hier.

Hut ab vor den Drehbuchschreiberinnen. Leider haben beide danach nichts mehr gemacht, was mich irgendwie angesprochen hätte.

Wie dem auch sei: Tautou ist perfekt gecastet und hat mir ihren Kulleraugen und ihrer gesamten Ausstrahlung sowieso von Sekunde 1 an alle Männer auf ihrer Seite (und bei uns im Kino damals auch alle Frauen). Und Samuel Le Bihan („Pakt der Wölfe„) als Loic? Der ist das Hassobjekt, denn von solchen Männern haben wir zumindest bereits alle mal von unseren weiblichen Bekannten gehört. Kennt man, steckt man in eine Schublade und hakt man ab.

Der Film endet aber nicht dort, sondern geht noch weiter. Über das Ende kann man dann sicherlich geteilter Meinung sein. Ich ging jedenfalls aus dem Kino und habe breit gegrinst. Das war ein unerwartet erfrischendes und von der Formel abweichendes Erlebnis. Eine ähnliche Kurskorrektur gelang (ohne viel spoilern zu wollen) meiner Meinung nach nur Elijah Wood, der nach „Der Herr der Ringe“ ja relativ rasch in „Sin City“ mitgespielt hat.

Alles in allen kann ich den Filmen allen(!), egal ob Mann oder Frau und egal ob euch der Trailer anspricht oder nicht, empfehlen, die mal einen etwas anderen Film sehen wollen. Für alle, die Liebesdramen und Kitsch nicht mögen – seht euch den Film komplett bis zum Ende an. Ihr werdet überrascht sein.

„Wahnsinnig verliebt“ bekommt 9 von 10 möglichen, die Liebe nicht nur durch die rosarote Brille erklärende, Punkte.

PS: Ich binde ihn zwar hier ein, aber vermeidet den Trailer wenn es geht. Guckt euch den Film einfach an.


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