Ip Man 2 (Filmkritik)

Da hat es Ip Man (Donnie Yen) mit seinem Sohn und seiner schwangeren Frau Cheung Wing Sing (Lynn Hung) also nach Hong-Kong verschlagen. Dort erholt er sich von den Strapazen des Krieges, der kurz davor von China (so klingt zumindest die Aussage am Ende des ersten Teils) gewonnen wurde und er will eine Wing-Chun Schule eröffnen.

Nur leider juckt das keinen, denn in Hong Kong ist Ip Man ein Niemand. Eines Tages verirrt sich dann doch ein Schüler in seine Schule und langsam nimmt die Sache Fahrt auf. Zumindest bist ein mächtiger Gegner auftaucht und ihm die Regeln des unter der Besatzung von Briten leidenden Hong-Kong erklärt: Erst wenn er alle Meister in der Stadt besiegt darf er selbst eine Schule eröffnen …

Der zweite Teil ließ nach dem Erfolg des Vorgängers nicht lange auf sich warten. Gerade zwei Jahre nach dem 2008 erschienen „Ip Man“ kam 2010 der nächste Teil raus. Zum Glück mit den gleichen Personen vor und hinter der Kamera. Wilson Yip führt wieder Regie und Donnie Yen hat sich erneut als Ip Man im Wing Chun bewiesen.

Die Story baut sich langsam auf und schließt ziemlich nahtlos an das Ende des ersten Teils an – die Familie ist in Hong Kong und nun wird versucht, sich ein neues Leben aufzubauen. Das erweist sich allerdings als schwierig und Ip Man muss rasch lernen, dass hier andere Regeln gelten als bei ihm Zuhause.

Leider gilt das auch für den zweiten Film, denn die Geschichte des ersten Teils kann man halt nur schwer übertrumpfen. Und das Kämpfen um das Eröffnen einer Schule – so gut es aussieht – ist von dem was auf dem Spiel steht eben sehr, sehr weit von einem Kampf um Leben und Tod am Ende eines Gewehrlaufes entfernt.

Nichtsdestotrotz sind die Choreographien wieder verdammt großartig geworden und dieses Mal spielt Sammo Hung, der im ersten Teil für genau diese Choreographie verantwortlich war, sogar selbst als Meister Hung mit. Der Kampf zwischen den beiden ist dann auch der klare Höhepunkt des Films – vor allem da nicht nur Ip Man, sondern auch wir Zuseher feststellen müssen: Da gibt es noch andere, die genauso schnell sind wie Donnie Yen.

Wäre der Film Jahre früher gekommen, so hätte man ihn vielleicht ein wenig ernster nehmen können, aber so gibt es Rocky IV halt doch schon sehr lange und Ip Man 2 leiht halbwegs viel vom eben erwähnten Boxer-Drama. Ein im Ring sterbender Meister, ein Boxer, der sich keiner Schuld bewusst und ein Arschloch ist und ein kleiner, unbedeutender Held, der sich als Racheengel beweisen will.

Das sich der große Böse im Film in einen guten Freund verwandelt ist einerseits positiv überraschend, aber andererseits auch ähnlich glaubwürdig wie Anakin Skywalkers „Nein, ich bin nicht böse!“ – „Geh und töte Kinder!“ – „Okay.“-Verwandlung in Episode III. Diese eine Aussage von Ip Man „Du warst der Mann, den ich am meisten respektierte“ fühlt sich einfach in Summe völlig falsch an, aber okay.

Wichtig bleibt: David gegen Goliath. Arroganz gegen Demut. Härte gegen Geschwindigkeit. Immer wieder schön anzusehen, in diesem Fall aber halt auch klar, wie die Sache ausgehen wird. Einzig das „wie wird es wohl inszeniert“ macht die Sache spannend, denn das „was wird geschehen“ ist absolut klischeehaft vorgegeben.

Dennoch sind die Choreographien wieder eine Augenweide, auch wenn bestimmte Teile des Films (der Kampf mit der Palette war mir persönlich zu dick aufgetragen und unnötig) schwächer als im ersten sind und wiederum andere (das Auftauchen des Charakters von Siu-Wong Fan) sind nur dann wirklich toll wenn man den ersten Teil kennt.

Alles in allem dennoch ein sehr sehenswerter und perfekt choreographierter Martial Arts Film – wenn man diverse Drehbuchschwächen einfach mal außen vor lässt.

„Ip Man 2“ bekommt von mir 8 von 10 möglichen, mehr an der Optik als der Story interessierte, Punkte.


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