Resident Evil: The Final Chapter (Filmkritik)

Alice (Milla Jovovich) erwacht – wieder einmal allein, wieder einmal in einem Trümmerhaufen. Die große Schlacht ist zu Ende und offenbar haben sie (Alice und ihre GefährtInnen aus dem Vorteil) verloren. Viel Zeit darüber nachzudenken gibt es allerdings nicht, denn kaum bewegt sich was im Gerümpel, greift auch schon ein virusverseuchter Mutant an.

Was bleibt also groß übrig als zurück in den „Hive“ zu fahren, um dort ein Gegenmittel für die weltweite Virusinfektion zu besorgen, weil die „Red Queen“ es einem aufträgt? Eben: Nichts, denn wenn Alice nicht das Gegenvirus besorgt fällt die letzte Siedlung der Menschen (am Ende des Countdowns) und die Welt ist endgültig verloren.

Aber Dr. Isaacs (Iain Glen) hat andere Pläne, denn die Welt soll ja auch untergehen, damit man auf ihren Trümmern eine neue Welt bauen kann. Das war auch von Anfang an das Ziel von Umbrella …

Gleich mal vorweg: Ich mochte die hirnlosen Resident Evil-Filme bis jetzt immer (bis auf den fünften Teil). Primär eben aufgrund der hohen Hirnlosigkeit für die sie von anderen gern (berechtigt) kritisiert wurden. Es sind in sich logisch geschlossene und unterhaltsame, optisch (meistens) beeindruckende Filme. Eben Unterhaltung ohne Inhalt oder Tiefgang. Das hat für mich immer gut funktioniert, wenn mein Hirn mal Pause brauchte und gut aussehende Berieselung notwendig war.

Das Problem begann dann bereits im dritten Teil, wurde aber im fünften namens „Retribution“ allgegenwärtig: Da ging es schon überhaupt nicht mehr um so etwas wie Story, denn die war quasi nicht vorhanden, sondern nur ums Ballern und eine Aneinanderreihung von Action-Szenen. Und so einfach eine Story sein kann, damit ein Film funktioniert („John Wick„), so muss sie zumindest ein Mindestmaß an Interesse an ihren Charakteren haben, um diese auch so darzustellen, dass ZuseherInnen deren Reise folgen wollen. Das ging beim Vorteil gewaltig in die Hose, zumal auch noch versucht wurde jede kleine Randfigur aus den Vorteilen nochmals in den fünften Teil einzubauen und noch dazu Neue einzuführen.

Die beiden Absätze oben mögen sich jetzt widersprechen, deshalb eine kurze Erläuterung dazu:

Ein Film kann eine völlig banale und blöde Prämisse haben, wenn ich die Charaktere mag und die Sache Spaß macht, dann ist das in Ordnung. Wenn aber eine Grenze überschritten wird und die Aneinanderreihung von Szenen (oder die Erklärungen für Verhaltensmuster) so dermaßen neben der Spur sind, dass diese auch im – eh schon gedehnten – „Suspension Of Disbelief“ rausfallen, dann hat der Film ein Problem (oder ich mit dem Film. Ein Standpunktproblem quasi).

Teil 6 hat dieses Problem (oder ich habe das Problem mit dem Film) gleich auf mehreren Ebenen: Da ist zum Beispiel der fehlende Anschluss an Teil 5. Ich hatte von Anfang an das Gefühl, da würde ein Film dazwischen fehlen, nämlich jener, der alle(!) Hauptcharaktere aus dem fünften Teil (die mühsam und unglaubwürdig zurückgebracht wurden) bis auf Alice und Claire gleich mal kommentarlos unter die Erde bringt und was passiert ist wird nur in einem Nebensatz erwähnt.

Der gesamte fünfte Teil baut den großen, finalen Kampf im sechsten auf, in etwa so wie Teil 3 den Kampf zu Beginn des vierten Teils. Nur … in Teil 4 bekommen wir diesen Kampf. Hier beginnen wir – keine Ahnung wie lange – danach. Das geht schon einmal gar nicht.

Der Level für Level-Aufbau des vorigen Teils wiederholt sich hier, allerdings in so starker Ausprägung, dass sich immer und immer wieder Aktionen von Personen ergeben, die absolut nicht nachvollziehbar sind. Das typische James-Bond-Bösewicht-Verhalten sozusagen.

Als Beispiel nur eine kurze Szene: Ein langer Schacht, ein riesiger Ventilator (was wird wohl passieren? Genau.) und niemand(!) kann entkommen, alle(!) werden in Richtung der Rotorblätter gezogen. Dann fällt eine Person hinein und der Ventilator wird abgeschaltet … warum zum Teufel? Wenn der weitergelaufen wäre, hätte er alle(!) Probleme gelöst, aber nein, er wird abgeschaltet. Das Drehbuch macht sich nicht einmal die Mühe so zu tun als würde er kaputtgehen. Schade.

Das zieht sich eben durch den ganzen Film. Unlogische und dumme Vorgehensweisen – es gibt in der Mitte einen großen Kampf mit x Personen auf Seiten der Guten – und man weiß sofort, dass man sich die Namen der anderen (also alle außer Alice und Claire) ohnehin nicht merken braucht. Da steht quasi auf den Köpfen der Leute ganz groß „Kanonenfutter“ drauf.

Außerdem wird das gesamte restliche Futter der Serie verbrannt und in einen Topf geworfen (Klone, alte, wieder auferstandene Bösewichter, Rückblenden, etc), dann wird kräftig umgerührt und das war es dann auch schon. Neu ist die Art der Kameraführung und der Inszenierung, welche von den Zeitlupen weggeht in Richtung Wackelkamera und schneller Schnitte. Da haben wir jetzt den sechsten Teil einer Filmreihe, deren Ruf darauf begründet ist, so viele Zeitlupen zu haben, dass das Franchise ohne diese zeitmäßig mit vier Teilen auskommen würde und dann drehen die einen letzten Teil, bei welchem das Gefühl aufkommt, sie hatten keine Zeit alles gut und schön unter Dach und Fach zu bringen. Schräg.

Abgesehen davon war sich Regisseur und Drehbuchschreiber Paul W. S. Anderson wohl zu gut, um die alten Teile nochmals anzusehen, denn bereits im Vorspann – Alice summiert die Story der Vorteile für neue ZuseherInnen – hat sich ein gewaltiger Fehler bzgl. der Hintergrundgeschichte eingeschlichen. So wurde im zweiten Teil die Herkunft und der Grund für das T-Virus anders etabliert, als es hier in der Zusammenfassung passiert. Da wird also quasi im Vorbeigehen die Story umgeschrieben, einfach nur weil jemand zu faul war um seine(!) alten Drehbücher zu lesen.

Ich fand ja schon, dass bereits der Vorteil zu sehr hohles Stückwerk war, aber dieser Teil hier, der setzt allem nochmals die Krone auf. Sicher, Jovovich sieht immer noch verdammt großartig und cool aus als Alice und es gibt auch – das sei der Fairness halber erwähnt – ein paar coole Momente im Film, aber alles in allem ist es kein Ende auf einem Höhepunkt.

„Resident Evil: The Final Chapter“ bekommt 5 von 10 möglichen, in diesem Fall hoffentlich wirklich das Ende findende, Punkte.

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