The Midnight Man (Filmkritik)

Grady (Will Kemp) hat von Geburt an einen genetischen Defekt, sein Körper kann keine Gefühle empfinden. Neben ein paar negativen Seiten, wie einige schöne Erlebnisse, die ihm verwehrt blieben, macht er in seinem Job als Auftragskiller für Gangsterboss Ezekiel (Brent Spiner) vor allem von der Tatsache gebrauch, dass er keine Schmerzen fühlen kann. Bei seinem neuesten Auftrag wird er jedoch ausgetrickst, betäubt und als er schließlich wieder erwacht, kann er plötzlich fühlen wie jeder andere Mensch auch.

Überwältigt von den neuen Eindrücken entführt er die anwesende Rettungsdame Zan (Brinna Kelly) und flüchtet. Was ist nur passiert mit ihm, wer hat ihm das angetan und wie soll er nur seinen Job zu Ende bringen, der beinhaltet, dass er noch in dieser Nacht vier Verräter aus den eigenen Reihen für seinen Boss umbringen soll?

The Midnight Man

Regisseur D.C. Hamilton hat die Story seines Debüts bereits 2013 in einem 15 Minuten langen Kurzfilm mit dem Namen „The Midnight Monster“ verfilmt. Neben ihm war Hauptdarstellerin Brinna Kelly ebenfalls damals wie heute am Drehbuch beteiligt und hat auch schon im Original die Figur der Zan gespielt. Hauptdarsteller Will Kemp ist erst bei der Langversion dieser Geschichte zum Projekt gestossen, dafür ist er neben den beiden eben genannten Personen, auch als Produzent beteiligt. Klar ist somit, dass dies keine reine Auftragsarbeit für die wichtigsten Menschen vor und hinter der Kamera gewesen ist.

Genau das spürt man dann auch schon von Beginn an. Ich hatte schon lange nicht mehr so einen Spass bei einem offensichtlich für den DVD-Markt produzierten B-Movie Thriller. Der Defekt, der hier eher wie eine Fähigkeit genutzt wird, den reizt bereits die erste Szene voll aus. Da wird Grady ein Nagel durch die Hand gejagt, nach einem kurzen Schrei folgt ein „Yeah, nailed it“ und ein fettes Grinsen schmückt sein Gesicht. Dass er nach solchen Aktionen dann zwei Monate zur Heilung benötigt da eine Verletzung die man nicht spürt, ja trotzdem ihre Spuren hinterlässt, dass lenkt die Inszenierung dann weg von Übertreibungen, die wie aus einem Comic stammend wirken würden.

Viel Charme geht auch aus dem Geplänkel der beiden Hauptfiguren hervor, denn erstens stimmt die Chemie zwischen Grady und Zan und zweitens weiß vor allem sie ganz genau, wie man auf einfach nur so dahingesagte Fragen, auf die man gar keine Antwort möchte, ausführlich antwortet. Auch Grady ist nicht auf den Mund gefallen und so treffen zwei von sich überzeugte Menschen aufeinander, die dem Leben mit Sarkasmus begegnen und sich gegenseitig mit Ironie immer wieder necken. Kurz, den beiden zuzusehen ist eine wirklich nette Sache.

Ein weiterer starker Punkt ist wie die Übermacht der Gefühle vermittelt wird, mit denen Grady konfrontiert ist. Wasser auf der Haut, mit der Hand durch die Haare fahren, ein Kuss, das alles ist neu für ihn. Da kann es schon passieren, dass ein Sprung in den Pool zu einem Schock-Zustand führt, da er noch nie in seinem Leben frieren musste. Logisch oder medizinisch nachvollziehbar? Das ist freilich völlig egal, es zählt die Art wie es wirkt und das hätte leicht peinlich werden können, was es jedoch niemals tut.

Will Kemp kannte ich bisher nur als verräterischen Sidekick des Helden in „Scorpion King 4„. Als Grady ist er ein richtiges Schlitzohr mit einer großen Klappe und nicht nur genetisch bedingt eiskalt, ich konnte aber nicht anders, als ihn und seine Aktionen cool zu finden. Er hat einfach Charisma und sollte mehr Jobs in bekannteren Produktionen bekommen. Brinna Kelly merkt man ihre Unerfahrenheit zeitweise an, doch auch sie vermittelt vor allem ihre trockenen Sprüche so, als hätte sie noch nie etwas anderes getan. Bin gespannt, welche Rolle sie sich als nächstes selbst auf den Leib schreibt.

In Nebenrollen, soll heißen Gangster mit meist geringer Lebenserwartung, tummeln sich dann zahlreiche bekannte Gesichter. Doug Jones (Raze) ist das Highlight als wirklich unheimlicher, seine Arbeit als Kunst sehender und liebender Folter-Meister. William Forsythe (Virtuosity) und Vinnie Jones (Cross) werden beide Opfer ihrer eigenen Überheblichkeit und Brent Spiner (Data aus der Star Trek Next Generation Serie) hat zwar ebenfalls nur einen Miniauftritt, jedoch nichts von seiner Ausstrahlung verloren.

Insgesamt daher ein kleiner, teilweise überdrehter, sich zeitweise sogar ziemlich intim anfühlender Thriller, der sich frisch präsentiert und mit einer gar nicht so geringen Prise Humor an die Sache herangeht. Herzensprojekten von Neulingen in der Filmbranche kann man zwar einiges unterstellen, doch sicherlich niemals, dass sie heruntergekurbelt und herzlos wirken. Also, in Zukunft immer schön an den Midnight Man denken und daran, dass man wieder mehr fühlen sollte, denn dass man das kann, ist eben doch nicht so selbstverständlich, wie man vielleicht glauben könnte.

„The Midnight Man“ bekommt von mir 7,5/10 sich von den Schmerzen das Fühlen nicht vermiesen lassende Empfehlungspunkte.


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