Die Gärtnerin von Versailles – A Little Chaos (Filmkritik)

Als ihr Monsieur Le Nôtre (Matthias Schoenarts) die frohe Kunde überbringt, dass er sie als Landschaftsgärtnerin für den Schlosspark von Versailles ausgewählt hat, ist Madame Sabine De Barra (Kate Winslet) mehr als überrascht. Der Sonnenkönig Ludwig XIV. (Alan Rickman) hat ganz genaue Vorstellungen zu dem Projekt: Einen Park wie diesen soll es noch nicht gegeben haben, er soll ein extravagantes, verspieltes barockes Meisterwerk werden und am Besten auch schon früher als später fertig sein. Sabine macht sich daher eifrig ans Werk und gewinnt so allmählich nicht nur den Respekt des Königs, sondern auch Le Nôtres Herz…

a little chaos

Ich habe ja eine ausgesprochene Schwäche für Kostüm-Filme und daher war ich mehr als gespannt auf „A Little Chaos“. Mit Kate Winslet in der Hauptrolle und Alan Rickman als König von Frankreich hörte sich das Ganze sehr viel versprechend an. Zum zweiten Mal schwang sich Professor Snape aka der Brite Alan Rickman hinter die Kamera, um das Leben der fiktiven Sabine de Barra zu zeigen, die auf einen Auftrag des Königs hin einen Teil des Gartens von Versaille erschafft.

Die Schauspieler wirkten fast samt und sonders so, als ob sie einen Stock im Hintern haben, bzw nicht wirklich Lust zum Arbeiten hatten, allen voran Matthias Schoenaerts (The Loft), der lustlos durch den Film schlurft.

Alles fängt schon mal damit an, dass er fast immer so aussieht, als ob die Augen halb geschlossen hätte – eventuell hatte der Gute zu wenig Schlaf während dem Dreh. Ich verstehe schon, dass André Le Nôtre im Film ein sehr unglücklicher Mann ist, gefangen in einer lieblosen Ehe, aber man muss ihm das nicht die ganze Zeit ansehen. Zumindest bei Szenen mit Kate Winslet, hätte er sich aus seinem beinahe katatonisch wirkenden Zustand lösen können. Warum sich jemand wie Sabine in ihn verlieben könnte, ist somit nicht wirklich nachvollziehbar.

Kate Winslet (Insurgent) als Sabine de Barra ist eine Emanze zu einer Zeit, in der ich mir nicht sicher bin, dass es solche gab. Sie arbeitet als Gärtnerin, nach dem ihr Mann und ihre Tochter bei einem Kutschenunfall gestorben sind. Sabine hat deswegen öfters „Visionen“ von ihrer Tochter, bevor dem Zuseher lang und breit erklärt wird, was wie wann und warum. Für die Handlung aber ist das komplett unwichtig und lenkt sogar ein Stück weit davon ab. Winslet versucht eindeutig das Beste aus ihrer Rolle heraus zu holen und stürzte sich ins gärtnern und somit in schwere körperliche Arbeit, obwohl sie während dem Dreh schwanger war.

Alan Rickmann (Sweeney Todd) als Louis der 14. wirkt sehr charismatisch und es war amüsant anzusehen, wie er sich mit Sabine als einfacher Mann unterhalten wollte und nicht als König von Frankreich. Er erscheint trotz seiner gehobenen Position sehr gütig, aber auch sehr bestimmt in seinen Forderungen (ich ziehe in Versaille ein, sonst wird es nie fertig – spielt auf den zeitaufwendigen Bau von Schloss Versaille an). Als Regisseur dieses Films erfindet er das Rad keineswegs neu, sondern hält sich an alt bekanntes. Pastellige Farbgebung, dezenter Score, Schauspieler im Vordergrund und eher konservative Kameraeinstellungen.

Der Film hatte stellenweise ein Low-Budget-Feeling, was mich von der Handlung ablenkte. Da Kostüme der Serie „The Tudors“ wieder verwendet wurden, sah es bei einigen Schauspielern so aus, als würden sie nicht ordentlich sitzen und wären in letzter Minute noch übergestreift worden.

Gut gelungen war allerdings die Baustelle in den Gärten von Versaille (Blenheim Palace hielt hier als Double her). Versaille war anfangs nur ein Jagdschlösschen, bis sich Louis der 14. entschloss, einen riesigen Palast daraus zu machen. Zu einem imposanten Palast gehören natürlich auch die dazu passenden Gärten und man schaffte es tatsächlich, das Endprodukt von Sabines Arbeit fantastisch aussehen zu lassen.

Fazit: „A little Chaos“ ist leider nur sehr mittelmäßig gelungen. Die Handlung einer weiblichen Gärtnerin hätte durchaus Potential gehabt, ging aber leider völlig unter. Die Schauspieler hat man alle schon einmal besser gesehen, allen voran Matthias Schoenaerts, der selbst in dem noch um einiges schlechteren „The Loft“ eine bessere Figur als hier machte.

Dieser Film bekommt von mir 5/10 neu bepflanzte Punkte.


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