Best of Worst Case: Jurassic Dark (Filmkritik)

Abbi Whitecloud (Jana Mashonee) lebt in der Nähe von Fossil Ridge. Sie hat bei einem tragischen Unfall (niemand weiß so genau, was passiert ist) ihre Mutter verloren und schlägt sich mehr schlecht als recht mit einem Job im örtlichen Diner durch. Als der Besitzer von Fossil Ridge allerdings verstirbt und eine Gruppe von College-Jungs, die auf er Suche nach willigen Frauen unterwegs ist, durch die Gegend stolpert, wird dort etwas freigelassen, was eigentlich nicht mehr leben sollte.

Denn Fossil Ridge ist eine Züchtstation für Saurier. Und die sind nun frei …

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Ui, hier haben wir ein wirklich, wirklich gelungenes Exemplar eines Trashfilms vor uns. Dabei meine ich nicht einmal die Effekte, sondern die dramatisch schlechte Hauptdarstellerin. Wenn man sich ein wenig über Jana Mashonee informiert, dann ist der ganze Film noch viel witziger und noch viel ironischer als wenn man ihn ohne Vorwissen sieht. Deshalb will ich gleich mal ein paar Dinge erwähnen, die an sich völlig egal sind, aber im Kombination mit dem Film einfach super:

Jana Mashonee ist eine amerikanische Ureinwohnerin, also eine Indianerin, welche für ihr Musikalbum „American Indian Story“ für den Grammy nominiert war, gleiches gilt für ihr Album „American Indian Christmas“. Dazu ist sie auch Schriftstellerin. Der Titel ihres Werkes: „American Indian Story – The Adventures of Sha’kona“. Ihr seht also, die Frau ist mächtig stolz auf ihre Wurzeln. Kann sie vermutlich auch sein, das kann ich nicht beurteilen und ich kann auch nicht beurteilen, ob die Dame symapthisch, dynamisch oder sonst wie super ist. Ich kann nur sagen, dass dieses Hintergrundwissen für mich in Bezug auf „Jurassic Dark“ (oder „Raptor Ranch“, wie er eigentlich heißt) insofern viel Witzpotential hat, weil der Dino-Film klar auf Jana Mashonee ausgelegt ist und ebenfalls mehrfach Bezug auf ihre Herkunft nimmt.

Aber in welcher Art und Weise dies geschieht ist einfach nur zum Lachen. Ich weiß nicht, ob der Film die Unterdrückung oder Ausbeutung der indianischen Bevölkerung sozialkritisch als Thema aufgreifen will oder nicht (und wenn ja, dann ging das wirklich in die Hose), aber es ist mehr als peinlich, wenn man ihren Charakter namens Abbi im Film mit Pfeil und Bogen durch die Gegend laufen sieht (total super Ausspruch: „Watch it! I could have shot your balls off!“). Im Kampf gegen (ihr habt oben richtig gelesen) Dinosaurier. Mhm. Gute Idee, nicht wahr. Von einer Szene später im Film mal ganz abgesehen: Die Dame findet ein Tomahawk und nimmt es mit den Worten „Thank you, Mama!“ (als hätte der Geist ihrer Mutter es ihr zur Rettung hingelegt) und wirft es mit dem Ausruf „This is for you, Mama!“ auf einen Dino. Der nicht mal mit der Wimper zuckt (symbolisch. Dinos haben keine Wimpern. Oder doch?) Das ganze ist noch dazu so schlecht gespielt, dass ich unweigerlich einen Lachkrampf bekommen habe. Die Frau kriegt die richtige Betonung einfach nur sehr, sehr selten hin.

Wer auf solche peinlichen Szenen steht ist hier genau richtig. Vielleicht nicht unerwähnt sollte bleiben, dass Abbi davon träumt, dass sie „in die große Stadt“ zieht und dort „Sängerin“ wird, wie wir zu Beginn des Films mit tragisch-trauriger vorgetragener Stimme von der – ach so armen – Abbi erzählt bekommen. Was das für die Story für eine Relevanz hat? Gar keine. Bis auf eine Szene am Ende, in welcher Abbi auf der Bühne steht und irgendwas singt (was aber nicht nach „American Indian“-Songs klingt). Eigenwerbung, irgendjemand? Naja, hat ja auch bei Britney Spears total gut funktioniert, nicht wahr? *hüstel*

Witzig ist der Film auch aufgrund der Nebencharaktere, die zwar dem Klischeetopf entspringen aber dennoch irre genug sind, dass sie Spaß machen. Vom Real-Live-Rollenspiel und Metal-Fan, der zugedröhnt schräge Visionen hat, über einen Alleinunterhalter mit zwei „Missen“, von denen eine nicht bis drei zählen kann und die andere als „Goth“ langsam durchdreht, ist alles dabei. Wider Erwarten machen diese Charaktere echt Spaß. Vor allem Alexandra Nicole Hulme als eben erwähnter Goth macht vieles richtig und sorgt für den einen oder anderen Lacher. Auch die Szene, in welcher einer der Studenten mit Schwert und Schild aus einem Kostümladen der Meinung ist, den Dino bekämpfen zu müssen ist witzig geworden.

Leider zünden nicht alle Witze und ein paar der sehr mühsam vorgebrachten Dialoge, die sicher lustig gemeint waren („You are out there. We are in here!“), kommen eher negativ rüber, aber da muss man einfach drüberstehen.

Lorenzo Lamas („Renegade“) ist übrigens völlig irrelevant für den Film. Nur für den Fall, dass sich jemand dachte, der Film wäre seinetwegen sehenswert. Er kommt eigentlich – in Bezug auf die „echte“ Handlung nicht vor, sondern wird rein für den Trailer genutzt. Es gibt eine Rahmenhandlung, die von zwei Agenten handelt, die in die Stadt kommen um bestimmte Vorfälle zu untersuchen, die aber sehr rasch nicht mehr wichtig ist und die beiden Agenten kommen in Summe vielleicht fünf Minuten vor. Und sind – ich wiederhole – absolut nicht relevant.

„Jurassic Dark“ bekommt von mir 5 von 10 möglichen, peinlich berührte, Punkte.

Best of Worst Case-Urteil (Trashfaktor: Hauptrolle, Drehbuch):
Nicht schlecht gemacht, aber zu sehr auf die Hauptrolle ausgelegt, die leider einfach unfähig ist zu spielen, auch wenn sie optisch streckenweise super ins Bild gesetzt wurde. Die Effekte sind sogar ziemlich gut. Ein paar der Szenen sind einfach zu aufgesetzt lustig, als das sie lustig sind. Man weiß zwar, wie sie gemeint waren, aber sie zünden nicht wirklich.

Fazit: Witzig – mit der richtigen Erwartungshaltung. Außerdem man muss eine wirklich schlecht gespielte Hauptrolle aushalten können.

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