Jupiter Ascending (Filmkritik)

Jupiter Jones (Mila Kunis), die sich als Putzfrau mehr recht als schlecht über Wasser hält, wird über Nacht in einen Krieg gesogen – in einen Kampf zwischen den Herrschern der Abrasax Dynastie, die alle ein Auge auf die Erde geworfen haben, die Jupiter anscheinend „geerbt“ hat. Als jedoch der genetisch veränderte Ex-Söldner Caine (Channing Tatum) sie aufspürt, ändert sich alles. Er verschafft der jungen Frau einen Einblick in ihre wahre Natur, die das Gleichgewicht des gesamten Universums beeinflussen könnte. Jupiters Abstammung birgt allerdings auch große Gefahr, denn einige finstere Gestalten wollen sie um jeden Preis tot sehen…

Jupiter-Ascending

„Jupiter Ascending“ stand ja schon weit vor dem Filmstart unter keinem guten Stern. Eigentlich sollte der Film bereits im Sommer des Vorjahres in die Kinos kommen, wurde jedoch unter mehreren Vorwänden verschoben – unter anderem wegen angeblich nicht ausgereifter Effekte. Böse Zungen behaupteten allerdings, dass der Film bei Testvorführungen so schlecht angekommen sei, dass man gezwungen war, ihn komplett zu überarbeiten. Hat das halbe Jahr, dass auf den Film verwendet wurde, etwas gebracht?

Ich weiß ja nicht wie der Film vor einem halben Jahr aussah, aber was die Wachowskis (Matrix, Cloud Atlas) hier abgeliefert haben, ist sooo mittelmäßig, dass es schon fast schmerzt. Nachdem die Trailer gar nicht mal so schlecht aussahen, war ich mehr als gewillt, die fiesen Gerüchte zu ignorieren und ging mit einem guten Gefühl ins Kino. Im Nachhinein gesehen, muss ich zugeben, dass da wohl was Wahres dran war, denn „Jupiter Ascending“ ist Lichtjahre (sorry – ein paar Weltalljokes müssen sein) davon entfernt, ein guter Film zu sein.

Mila Kunis (Oz the Great and Powerful) als ahnungslose Putzfrau, die in Wirklichkeit die Besitzerin der Erde ist, ist ja noch zu verschmerzen. Was sie aber dank dem Drehbuch teilweise für Dialoge runter rattern muss, schmerzt schon fast. Vor allem, dass sie auf Hunde steht, ist nicht lustig, sondern zum fremd Schämen. Die Wandlung ihres Charakters ist so unausgeglichen, dass es wirklich schwer ist, sie sympathisch zu finden. So naiv, dass es schmerzt, verliebt sie sich auch gleich nach dem ersten Tag in einen Alien? Und wie der Film dann für Jupiter ausgeht fand ich auch eher seltsam. SPOILER Sie ist wieder Putzfrau und trifft sich mit Caine, um in ihrer Freizeit fliegen zu lernen? WTF!! SPOILER ENDE

Channing Tatum (22 Jump Street) tut sich als Caine dank seiner falschen Zähne stellenweise sichtlich mit dem Sprechen schwer und wirkt, als ob sich seine Maskenbildner und das Kostüm-Department gegen ihn verschworen haben, um ihn so lächerlich wie möglich aussehen zu lassen. Und weshalb musste man dem Kerl dann auch noch Flügel verpassen? Seine Backstory (Mensch-Hund-Kreuzung, die nur in einem Rudel funktioniert und alleine irgendwann auszuckt) wirkt ebenfalls unausgegoren – wie so vieles in diesem Film.

Eddie Redmayne als Balem ist hier eines der absoluten Highlights und zwar im negativen Sinn, denn schon lange habe ich keine so dermaßen überzeichnete Performance mehr gesehen. Mit einer Stimme, die wirkt, als ob er schwerster Kettenraucher wäre, kann man ihn gar nicht ernst nehmen und tut sich in der OV auch schwer, ihn zu verstehen. Kaum zu glauben, dass dies der gleiche Schauspieler wie in „The Theory of Everything“ ist. Ich gehe mal davon aus, dass diese Performance dank dem „Coaching“ der Wachowskis entstanden ist, denn anders kann ich mir das nicht erklären. Von jetzt an sollte im Duden bei der Erklärung von Overacting, ein Link zu Redmaynes Performance zu finden sein.

Die Welt in „Jupiter Ascending“ ist detailreich und liebevoll durchdacht, doch die Story wirkt auf mich extrem sprunghaft und keineswegs immer nachvollziehbar und das obwohl ich nüchtern war. Die Beweggründe der einzelnen Geschwister (diese über Stereotype hinaus auszubauen wäre ebenso notwendig gewesen) hätten noch um einiges besser heraus gearbeitet werden müssen, denn so sind sie alle einfach nur gierige, kindische, notgeile, machtverliebte und manipulative Psychopathen. So gut die Optik der Action-Sequenzen auch ist, ziehen sie sich teilweise extrem in die Länge und 3D war meiner Ansicht nach absolut nicht notwendig, bzw. fällt mir inzwischen schon gar nicht mehr auf, wenn ich im Kino sitze. Der Score ist für mich ein weiterer Störfaktor, denn ich mag es nicht, wenn mir durch die Filmmusik vorgeschrieben wird, wie ich eine Szene gerade finden muss.

Fazit: „Jupiter Ascending“ hätte durchaus Potential gehabt, doch die Wachowskis, die hier für das Drehbuch und die Regie verantwortlich waren, haben es nicht geschafft, dieses auch zu nutzen.

Dieser Film bekommt von mir 5,5/10 nach den Sternen greifenden Punkten.


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