Lucy (Filmkritik)

Der durchschnittliche Mensch benutzt gerade einmal zehn Prozent seines Gehirns. Doch was wäre wenn man auf mehr, oder vielleicht die gesamten hundert Prozent Zugriff hätte?

Lucy (Scarlett Johansson) ist eigentlich eine durchschnittliche junge Frau, die in Taipeh lebt und es liebt die Nächte durch zu feiern. Ihrem neuen Freund hat sie es dann zu verdanken, dass die Triaden ein Päckchen mit einer neuartigen Droge in ihren Unterleib einnähen und sie dazu zwingen, die Drogen als Kurier nach Europa zu schmuggeln. Als das Päckchen jedoch reißt, steigern sich Lucys mentale Fähigkeit und interessante Dinge beginnen zu passieren.

Lucy

Den Franzosen Luc Besson kennt man vor allem wegen dem Film „Das fünfe Element„, bei dem er sowohl für die Regie als auch das Drehbuch verantwortlich war. Auch wenn er an diesem Erfolg nie ganz anknüpfen konnte, und obwohl er seinen Namen gerne bei diversen Gelegenheiten als Produzent von Filmen schwankender Qualität zur Verfügung stellt, freut man sich doch immer wieder, wenn ein neuer Film erscheint, der seinen Namen trägt.

Besonders groß ist diese Freude vor allem dann wenn Besson, so wie hier, selbst hinter der Kamera steht bei einem Projekt, bei dem er eine eigene Idee und/oder Geschichte erzählt. Interessant ist übrigens, dass eigentlich Angelina Jolie (Maleficent) für die Rolle der titelspenden Lucy vorgesehen war, später aber durch Scarlett Johansson (The Avengers) ersetzt wurde.

Für den durchschnittlichen Film-Nerd ist Johansson als Black Widow (Captain America 2) das Highlight der Avengers aus dem Hause Marvel, da der Charakter neben den offensichtlichen optischen Qualitäten durch eine vielschichtige, starke Persönlichkeit besticht. Während wir also auf einen Black Widow Film (der seit geraumer Zeit angekündigt ist!) warten, nehmen wir was wir kriegen können und das ist Lucy.

Etwas das Scarlett Johansson an dieser Stelle perfekt vermittelt, ist der Übergang von einem eingeschüchterten, mit der Situation überforderten Mädchen bis hin zu einem emotional kühlen, aber Übermächtigen Wesen, für die es scheinbar keine Grenzen gibt. Ohne ihre schauspielerische Leistung in irgendeiner Weise zu schmälern, trägt die Geschichte ihren Teil dazu bei, um diese Transformation glaubhaft zu vermitteln.

Diese wird auf eine Art und Weise erzählt, als wäre der Zuschauer Lucys ständiger Begleiter. Das macht sich beispielsweise dadurch bemerkbar, dass der Film während der ersten Begegnung mit den Triaden ohne Untertitel auskommt und man in etwa so viel Ahnung wie die Protagonistin hat, was denn hier nun läuft. Später wird dem Zuschauer mittels der diversen computergenerierten Effekten gezeigt, wie Lucy ihre Umgebung derzeit erlebt.

An deren Qualität ist dann auch unschwer zu erkennen, dass Industrial Light & Magic für einen großen Teil der visuellen Effekte verantwortlich ist. Mit zunehmender Laufzeit driftet der Film dann vom unglaublichen ins phantastische und während es Lucy möglich ist, auch immer mehr Anteile ihres Gehirns zu nutzen, sollte der Zuschauer das seine vermutlich etwas herunter fahren und großzügig über mögliche Logiklöcher hinweg sehen.

Was die Regie von Besson selbst betrifft lässt sich festhalten, dass es sich hier nicht um seine Beste Arbeit handelt, aber um die Beste seit langem. Während er zum Beispiel bei „Malavita“ sehr routiniert wirkt, scheint hier seine Leidenschaft und Kreativität aufgeflammt zu sein. Dabei drückt er „Lucy“ seine persönliche Note auf und zwar auf eine Art und Weise, die zu gefallen weiß.

Der Film ist generell schnell inszeniert ohne es zu übertreiben. Dasselbe gilt auch für die actionreichen Szenen, wobei Besson hier besonders glänzen kann. Diese sind gerade so schnell, dass es für den Zuschauer noch angenehm ist und schaffen es dabei gleichzeitig das Mitten-drin-Feeling und eine gewisse Übersicht zu vermitteln.

Der Soundtrack des Franzosen Eric Serra begleitet das Geschehen perfekt und erinnert ein wenig an den Diva-Song in „Das fünfe Element“, bei dem er ebenfalls beteiligt war. Neben Johansson finden sich noch Morgan Freeman (The Lego Movie), der als Professor Norman an Theorien über das Potential des menschlichen Gehirns arbeitet, Min-sik Choi (Old Boy) als Triaden Boss Mr. Jang und Amr Waked (Contagion) als Polizist Pierre Delk Rio im Film.

Auch wenn sie ihre Sache in jedem Fall sehr gut machen, spielen sie alle nur eine untergeordnete Rolle und haben in erster Linie die Aufgabe, auf die eine oder andere Art und Weise mit der Situation überfordert zu sein.

Alles im allem ist „Lucy“ nicht nur ein sehr kurzweiliger Film, sondern auch ein Erlebnis der besonderen Art. Die einzige Frage, die sich an dieser Stelle stellt ist: Wo gibt es diese Droge bzw. wo kann ich mehr davon bekommen? Das Ende des Films macht eine Fortsetzung prinzipiell schwierig, aber wenn Luc Besson selbst es nicht hundertprozentig ausschließen will, besteht Hoffnung.

Der Film „Lucy“ bekommt 8/10 nicht aufhaltbare Empfehlungspunkte.


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