Austenland (Filmkritik)

Jane Hayes (Keri Russell) ist Mitte 30 und ist von allem, was Jane Austen je geschrieben hat, in den Bann gezogen und hat mit Mr. Darcy ihren imaginären Traummann gefunden. So jemanden kann natürlich kaum jemand das Wasser reichen und so hat Darcy indirekt schon die eine oder andere Beziehung von Jane auf dem Gewissen.

Um ihre Passion tatsächlich auszuleben, investiert Jane ihr gesamtes Erspartes in eine Reise in einen Jane-Austen-Freizeitpark namens „Austenland“, um dort einmal in die Rolle einer echten Lady zu schlüpfen. Von Schauspielern umgeben, die die Urlauberinnen umschwärmen, kann sie sich nicht sicher sein, was nun gespielt ist und was nicht.

Austenland

Mr. Darcy – der Frauenschwarm schlechthin und für viele Frauen DER Mann schlechthin. Eben solche Frauen, die sich in die Helden der Bücher von Autorin Jane Austen verliebt haben, sind die Zielgruppe dieses Films. Man ging bei den Premieren von „Austenland“ sogar soweit, dass man männliche Besucher komplett verbannte und so eine Reihe von „Women Only“-Previews und eine speziell auf das weibliche Publikum zugeschnittene Werbekampagne startete.

In „Austenland“ nimmt sich Regisseurin Jerusha Hess der Thematik der Jane-Austen-Schmachtfetzen an und gibt ihnen einen einerseits respektlosen und doch liebevollen, ironischen Twist. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Jared hat sie schon an „Napoleon Dynamite“ and „Nacho Libre“ mitgearbeitet und so Erfahrung für ihr Regiedebüt gesammelt. Für „Austenland“ schrieb sie übrigens auch das Drehbuch.

Wenn man Schauspielerin Keri Russell (The Americans) als Jane in Schnürkleid und mit Haube sieht, wirkt sie tatsächlich wie aus einer anderen Epoche. Sie lebt ihre Liebe zu allem was mit Jane Austen zu tun hat, beinahe schon krankhaft aus. Da nimmt sie schon mal ihre eigene stilechte Tasse mit in ein Café und wenn man zum ersten Mal ihr Apartment zu sehen bekommt, trifft einen als „Normalo“ fast der Schlag. Russell ist eine der wenigen im Film, die die Chance hatte, ihren Charakter nicht zur totalen Parodie verkommen zu lassen. Man nimmt ihr den Hardcore-Fan auf jeden Fall ab, aber sie lässt ihre Expertise nicht bei jeder Gelegenheit heraus hängen, was sie sympathisch macht.

JJ Feild (Captain America) als Mr. Nobley spielte den potentiellen Mr. Darcy für Jane. Ebenso wie Darcy ist er ein in sich gekehrter Edelmann, der im Laufe des Films auftaut, ganz à la Jane Austen. Feild spielt Nobley frei von Ironie und Farce, was ja schon erahnen lässt, mit wem der gute Mann am Schluss zusammen kommt.

Brett McKenzie, ein neuseeländischer Schauspieler, der schon einen Oscar (übrigens für einen Song den er für den Film „The Muppets“ geschrieben hat) auf dem Kaminsims stehen hat, ist der dritte Teil des obligatorischen Liebesdreiecks, etwas, ohne das anscheinend keine Rom-Com mehr auskommen kann. Wobei, eigentlich taucht dieses Phänomen derzeit scheinbar überall auf, sei es in „Twilight“, „The Mortal Instruments“ oder in der Serie „Reign“, um nur einige zu nennen.

Unangenehm fällt hier Jennifer Coolidge (Bad Lieutenant – Cop ohne Gewissen) auf und das nur bedingt durch ihre eigene Performance. Hier muss sie ein mannstolles, dummes Blondchen spielen, das mit Austen eigentlich nicht viel am Hut hat – ja sie hat ohnehin nur die Filme gesehen. Klar bringt sie den einen oder anderen Lacher, aber die wirken oft erzwungen. Stifler’s Mum hat wirklich besseres verdient. Leider hat sie in letzter Zeit wohl öfters den Beauty-Doc aufgesucht, denn ein so festgezurrtes Gesicht findet man in der „freien Natur“ nicht.

Wirklich katastrophal war der Soundtrack. Man hatte bei der Produktion wohl den (irrigen!!!!) Eindruck, dass 80-er Jahre Pop stilecht für die Austen-Ära wäre. Weit gefehlt, selten hat mich der Song „Bette Davis Eyes“ so gestört, denn eigentlich mag ich diesen Klassiker durchaus.

Fazit: „Austenland“ ist keineswegs ein Muss für die Fans für Jane Austen. Wenn man ein Fan der Materie ist, sollte man sich wohl viel eher an „Stolz und Vorurteil“ (sei es die Version mit Keira Knightley oder die BBC-Production mit Colin Firth in der Hauptrolle) oder „Sinn und Sinnlichkeit“ halten. Die Moral von der Geschicht desillusionierte mich als Zuseher ein wenig, denn so richtig romantische Gefühle kamen da keine auf. Männer sind Schweine – will ich das als Botschaft nach einer Liebes-Schnulze wirklich im Kopf haben?

Dieser Film bekommt von mir 5,5/10 Darcy-esquen Punkte.


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