Die Muppets (Filmkritik)

Walter ist eigentlich ein ganz normaler junger Mann. Bis auf eine Kleinigkeit. Er ist kein normaler junger Mann. Er ist ein Muppet. Und sein Leben ein wenig sinnlos, da sein großer Bruder Gary (Jason Segel, bekannt aus „How I met your mother“) endlich mit seiner Liebsten (Amy Adams, bekannt aus „Enchanted“) eine Reise zum 10jährigen Beziehungsjahrestag machen möchte.

Nur … ohne seinen Bruder ist Walter allein und einsam. Also nehmen sie Walter mit auf die Reise, um das Muppets-Studio zu besichtigen, da Walter ein Riesenmuppet-Fan ist. Aber – oh Graus! Das Studio ist leer und verfallen. Und zu allem Überfluss will ein reicher Ölbaron (mit dem subtilen Namen „Richman“) das Studio kaufen, abreißen und darunter nach Öl bohren. Das kann Walter als Fan nicht zulassen. Also suchter er Kermit und trommelt mit ihm gemeinsam die Muppets für eine neue Show zusammen …

Die-Muppets

Dass die große Zeit der Muppets vorbei war/ist kann man ja wohl kaum bestreiten und nur die älteren unter uns können sich vermutlich an die Show erinnern. Kermit der Frosch, Miss Piggy, Fossy Bär und andere Charaktere sind aber dennoch ins Weltkulturerbe übergegangen, würde ich mal meinen. Zumindest kennt die Figuren jeder und auch „Manamana – dü dü düdüdü“ dürfte allen (gesungen) ein Begriff sein. Um es gleich vorweg zu sagen: Ich war nie ein Muppets-Fan. Der Grund mir diesen Film anzusehen war der an sich witzige Trailer mit seinem nicht sehr subtilen aber dafür umso harmloseren Humor.

Umso überraschter war ich nach dem Sehen des Films. Anfangs etwas gewöhnungsbedürftig ist der Film schon, da der Humor – wie erwähnt – sehr harmlos und auf Kinder zugeschnitten ist – zumindest in der deutschen Synchro. Die auch mein Hauptprolbem war. Denn die Gesangseinlagen sind im englischen wirklich gut und witzig und im deutschen sind sie … okay. Bis auf das „Bin ich ein Mann oder ein Muppet?“-Lied. Das ist sogar auf Deutsch ein Hammer!

Was den Film von der Masse abhebt ist die ungebremste Fröhlichkeit, die gute Laune und das Vergnügen die werten Muppets sowas von menschlich darzustellen, dass manche Menschen im Film puppenhafter wirken als die Muppets selbst. Die Witze sind nach ein wenig Eingewöhnung (auch in deutscher Sprache) super und je länger der Film dauert umso besser wird er. Außerdem – und damit hat wohl niemand gerechnet – endet er nicht wie erwartet.

Vom ersten Auftauchen von Kermit (siehe Bild oben) bis zum Abspann tut sich eine Menge. Ein schräger Witz jagt den nächsten, Miss Piggy ist nach wie vor die Diva aller Diven und von den Cameo-Auftritten her gesehen können alle anderen Filme einpacken (da tummeln sich Whoopy Goldberg, Zach Galifianakis, Dave Grohl, Neil Patrick Harris, Ken Jeong und viele andere). Außerdem hat der Film das Herz definitiv am richtigen Fleck.

Die kleinen eingestreuten Moralzeigefinger kommen positiv daher („An andere Leute glauben ist einfach – an sich selbst zu glauben ist schwer“) und sind nicht wirklich überdramatisiert, Jack Black spielt erstens mit und zweitens eine größere Rolle (allein das ist schon super!) und das Schlagzeuger Tier in einer Selbsthilfegruppe gegen Aggression ist, dessen Reizwort „Trommeln“ lautet ist ebenfalls schon genial.

Ich will hier gar nicht ins Detail gehen, denn der Film lebt vor allem von den coolen Wortmeldungen und – was ich noch kultiger finde – der Tatsache, dass die Muppets im Film öfter über den Film reden, in dem sie gerade sind. Zum Beispiel erklären Waldorf und Statler (die zwei Alten) am Anfang worum es geht (Öl, etc) und plötzlich fragt der eine: „Irre ich mich, oder hast du gerade einen wichtigen Handlungspunkt verraten?“

Der andere antwortet: „Na hoffentlich, sonst hätte ich die Zuseher völlig unnötig fünf Minuten lang gelangweilt!“. Oder als sich das am fiestens aussehende Monster namens „Mr. Tödlich“ als total feiner Kerl herausstellt, der mitten im Film seinen Kollegen fragt: „Du, kann es sein, das wir für nen Bösewicht arbeiten?“ und am Ende erklärt: „Ich mag teuflisch aussehen, einen diabolischen Namen haben und das R bedrohlich rollend aussprechen – aber ich bin kein Fiesling!“.

Auch das Richman die absolut positiven und liebevollen Muppets gegen eine düstere, Street-Gang-Hip-Hop-Version ihrer selbst austauschen will, die er „Die Moopeds“ nennt – weil die Fröhlichkeit der Muppets heutzutage ja kein Mensch mehr sehen will – spitze!

Kurz gesagt: Ich war nie Muppets-Fan. Seit diesem Film bin ich es. Warum? Weil es wieder Zeit wird für diese Art von Humor. Weil sie Spaß machen. Weil man nach dem Film mit einem breiten Grinsen nach draußen geht und sich denkt, dass die Welt ja doch kein so schlechter Ort sein kann.

„Die Muppets“ bekommen von mir 8,5/10 möglichen, nicht an der Welt verzweifelnden, sondern sie mit einem ehrlichen Grinsen begrüßende Punkte.


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