The Blacklist (Serienkritik)

FBI Profiler Elisabeth Keen (Megan Boone) hatte sich ihren ersten Arbeitstag vermutlich etwas anders vorgestellt. Raymond Reddington (James Spader) hat das zweifelhafte Vergnügen, auf der Liste der am meisten gesuchten Verbrecher zu stehen. Er stellt sich dem FBI und bietet seine Hilfe beim Neutralisieren von gefährlichen Kriminellen und Terroristen an, deren Existenz bis zum jetzigen Zeitpunkt unbekannt war. Reddington verlangt mit Keen zusammen zu arbeiten und die weiß im ersten Moment gar nicht, wie ihr geschieht…

NBC The Blacklist

Endlich ist es wieder einmal so weit und ich freue mich, das folgende sagen zu können: Mann war es bis jetzt spannend. Was der amerikanische Sender NBC (unter anderem verantwortlich für Serien wie „Revolution“ oder „Hannibal„) hier aus dem Hut gezaubert hat, ist in der Tat sehr gelungen. Dabei erfindet man zwar nicht das Rad neu, schafft es aber mit einigen Ideen und viel Feinschliff, ein stimmiges Konzept zu schaffen – in den folgenden Zeilen dazu mehr.

Serien in denen böse Jungs zur Strecke gebracht werden, gibt es ja einige. Daher erfordert die 101erste Serie mit diesem Thema eine entsprechende Idee, um sich nach Möglichkeit von der Konkurrenz abzusetzen. An dieser Stelle kombiniert man die schrecklichsten Verbrecher mit der Welt der Geheimdienste und rührt die Zutaten dann genau solange um, bis man als Zuschauer die meiste Zeit keine Ahnung mehr hat, was hier wirklich läuft.

An dieser Stelle muss ich den Drehbuchschreibern ein großes Lob aussprechen. Den Zuschauer dermaßen gekonnt regelmäßig an der Nase herumzuführen, ohne dabei (wie in anderen Serien teilweise) zu tricksen, und zwar auf eine Art und Weise, die dem Zuschauer jegliche Intelligenz abspricht, ist eine eigene Kunst. Hier nimmt man das Konzept und nutzt das zur Verfügung stehende Potential voll aus.

Ein wesentlicher Grund warum die Geschichte so gut funktioniert ist James Spader, den man vermutlich am ehesten aus seiner Rolle des Dr. Daniel Jackson aus Roland Emmerichs „Stargate“ kennt. Als ich das erste Mal gelesen habe, welche Rolle er in „The Blacklist“ über hat, war ich mehr als skeptisch, da ich ihn als Dr. Jackson völlig anders in Erinnerung hatte. Während er in Stargate eher den leicht nerdigen, schüchternen und 100%ig liebenswürdigen Archäologen zum Besten gab, ist die Rolle des Raymond Reddington ganz anders angelegt.

Spätestens seit „Now You See Me“ wissen wir, dass es nie schaden kann, der Schlauste im Raum zu sein. Reddington scheint dieses Kriterium mit Leichtigkeit zu erfüllen und ist dazu noch aller bestens informiert. Er weiß, dass natürlich auch und scheint die meiste Zeit ein wenig mit seiner Umgebung zu spielen. Seine neuen Freunde beim FBI hält er schon einmal gerne Informationen vor und die tappen, genau wie der Zuschauer, oft bis zum letzten Moment im Dunklen. Spader hat hier eine unglaubliche Präsenz und trägt dadurch wesentlich zur Stimmung der Serie bei.

Die zweite Hauptrolle, und die Person der man als Zuschauer die meiste Zeit folgt, wurde mit Megan Boone (Step Up – Miami Heat) besetzt. Als Elizabeth Keen (oder Lizzy wie sie Reddigton gerne nennt) wirkt sie die meiste Zeit taff, vermittelt aber auch die emotionalen Momente ihrer Rolle sehr glaubhaft. Wenn Lizzy den Tränen nahe versucht das Blut ihres Gatten aus dem eigenen Teppich zu schrubben, ist das eine sehr emotionale Szene, bei der man als Zuschauer schon fast automatisch mitleidet.

Besonders, um nicht zu sagen genauso mysteriös wie Reddigtons Absichten, ist das Verhältnis zwischen Raymond Reddington und Elisabeth Keen. Einerseits hält Reddington seinen neuen Schützling wie ihre Kollegen gerne im Dunklen, andererseits stellt er sich auch schon einmal schützend vor sie, wenn es die Situation erfordert. Warum er nur mit Elisabeth arbeiten will, kann derzeit nur spekuliert werden (Spoiler: Es hat scheinbar mit ihrem Vater zu tun, weitere Details scheinen aber derzeit zu kompliziert zu sein), aber ich bin mir beinahe sicher, dass dieses Mysterium in den kommenden Folgen zumindest teilweise gelüftet wird.

Auch bei den bösen Jungs hat man sich etwas einfallen lassen und so hat man es hier unter anderem mit Terroristen, Menschenhändlern, dem chinesischen Geheimdienst oder Kriminellen zu tun, die in irgendeiner Form für das organisierte Verbrechen arbeiten. Mit einigen hat Reddington eine persönliche Rechnung zu begleichen, was die Geschichte aber im Normalfall zwar undurchsichtiger, aber dennoch spannender macht, da es noch schwieriger wird, hier den weiteren Handlungsverlauf vorherzusehen. Abgesehen vom Fall der Woche wurde zusätzlich noch ein Handlungsbogen eingeführt, der Lizzys Gatten Tom (gespielt von Ryan Eggold) betrifft.

Optisch spielt die Serie klar in der Oberliga und erlaubt sich bis auf vereinzelte Computereffekte, bei Szenen die sonst das Budget sprengen würden, keine Fehler. Das selbe gilt auch für den Soundtrack, der sehr gelungen ist und die Stimmung mit zum Teil bekannten Songs erstklassig transportiert. Für die Pilotfolge konnte man übrigens Joe Carnahan (unter anderem bekannt für „Das A-Team – Der Film„) engagieren!

Alles in allem ist „The Blacklist“ eine gelungene Überraschung, bei der ich kaum erwarten kann, zu sehen wie es weiter geht.

Die Serie „The Blacklist“ bekommt von mir 9/10 die Bösen Jungs – von denen wir bisher nichts wussten – jagende Empfehlungspunkte.


Ein Gedanke zu „The Blacklist (Serienkritik)

  1. Von dieser Serie war ich angenehm überrascht. Da ich sie eigentlich nur wegen Langeweile gucken wollte, war ich bald ein Fan und hab alle Folgen in mehr oder weniger einem Rutsch gesehen und freu mich schon wenn die Serie aus der Pause kommt.

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