„Night Of The Werewolf“ aka. „Big Bad Wolf“ (Filmkritik)

Derek ist ein Außenseiter und da er endlich wo dazu gehören will klaut er die Schlüssel seines Stiefvaters, der eine einsame Berghütte hat, die zu betreten allerdigns verboten ist. Was soll’s? Da pfeifen die Jugendlichen drauf, fahren zu sechst hin (3 Damen, 3 Herren) und wollen Party machen.

Blöd nur, dass dort oben ein Werwolf sein Unwesen treibt und von den sechs Personen nur Derek und seine Freundin seit klein auf Sam den Angriff überleben. Außerdem ist sich Sam sicher, dass sie den Wagen von Dereks Stiefvater in der Nähe gesehen hat. Ist er der Werwolf? Erklärt das den seltsamen Tod von Dereks biologischem Vater?
Und wie kann man das Biest stoppen, bevor es wieder tötet?

Night-Of-The-Werewolf

„Night of the Werewolf“ ist 2012 erschienen, dabei handelt sich allerdings trotzdem um den gleichen alten 2006er Film „Big Bad Wolf“ – er wurde nur mit neuem Cover und neuem Titel auf DVD rausgebracht. Und gleich vorweg: Ich kann euch den Film nur ans Herz legen. Zumindest wenn ihr ein bisschen was für Werwolf-Filme übrigt habt. Was diese betrifft, so ist das hier einer von der besseren Sorte (nicht ganz auf einer Stufe mit „Ginger snaps“, aber doch ziemlich gut).

Die übliche Situation „Jugendliche in isolierter Gegend, werden von Irrem/Monster/Dämon/etc angegriffen und nach und nach dezimiert“ ist auch hier die Ausgangsbasis für den Film, allerdings ist dieser Teil nach gut 30 Minuten erledigt – die erfüllen dafür alle Erwartungen: Alkohol, Sex, peinliche Gespräche („Sometimes I blow him, but he’s not getting the full thing until there is a ring on my finger“), nackte Körper und ein paar Tote.

Das ganze passiert allerdings auf eine eher unaufdringliche Art und Weise und die vier Charaktere werden uns – trotz ihres frühen Todes – verhältnismäßig gut präsentiert. Da hab ich schon teure Blockbuster gesehen, die ihre Hauptfiguren weniger gut gezeichnet haben.

Auf jeden Fall spritzt viel Blut und wir werden auch gleich mit der größten Veränderung des Werwolf-Mythos vertraut gemacht: Dieser Werwolf ist WIRKLICH ein großer, böser Wolf, in dem Sinn, dass er sprechen kann und sein Wolfdasein offensichtlich sehr genießt. Da wird schon eine (angebliche) Jungfrau gerammelt, ihrem Freund mit dem Satz „I guess, you didn’t have the balls to!“ die Eier ausgerissen, kurz betrachtet und mit einem kurzen „At least not anymore“ kommentiert und weitergefuttert. Der Film schenkt sich diesbezüglich nichts und der Wolf würde sich auch in Rotkäppchen (wenn man bedenkt, was das Märchen alles ausläßt …) zurechtfinden.

Sehr positiv ist, dass der Film trotz seiner Gore-Momente und der eigentlich sehr durchschaubaren Handlung immer wieder Szenen einbaut, mit denen man nicht rechnet – die sich teilweise witzig auflösen (als Derek mit einem Motorrad und entsprechend pompöser Musik zur Rettung eilen will, schafft er es das Ding abzuwürgen) und teilweise alles andere als witzig, dafür aber extrem unerwartet (als Sam im Bad beim Sammeln von Haaren für DNA erwischt wird, löst sie die Sache … auf ihre Art) und die hat man so noch nicht gesehen.

Obwohl der Film 2006 gedreht wurde, wirkt er als wäre er zur gleichen Zeit wie die Karate-Kid-Filme entstanden – und er wird locker und flockig erzählt. Dereks Reise vom Außenseiter/Schüchterli hin zum um sein Leben kämpfenden/“Wir beenden es hier und jetzt“-Mann ist nachvollziehbar und man wünscht ihm auch wirklich, dass er dem Biest jetzt mal so richtig eine reinhaut. Allerdings wünscht man sich streckenweise auch, dass das Biest endlich Mal Sam erledigt …

Schauspielerisch gibt es nichts zu bekriteln – Trevor Duke-Moretz (Bruder von Chloe Grace Moretz, richtig – dem Hitgirl) ist souverän, genauso wie Richard Tyson (Black Hawk Down, Kingpin, Verrückt nach Mary) einen sehr coolen Werwolf abgibt. Einziger Schwachpunkt ist für mich klar die Hauptdarstellerin Kimberly J. Brown (eher unbekannt, wird wohl auch so bleiben) deren schauspielerische Tätigkeit als Rockerbraut sich in der ersten Hälfte des Films aufs Augen verdrehen reduziert – und nicht mal das wirkt passend. Danach wird es eine Spur besser, wirklich gut wird es aber nie.

Was man dem Film anlasten könnte ist, dass er trotz der Charaktereinführungen am Anfang des Films am Ende dann doch einfach fünf oder sechs Kanoenfutterleute dem Wolf zum Fraß vorwirft, aber ehrlich gesagt – es stört nicht und zeigt eigentlich eher im Gegenteil ganz gut, welche Wandlung Sam und Derek durchgemacht haben, da es ja eine „Wiederholung“ der Anfangsszene des Films ist.

Alles in allem ist „Night of the Werewolf“ (Big Bad Wolf) ein kleiner, gemeiner, bösartiger, streckenweise witziger, aber auch immer wieder blutiger Werwolffilm, der sich auf alle Fälle 8,5 von 10 haarigen, bei Vollmond verwandelnden Punkten verdient hat.


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