Coraline (Filmkritik)

Coraline (gesprochen von Dakota Fanning) zieht mit ihren Eltern aus der Stadt in ein uraltes, verfallenes Häuschen aufs Land. Ihre Eltern sitzen dauernd vor ihren Computern da sie bis zum Hals in Arbeit stecken, sie ignorieren Coraline die meiste Zeit und empfehlen ihr sich selbstständig zu beschäftigen. Genervt durch schrullige Nachbarn und gelangweilt vom ereignislosen Landleben, endeckt das junge Mädchen beim Durchsuchen des Hauses in einem leeren Zimmer eine kleine Geheimtüre. Die Türe führt in eine idealisierte Version ihres eigenen Zuhauses, indem ihre Eltern immer für sie Zeit haben und ihre Mutter (gesprochen von Teri Hatcher) nur das beste Essen für sie kocht.
Der Garten ist wunderschön und die Nachbarn sorgen für gute Unterhaltung statt ihr auf die Nerven zu gehen. Das einzig seltsame ist, dass alle Wesen hier Knöpfe statt Augen haben.

Coraline kommt immer öfter in diese Welt und es gefällt ihr bald besser als in ihrer eigenen. Zu spät erkennt sie die wahren Hintergründe ihrer „anderen, richtigen Mutter“, sie will auch Coraline Knopfaugen verpassen und sie nie wieder gehen lassen. Da die bösartige Mutter Coralines echte Eltern in ihrer Gewalt hat, scheint es keinen Ausweg zu geben. Doch Hilfe naht nicht nur in Form der schlauen Nachbarskatze, die in dieser Welt nützlicherweise auch reden kann.

Coraline

Tja, so ein herrlich schräg – schönes Filmerlebnis kann wohl nur herauskommen, wenn sich „Nightmare before Christmas“ Regisseur Henry Selick ein Buch des grossartigen Neil Gaiman schnappt und daraus einen Film macht. Vergleichbar optisch höchstens mit Tim Burton Filmen und von der Story her ähnlich der Alice im Wunderland Geschichte, wird man hier in eine ganz eigene, skurrile Welt entführt.

Der von Henry Selick etablierte Animationsstil passt wirklich toll für die mit trockenem Humor versehene Grundhandlung, der Zuseher kann sich auf eine Welt mit Phantasie im Überfluss freuen. Dabei schafft es Selick irgendwie, sowohl Erwachsene als auch Kinder anzusprechen (obwohl die ganz Kleinen wohl etwas irritiert sein dürften). Coraline ist eines dieser latent grantigen Mädchen, die mit lakonischen Sprüchen um sich werfen nur um zu verbergen, dass sie eigentlich einen weichen Kern haben und nur gerade unzufrieden mit ihrem derzeitigen Leben sind. Sie ist zwar nicht grundsätzlich negativ eingestellt, findet aber mit ihrer altklugen Art schnell die Möglichkeit Menschen einzuteilen bzw. abzuschreiben. In ihrer näheren Umgebung findet sie jedoch bald genug Menschen, die sich einer „normalen“ EInteilung in eine bestimmte Personenkategorie etwas entziehen.

Die Palette der etwas seltsamen Nachbarn ist hier ziemlich einfallsreich ausgefallen.
Es gibt zwei schrullige, alternde Opernsängerinnen, die im stetigen Konkurrenzkampf um Aufmerksamkeit buhlen und eine kleine Hundeschar betreuen. Ein Nachbar aus dem Zirkusgeschäft turnt gerne mal auf dem gesamten Gebäude herum und spricht mit seinen Zirkusmäusen. Der Junge von nebenan trägt seltsame mit Lupen versehene Masken, verfolgt Coraline gerne und hört auf den liebreizenden Namen Wyborn (im Sinne vom Why born – warum geboren), was ihm durchaus leicht unterdrückt depressive Charakterzüge verleiht. Die mysteriöse, smarte schwarze Katze ist außer Coraline selber mein Lieblingscharakter, da man nie erfährt, woher ihr Wissen bzw. ihre Kräfte stammen.

Zusätzlich zu den schrägen Hauptpersonen und der überwältigenden, schwer beschreibbaren Optik, kommt auch noch der Einsatz einiger erfrischender Ideen hinzu.
Es gibt ein Piano dass über zwei mechanische Hände verfügt in die der Spieler schlüpft und das Instrument sich so im Endeffekt durch den Spieler selbst spielt (alles klar?).
Es gibt als Saftmixer funktionierende Luster, eine mechanische Gottesanbeterin als Gartenwerkzeug bzw. Fortbewegungsmittel und im Zirkus schiessen Kanonen mit Zuckerwatte oder eine mechanischer Hahn „frisst“ mit seinem Schnabel Mais und aus seinem Hinterteil kommt dann das fertige Popcorn heraus.

Dies soll nur ein kleiner Überblick sein über das was gezeigt wird, ich glaube es ist klar, dass hier genug geboten wird. Freunde von Animationsfilmen werden hier sowieso sehr gut unterhalten werden, Wert wurde auf Optik, Stil, Charaktere und Geschichte (auch wenn sie im Grund genommen einfach gestrickt ist) gelegt, also ich weiß wirklich nicht, was ich hier grossartig kritisieren könnte. Übrigens auch die Musik von Bruno Coulais entführt in eine ganz eigene Welt, wirklich gut gelungen.

Ein Tip für Kinder, verspielte Erwachsene mit Phantasie oder solche, die es noch werden möchten.

Coraline bekommt von mir 8,5/10 verträumte Empfehlungspunkte.


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