Dolly (Filmkritik)

Macy (Fabianne Therese) ist extrem glücklich in ihrer Beziehung mit Chase (Seann William Scott). Als er einen Ausflug in die Wälder plant, in denen er Teile seiner Kindheit verbracht hat, ist sie sich sicher, dass er sie fragen wird, ob sie ihn heiraten will.

Da er aber eine Tochter hat, die Macy zwar sehr gerne hat, sie aber selbst nie Mutter werden wollte, hat sie gemischte Gefühle, was seinen kommenden Antrag betrifft. Als Chase auf ihrem Trip seltsame Geräusche hört, will er nach dem Rechten sehen und kommt nicht mehr zurück…

Hiermit hat Regisseur Rod Blackhurst (Blood for Dust) seinen eigenen Kurzfilm „Babygirl“ aus dem Jahr 2022, zu einem Spielfilm gemacht, also seine vier minütige Idee auf 75 Minuten erweitert. Was den Film herausstechen lässt, ist dass er auf 16 MM gefilmt wurde und so in Summe wie ein Slasher aus den 70er Jahren wirkt, obwohl er in der Jetztzeit spielt.

Ein wenig wie zuletzt bei Primate, kommt dem Film dabei die kürzere Laufzeit entgegen. Ein durchaus willkommener Trend, denn all die aufgeblasen langen Filme, nur damit man möglichst lange mit dem Streaming Dienst seiner Wahl beschäftigt ist, gibt es wirklich genug. Dolly ist dabei viele Dinge und erreicht damit zwei Sachen: das Erlebnis lässt dich nicht kalt und du durchlebst unterschiedlichste Emotionen.

Eine Affinität für Horror und besonders natürlich Retro-Backwood-Slasher zu haben, ist dabei natürlich ein riesiger Bonus. Was Dolly als Figur bringt, ist diese extreme Unberechenbarkeit. Da sie selbst immer wieder mit ihrem Geisteszustand hadert, ist der Übergang von „sie will dich erwürgen“ zu „sie will dich in den Arm nehmen“ fließend. Neben ihrer Kleidung und der Puppenmaske, ist dabei vor allem ihre Größe richtig einschüchternd.

Max the Impaler heißt die Wrestlerin im Kostüm und wow, wenn dir die eine gibt, dann stehst du so schnell nicht mehr auf. Was Dolly grundsätzlich mit Menschen macht, denen sie begegnet, ist sie brutal aus dem Leben scheiden zu lassen. Das könnte aber vielleicht sogar das nettere Schicksal sein, wenn man auf sie trifft, denn hat sie dich als ihr Kind/Baby auserkoren, dann fängt der „Spaß“ erst richtig an.

Was sie mit Hauptfigur Macy macht, das ist unbequem, ekelig, schräg und lächerlich. Gerade auch deswegen, weil es in einem anderen Umfeld bei einer richtigen Mutter und ihrem Baby, völlig normal wäre. Blackhurst weiß dabei sehr genau was die Kamera nicht zeigen muss und man dennoch genau spürt, was die Aktionen mit Macy machen. Sie wird ja von Fabianne Therese gespielt und die habe doch echt seit John Dies at the End aus dem Jahr 2013, in keinem Film mehr gesehen.

Ihre „All In“ Performance kann man förmlich körperlich spüren und ich denke nach Ende der Dreharbeiten, wird sie eine kurze 24 Stunden Schlafsession eingelegt haben. Ihren Freund spielt Seann William Scott (The Wrath of Becky) und seine dummen Entscheidungen und sein mangelnder Kampfgeist, das kann man durchaus als billige Klischee-Ideen des Drehbuchs bezeichnen, um die Handlung voran zu treiben (auch wenn ein kleiner Twist dabei ist).

Die spezielle gewählte Optik, das Erscheinungsbild und Gehabe von Dolly und das Spiel von Fabianne sorgen als Ganzes aber für ein wirklich atmosphärisches Erlebnis, dem man sogar leichte Texas Chainsaw Massacre Schwingungen unterstellen kann. Dass die blutigen Szenen auf eine zügige Over the Top Weise gefilmt wurden, ist ebenso eine feine Sache (ich mag Torture Porn einfach nicht). Klein, gemein und alles andere als rein, so ist das schon fein und nun schlaf schön mein Babylein.

„Dolly“ bekommt von mir 7,5/10 das Baby in dir erweckende, um überleben könnende Empfehlungspunkte.


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