Burial (Filmkritik)

Eigentlich geht der zweite Weltkrieg gerade zu Ende, doch eine kleine Gruppe von russischen Soldaten bekommt direkt von Stalin den Auftrag, die sterblichen Überreste von Hitler, von Polen nach Moskau zu bringen. Vor allem Brana (Charlotte Vega) – die einzige Dame in der Truppe – nimmt diesen Auftrag sehr ernst, während einige ihrer Kollegen eher das Ende der Kampfhandlungen feiern wollen. Plötzlich werden sie jedoch beschossen.

Bei den Angreifern handelt es sich um die sogenannte „Werwolf“ Spezialeinheit der Nazis und ihnen scheint es offensichtlich egal zu sein, dass der Krieg vorbei ist. Das bereits reduzierte Team findet schließlich Hilfe beim Einheimischen Lukasz (Tom Felton), der zwar für kurze Zeit eine Art von Versteck bzw. Schutz liefern kann, doch auch nichts an der Tatsache ändern wird, dass die Verfolger in der Überzahl sind und die Gegend viel besser kennen…

Ben Parker ist ein englischer Regisseur (dies ist nach „The Chamber“ erst sein zweiter Film) und Drehbuchautor (die Story zu Girl on the Third Floor stammt etwa von ihm). Bei Burial hat er beide Funktionen eingenommen und auch wenn Ansätze interessant sind und temporär funktionieren, wusste er hier irgendwie nicht ganz genau, wo er mit seiner Geschichte hinwollte und auch die Dialoge profitieren davon, dass sie die Schauspieler besser rüber bringen, als sie am Papier daher kommen.

Grundsätzlich ist die ganze Story ja als Rückblick angelegt, bei der eine ältere Dame einen von ihr überwältigten Einbrecher, das einschneidendste Erlebnis ihrer Vergangenheit erzählt. Von dem her ist schon mal klar, man kann sich ganz auf die Figur der Brana einlassen, denn sie überlebt ja klarer Weise ihr Abenteuer. Das gibt Sicherheit, nimmt aber natürlich auch einiges an Spannung. Grundsätzlich soll es hier aber sowieso nicht um einzelne Personen gehen, sondern was es ausmacht ein Soldat zu sein und was das für Pflichten mit sich bringt.

Wann hört meine Pflicht auf? Wann ist es besser selber zu denken und nicht einfach Befehle zu befolgen? Muss ich selber ein Monster werden, um meine erbarmungslosen Feinde zu besiegen? All das ist in Ansätzen da, ist auch irgendwie offensichtlich ein Anspruch von Parker, doch neue Impulse sind keine dabei und Antworten schon gar nicht. Die gibt es wohl pauschal auch nicht, aber dennoch, dass du dich als rettender Soldat siehst und für Einheimische trotzdem nur eine weitere Gefahr nur eben aus einem anderen Land darstellst, wirkt zwar immer als bittere Erkenntnis, ist jedoch altbekannt.

Die „realistische“ Ebene wird dann gemischt mit Ausflügen in den Horror-Bereich. Auch hier wirkt das Geschehen etwas ziellos. In den besten Momenten, habe ich leichte Schwingungen der Marke Warhunt bekommen. Männer mit Wolfs-Kostümen, die ihre Opfer mit Halluzinationen auslösendem Rauch angreifbar machen, das hat schon Potential und man versteht die Verwirrung der Beteiligten, doch wahrer Schrecken kommt nicht richtig auf. Warum? Weil die meisten Betroffenen sowieso in die Kategorie Kanonenfutter gehören.

Charlotte Vega als Brana ist als Figur und vom darstellerischen her ein Highlight, sie ist zielstrebig, (fast) immer fokussiert und verliert nie ihre Menschlichkeit. Nach Wrong Turn ein weiterer Beweis, dass sie es drauf hat. Barry Ward (Dating Amber) als Tor ist ebenfalls von Beginn an sympathisch, ein guter Kerl und harter Kerl durch und durch, dem muss man einfach zujubeln. Tom Felton (A United Kingdom) hingegen – einer der wenigen bekannteren Namen hier – ist völlig austauschbar und kann als Lukasz keine Akzente setzen.

Die Sache mit Hitlers Körper, nun das ist zunächst irgendwie unheimlich und eine gewisse Aura des Bösen ist zu spüren, zum Finale hin – und das ist vielleicht nur mir so gegangen – geht der Umgang mit der Sache dann eher in Richtung Trash. Keine Sorge aber, hier wird Niemand wieder belebt, der Anspruch des Realismus schwebt klar über Allem. Zu viel Dunkelheit bei den Actionszenen und Schnitte hin und her bei Schusswechseln, die sich nicht richtig homogen/flüssig anfühlen, stören ebenfalls beim „Involviert sein wollen“.

Insgesamt daher ein vor allem von Vega und Ward sehr gut gespielter Film, der ein starkes Setting hat und durchaus auch eine unbehagliche Atmosphäre zu bieten hat. Leider fühlen sich einige Teile eher wie zusammen gewürfelt an, das klare Ziel vermisst man etwas und in Summe hat man hier einfach das Gefühl, alles schon einmal besser gesehen zu haben. Das betrifft auch die Bedeutung, denn zu oft hatte ich hier „bedeutungsschwanger“ beim Betrachten auf den Lippen, was selten ein Zeichen dafür ist, dass ich von einem Film gefesselt werde.

„Burial“ bekommt von mir 5/10 manche Toten einfach lieber ruhen lassen sollende Empfehlungspunkte.


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