Choose or Die (Filmkritik)

Seit dem tragischen Tod ihres kleinen Bruders, ist das Leben von Kayla (Iola Evans) nicht mehr das selbe. Derzeit arbeitet sie als Reinigungskraft, um das Geld für ihr Studium auftreiben zu können. Nebenbei kümmerst sie sich um ihre Mutter, die krank ist und sich auch immer wieder mit dem Konsum von Drogen über Wasser hält. Nebenbei liefert sie ihrem Computer-Geek Freund Isaac (Asa Butterfield) alte Retro Elektronik-Teile und er hilft ihr bei ihrem Studium.

Eines Tages entdeckt sie bei Isaac ein 80er Jahre Survival-Horrorspiel, dass beim Durchspielen des Games, eine 125000 Tausend Dollar Belohnung verspricht. Sie ruft die angegebene Nummer an und da sich dort ein Tonband mit der Stimme von Horror-Legende Robert Englund meldet, scheint der Preis noch immer aktuell zu sein. Als Kayla das Spiel jedoch das erste Mal öffnet, kommt es gleich in Runde eins zu einem blutigen Zwischenfall und das nicht auf virtueller Ebene…

Seit dem Jahr 2003 ist Regisseur Toby Meakins bereits mit dem Drehen von Kurzfilmen beschäftigt und nun hat er sich an seinen ersten Spielfilm gewagt. Wobei mit einer Laufzeit von 84 Minuten, ist diese Netflix-Produktion auch relativ kurz geraten, doch Meakins hat zusätzlich am Drehbuch mitgeschrieben, er hat also sicher gewusst, wie er seine Story aufbauen wollte. Naheliegend ist, dass die Kürze für wenig bis keine Längen sorgt.

Das fühlt sich hier dann auch genau so an, nämlich wie ein 80er Jahre Spiel. Du schaltest ein, bist zunächst gar nicht so konzentriert auf die Sache und wirst dann ins Spiel hinein gesaugt. Schaltest du dann aus, ist das Erlebnis sofort vorbei und du bist gedanklich ganz wo anders. Ich beziehe mich dabei auf den Film als Instant-Erlebnis, nicht auf das Spiel im Film. Ich glaube genau dieses Gefühl wollten die Macher auch erzeugen.

Die Aufnahme in der Totale von den putzenden Damen, das ist einerseits irgendwie umheimlich, es steckt dabei andererseits die Ebene der Sozialkritik drinnen. Aber gut, man kann hier durchaus auch alles so erleben, als wäre es rund um die „Spielsequenzen“ geschrieben worden und die Handlung ist dabei nur ein Füller, bis zum nächsten Level. Wie man das erlebt, muss wie immer jeder selbst für sich heraus finden (choose or don´t die…gut so, jetzt hab ich das auch noch anbringen können).

Was auf jeden Fall stimmt, ist dass es hier ein paar Highlights auf verschiedenen Ebenen gibt, die schön zusammen laufen. Zunächst mal hast du zu Beginn mit Kayla eine Person, die keine Wahl hat. Dieses „du musst dich entscheiden hart zu arbeiten, dann wird einmal etwas aus dir“ kann man ihr zwar an den Kopf werfen, muss sich aber schon während man es sagt, selbst den Mittelfinger vors Gesicht halten. Dann hat sie endlich eine Wahl durch das Spiel und das ist dann noch schlimmer. Das nennt man dann wohl den Zynismus des Lebens.

Die Szenen wo die Figuren spielen, sind teilweise richtig unangenehm anzusehen (das mit dem Glas etwa) und das Finale regt automatisch zum Mitfiebern an. Betrachtet man den Epilog, nun der ist sagen wir mal moralisch ambivalent geworden doch viele Menschen, hätten sich wohl genau so entschieden. Was mich zu den Charakteren bringt und da haben die Macher mit Iola Evans (in ihrem Film-Debüt, nach einigen Serienrollen) einen Glücksgriff gemacht, denn sie ist vor allem eines und das ist authentisch.

Eine normale Dame, deren Leben ein Trauma und ein paar Stolpersteine beinhaltet, die jedoch immer versucht einen Weg zu finden. Asa Butterfield (Hugo Cabret) als ihr Sidekick hält sich angenehm zurück und ist dabei sehr sympathisch als Computer-Nerd. Wirklich intensiv ist Eddie Marsan (The Contractor) als Hal und die Momente mit seiner Familie zu Beginn und am Schluß, gehören aus unterschiedlichen Gründen zu den ungemütlichsten, im gesamten Film. Wenn das kein Seitenhieb sein soll gegen Gamer, die nur für ihre Spiele leben und ihre Familie vernachlässigen, dann weiß ich auch nicht. Nötig als solchen finde ich ihn nicht, aber es ist gut gemacht.

Ingesamt also für mich ein knackiges Instant-Erlebnis, intensive Szenen und starke Darsteller inklusive. Hinzu kommen optische Spielereien, ein Retro-Look, die pushende Musik von Liam Howlett von der Band Prodigy und trotz der Atemlosigkeit, kommt niemals Stress auf. Substanz sollte man freilich wo anders suchen und es wirkt schon teilweise wie eine kleine Idee, die auf einen Spielfilm aufgeblasen wurde, aber den kurzweiligen Unterhaltungswert, würde ich der Produktion auf jeden Fall unterstellen.

P.S.: Bei Erfolg gibt es übrigens bereits ein Skript der Macher, dass sich sowohl mit den weiteren Ereignissen rund um die überlebenden Charaktere beschäftigt, als auch um die Ursprünge des Fluches. Ob ihr das sehen wollt? You choose, by watching this movie (or don´t).

„Choose or Die“ bekommt von mir 6,5/10 die Realität kurzweilig verändernde Empfehlungspunkte.


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