The Witcher – Season 2 (Serienkritik)

Nachdem Geralt von Rivia (Henry Cavill) und Ciri (Freya Allan) sich gefunden haben, gibt es eigentlich nur einen Weg – den nach Kaer Morhen. Geralt bringt Ciri seiner Ansicht nach in Sicherheit, denn nach Kaer Morhen ziehen sich die Hexer über den Winter zurück, wenn die Monster ihren Winterschlaf halten. Dort trainiert er sie, (mehr oder weniger) unterstützt von den anderen Hexern, um sie auf das vorzubereiten, was auf sie zukommen könnte. Aber Ciri wird im Kopf immer noch vom Schwarzen Ritter verfolgt und von jener Nacht, als Cintra brannte …

Der Schwarze Ritter unterdessen wurde in der Schlacht von Sodden gefangen genommen. Und durch eine Verkettung langer Umstände treffen er und Yennefer (Anya Chalotra) aufeinander. Yennefer, die durch ihre Taten in Sodden entweder eine Heldin ist (weil sie Nilfgaard verjagt hat) oder eine Ausgestoßene (weil sie Feuermagie benutzt hat). Egal in welche Richtung man denkt: Sie hat auf jeden Fall ihre Magie verloren. Und ohne Magie fühlt sich Yennefer wie nichts.

Da trifft es sich, dass sie unfreiwillig auf eine sehr gefährliche Hexe, konkret Baba Yaga, gestoßen ist und diese weidet sich an ihrer Verzweiflung. Und zwar nicht nur an ihrer …

Die Staffel 2 von „The Witcher“ hab ich mehr oder weniger sehnsüchtig erwartet. Mehr, weil die erste wirklich unterhaltsam und gut war. Weniger, weil ich irgendwie nicht richtig einordnen konnte, wie die Leute da jetzt weitermachen wollen. Denn jetzt, ja, jetzt fangen ja die Bücher der Geralt-Saga zu laufen an. Und da wird es jetzt politisch und kompliziert. Und Nein, es ist kein „Game Of Thrones“ für Arme (ich mag „Game Of Thrones“ nicht), aber ja, die politischen Begebenheiten spielen ab Staffel 2 eine Rolle, denn letztlich geht es genau darum: Ciri wird aus ganz verschiedenen Gründen von verschiedenen Fraktionen gesucht. Und am Ende der zweiten Staffel wissen mehr oder weniger alle, dass Ciri noch lebt (das ist kein Spoiler).

Was Staffel 1 für mich so gut machte (und viele andere haben es gehasst) waren die drei Zeitlinien, die dann zusammenliefen. Wer sich die erste Staffel ein zweites Mal (oder öfter) angesehen hat, der findet ganz, ganz viele Einschübe oder Kommentare, die auf Vorkommnisse anspielen, die erst in späteren Folgen passieren oder bereits passiert sind, allerdings Jahre davor.

Das fällt in Staffel 2 weg. Das hätte dazu führen können, dass der Rote Faden ein wenig fehlt und man irgendwie keinen eigenen Handlungsbogen zusammenbringt, der irgendwo hinführt. Aber stattdessen hat man gleich mehrere:

a) Ciri (Freya Allan) und die Hexer bzw. Ciris Training. Fand ich gut und lebt extrem von der schauspielerischen Leistung von Freya Allan, die hier mal endlich zeigen kann, was sie wirklich drauf hat. Und sie ist (das sage ich als Fan der Bücher und der Spiele) einfach fantastisch. Perfektes Casting. Hatte ich nach Staffel 1 nicht gedacht.
Lieblingsszene: Zwei Hexer, die Ciri immer als Prinzessin hänseln, zeigen ihr einen extrem gefährlichen Trainingsparcour und natürlich schafft sie ihn nicht. Sie lachen sie aus. Sie, die kleine, verwöhnte Prinzessin. Schnitt zu Geralt. Ganz andere Handlung. Dann wird er geholt, weil er sich ansehen muss, was mit Ciri passiert. Man denkt: „Oh Gott, was haben diese Typen mit ihr gemacht?“ und als Geralt hinkommt ist Ciri mitten am Parcours und die beiden, die sie davor ausgelacht haben, feuern sie an und geben ihr Tipps. Ich fand das großartig, weil es super zeigt, wie Ciri ist und wie sie auf andere wirkt.

b) Yennefer hat ihre Zauberkraft verloren und schreckt vor nichts zurück, um diese wieder zu bekommen. Das führt sie irgendwann zu Ciri. Wenn auch nicht im Guten. Und vorher trifft sie auf Dandelion (Jojey Batey, erneut: Perfektes Casting), den Barden (Jaskier, wie sie in der Serie mit richtigem Namen ansprechen). Und diese Treffen sind zu 100% Highlights. Tatsächlich ist jede Szene mit Jaskier ein Highlight. Vor allem, als er endlich wieder auf Geralt trifft.

c) Fringilla (Mimi Ndiweni), die Nilfgaard dient und Cintra wieder aufbauen und gemeinsam mit den Elfen eine neue Streitmacht ausheben will (und es gibt eine hammerharte Szene bei einem Abendessen). Dazu die Elfen, unter der Führung von Tissaia (MyAnna Buring), die ihren Platz in der Welt suchen und endlich wieder lebensfähige Kinder zeugen wollen, damit sie nicht aussterben. Und ja, das alles geht anders aus als ihr denkt.

Dazu kommt noch Kim Bodina („In China Essen Sie Hunde„, „Old Men In New Cars„), der Vesemir darstellt und das wirklich, wirklich gut macht. Das lässt mich gleich die meiner Ansicht nach verunglückte Version von Vesemir in „Nightmare Of The Wolf“ vergessen.

Ich fand Staffel 2 wirklich gut und spannend, die Aufteilung auf die Charaktere ist gut gelungen (und ja, es gibt immer noch genug Geralt) und alle politischen Intrigen waren für mich nachvollziehbar (ich kenne aber, wie schon erwähnt, auch die Bücher). Wie dem auch sei, es gibt auch zwischendurch immer wieder mal „Monster der Woche“ und gerade die erste Folge knüpft sehr gut an die erste Staffel an. Und endet mit einem typischen Geralt-Moment „You’re mortal now. Do it yourself.“

Ja, man darf sich auf Staffel 3 freuen, wie ich denke. Staffel 2 ist wirklich, entgegen meiner Erwartungshaltung, sehr gut geworden. Und wir brauchen mehr Szenen mit Yennefer, Jaskier und Geralt gemeinsam. Definitiv.

Das Ende ist ein wenig dick aufgetragen, aber okay, das war zu erwarten. Immerhin geht es darum, die Beziehungen zwischen den Charakteren zu festigen und das gelingt halt mal am besten, wenn man es ein bisschen übertreibt. Und für alle Henry Cavill-Fans: Ja, er ist immer noch oft dabei, aber nicht mehr die wichtigste Person in der Handlung. Er ist, wie auch im Buch, dabei und eine coole Socke. Aber die WElt dreht sich nicht mehr um ihn. Im Gegenteil: Er muss sehen, wie er Schritt hält. Und Cavill? Der darf jetzt auch mal eine weichere Seite von ihm zeigen und auch die passt erstaunlich gut. Man hat sogar Zeit ein paar Running Gags einzubauen („So … how did you two meet?“ Es folgt ein sehr aussagekräftiges Seufzen und ein Blick von Geralt. Jedes Mal wieder witzig).

„The Witcher – Staffel 2“ bekommt von mir 8 von 10 möglichen, das Universum wirklich gut erweiternde, Punkte.


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