The Witcher: Nightmare Of The Wolf (Filmkritik)

Vesemir (Theo James) ist ein Hexer bzw. Witcher. Er jagt Monster für Geld und er macht das gut und es macht ihm Spaß. Moral oder solche Dingen interessieren ihn eher wenig. Allerdings werden Stimmen laut, dass die Hexer zu gut arbeiten und die Monster immer weniger werden – Gerüchte machen die Runde, dass dies den Hexern nicht passt und sie deshalb selbst Monster züchten oder zumindest die Monster in menschlichere Gegenden hetzen, damit sie weiterhin Geld für ihre Arbeit bekommen können.

Eine von diesen, wenn nicht sogar die Hauptstimme dahinter, ist Tetra (Lara Pulver), ihres Zeichens Zaubererin. Eine der wenigen Gegenstimmen ist Lady Zerbst (Mary MocDonnell), welche eine Vorgeschichte mit den Hexern hat.

Über kurz oder lang läuft es darauf hinaus, dass Vesemir gemeinsam mit Tetra angeheuert wird, um der Sache auf den Grund zu gehen und was die beiden entdecken ist ungeheuerlich und wird die Welt für immer verändern. Zumindest für die Hexer …

Die Vorschichte eines Charakters zu erzählen, der in der Netflix-Serie tatsächlich noch keine Rolle gespielt hat, in den Spielen von CD Project Red eine extrem wichtige Nebenrolle (als Mentor von Geralt) ausfüllt und in den Büchern ebenfalls nicht unwesentlich ist, ist sicher spannend. Und nicht ganz einfach, denn es gibt viele Fans, welche den Charakter von Vesemir lieben.

Umso interessanter die Tatsache, dass man – streng durch die Augen eines Fanboys betrachtet – genau diese Vorgeschichte mit den Füßen tritt. Denn Vesemir ist ein Haudrauf, der Spaß am Monstermorden hat und auch wenn sein Charakter sicher nicht jener des weisen, reifen Mentors sein muss, zu dem er später wird, so ist es doch ein bisschen schräg, wenn man ein absolut klar etabliertes Ereignis nimmt und das dann mehr oder minder kopflos abändert.

Vorsicht, kleiner Spoiler: Kaer Morhen, die Festung der Hexer, wird in den Büchern von einem wütenden Mob überrannt, weil sie Hexer selbst für die Monster halten. Wütender Mob = Bauern mit Mistgabeln. Schmiede mit Hämmern. Und so weiter. Aber ganz wichtig ist die Begründung: Der Mob will die Hexer vernichten, weil diese in den Augen der Bevölkerung selbst Monster sind. Der Grund ist also: Die Angst vor Monstern.

Das wird in „The Witcher: Nightmare Of The Wolf“ leider anders ablaufen und es passt weder in den Kanon der Bücher/Filme und auch nicht – was noch schlimmer ist – in den Kanon des eigenen Films. Denn die Motivation ist die gleiche, nur die Durchführung ist eine großteils andere. Schräg und offen gestanden auch halbwegs peinlich.

Tatsache ist, man folgt den Regeln des Animationsfilms und eigentlich ist es nur eine Regel: Übertriebene Action. Das beginnt bereits in den ersten Minuten des Films, als Vesemir gegen ein ziemlich starkes Monster kämpft und er herumturnt, zaubert und springt als wäre er ein kleiner, übermenschlicher Super-Mario. Erinnerungen an „Castlevania“ werden wach, allerdings passt es dort viel besser ins Bild. Erinnerungen an „Castlevania“ werden übrigens auch deshalb wach, weil die Brutalität von „Nightmare Of The Wolf“ ziemlich gleichauf ist. Da wird sich nichts geschenkt und gleich der Beginn des Films macht klar, dass auch Kinder nicht vor Monstern sicher sind.

Die Charaktere sind an sich gut ausgearbeitet, wenn auch auf bestimmte, sehr stereotype Motivationen reduziert. Ein paar kleinere Überraschungen sind zwar schon drin (wie immer, wenn man einen Gegner/eine Gegnerin hat, die Illusionszauber beherrscht), aber nichts ist jetzt wirklich per se neu. Sicher, der Streifen ist unterhaltsam, kann dem Universum von „The Witcher“ aber meines Erachtens nichts Neues hinzufügen.

Die Animationen sind gut gelungen, die Action ist temporeich und die Figuren sind großartig vertont. Es ist immer wieder schön mal was von Lara Pulver zu hören und auch Theo James macht als Vesemir eine gute stimmliche Figur. Dazu kommen ein paar nette Anspielungen auf Meta-Ebene (Badewanne und Körperhaltung, sag ich nur) und ein paar weitere Abweichungen von etablierten Ereignissen (die Ankunft von Geralt in Kaer Morhen) bis hin zu völlig überdrehten und schrägen Einweihungsriten (die so sicher nie im Buch standen), aber hey – man muss das Publikum ja schockieren und Action bieten …

Alles in allem solide, aber für jene, die sich in der Witcher-Lore auskennen eine Enttäuschung, zumal die Änderungen keine neuen Nuancen oder Erkenntnisse zum Universum hinzufügen, sondern sogar ein paar Dinge ziemlich kaputt machen. Alles im Namen der übertriebenen Action. Schade, schade. Unterhalsamer Film? Ja, sicher. Passend zum Universum? Himmel, nein.

„The Witcher: Nightmare Of The Wolf“ bekommt von mir 6,5 von 10 möglichen, wer am Ursprungsmaterial festhalten will, darf nochmals zwei Punkte abziehen, Punkten. Andererseits, wem die „Lore“ nicht juckt, wer keine Ahnung hat und einfach „mehr“ vom Witcher-Universum will: Schlag einen Punkt drauf.


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