Prisoners of the Ghostland (Filmkritik)

Eine Region irgendwo in Japan, verwüstet durch einen Unfall mit nuklearem Abfall. In der Gegend ist eine Siedlung namens Samurai Town entstanden und hier regiert der skrupellose Gouverneur (Bill Moseley), der einen Harem von jungen „Enkeltöchtern“ besitzt, die er sich als Sexsklavinnen hält. Eines Tages flüchtet Bernice (Sofia Boutella)- eine dieser Damen – mit zwei ihrer Freundinnen und strandet im benachbarten Ghostland.

In diesem Ödland hausen nur mehr oder weniger verrückte Kreaturen, die von der veränderten Natur nach dem Unfall beeinflusst wurden. Deshalb holt der Gouverneur Außenseiter Hero (Nicolas Cage) aus dem Gefängnis, steckt ihn in einen mit Sprengsätzen versehenen Spezialanzug und gibt ihm fünf Tage um Bernice aus dieser Situation zu retten und zu ihm zurück zu bringen, sonst werden alle explosiven Stellen am Anzug gleichzeitig ausgelöst…

Der japanische Regisseur Sion Sono (Suicide Circle, Antiporno) ist seit über 30 Jahren im Filmgeschäft aktiv. Er hat sich (mindestens) in seiner Heimat schon lange einen Namen gemacht, vor allem mit seiner exzentrischen, subversiven Art seine Vision uns Zuschauern näher zu bringen. Zusätzlich ist er laut Interview ein Mann, der sich niemals Kritiken seiner Filme widmet, da er einfach die Filme macht, die er machen will, sozusagen unbeeinflusst von anderen Menschen.

Für sein englischsprachiges Debüt hat er sich daher Nicolas Cage als Hauptdarsteller genommen, was ich nach dem was ich über Sono weiß, sehr passend finde. Cage hat ja gemeint – und das wird auch als Werbung für den Film benutzt – dass dies bis jetzt „the wildest movie I´ve ever made“ ist. Was mich als Fan von ihm, zu einem Problem bringt, dass ich in abgeschwächter Form bereits bei Willy´s Wonderland (den ich sehr genossen habe) hatte. Ja liebe Freunde, ich spreche von der guten alten Erwartungshaltung.

Das ist jetzt eine persönliche Sache, schon klar, aber was erwartet ihr auch sonst von einem persönlichen Filmkritik-Blog? Ich mag die ohne Rücksicht auf Verluste Art Filme zu machen von Cage und schätze auch asiatische Filme sehr, von denen ich zahlreiche gesehen habe. Das hier ist eine Kombination von beiden und das in meinem Kopf ergibt einen perfekten Film, den ich in dieser Form gar nicht ganz erfassen kann.

Es steckt dann auch sehr viel hier drinnen – mal ganz abgesehen von offensichtlichen Einflüssen wie Escape from New York, Mad Max oder Kill Bill – es gibt durch die Performances, den Ideenreichtum und die skurrile Natur einiger Momente auch durchaus großartige Szenen, doch durch die alptraumhafte Erzählweise, verliert sich das Ganze etwas zu sehr und man hat teilweise keinen roten Faden mehr, dem man folgen kann.

Man könnte sagen hier gibt es eindeutig geniale Einzelteile, doch sie sind weniger perfekt zusammen geführt worden. Wenn jetzt Jemand meint „es reicht doch, wenn man Cage hier von der Leine lässt“, dann ist das dennoch richtig so. Auch wenn man hier nur Ansätze seiner losgelösten Art zu sehen bekommt, sind diese Momente doch unbedingt sehenswert und man muss ihn schon bewundern dafür wie er Szenen, die eigentlich völlig daneben sind, ganz und gar vereinnahmt und zu seinen eigenen Momenten macht.

Sofia Boutella (Hotel Artemis) geht neben ihm auch nicht unter, da sie eine faszinierende andersartige Aura an den Tag legt und Bill Moseley (The Horde) als Gouverneur ist so herrlich abgehoben und von sich selbst eingenommen, dass es eine Freude ist, ihn untergehen zu sehen. Ein Nebenplot über seinen Bodyguard wirkt daneben zwar fast belanglos, bringt aber die besten Schwertkampf-Sequenzen mit sich, die der ganze Film zu bieten hat.

Nicolas Cage gehören hier alle Szenen, in denen er dabei ist und er zieht auch das gesamte Werk um einiges nach oben. Ansonsten gibt es viele Schauwerte, vor allem bei den Kulissen und den Kostümen hat das Produktionsteam ganze Arbeit geleistet und die Farbgebung ganz grundsätzlich, hat etwas sehr eigenes. Dass der Film an sich für mich einfach so vorübergeht, man weder sonderlich mitfiebert noch richtig hineingezogen wird, sondern immer irgendwie Beobachter bleibt, finde ich dabei etwas schade.

„Prisoners of the Ghostland“ bekommt von mir 7/10, zwischen traumhaft und alptraumhaft herum schwebende und beide Seiten nie erreichende Empfehlungspunkte.


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