Old (Filmkritik)

Guy (Gael Garcia Bernal) und Prisca (Vicky Krieps) fahren mit ihren Kindern in den Urlaub. Prisca hat ein Hotel gefunden, online, welches Ruhe und Entspannung verspricht. Tatsache ist: Es kriselt zwischen den beiden und es wird wohl der letzte gemeinsame Urlaub sein. Der Grund dafür ist allerdings ein anderer, als man annehmen würde: Prisca hat einen Tumor und möchte ihre Familie nicht den Höhen und Tiefen der Behandlung oder ihres eventuellen Todes aussetzen. Klar sieht Guy das ein wenig anders.

Wie dem auch sei: Sie lassen sich vom Hotelbetreiber bezirzen und zu einem abgelegenen Strand kutschieren, damit sie dort in Ruhe das Wasser, die Wellen und die Brandung genießen können. Fast allein. Denn auch der Arzt Charles (Rufus Sewell), mit seiner extrem auf Äußerlichkeiten bedachten Frau Chrystal (Abbey Lee), als auch Krankenpflger Jarin (Ken Leung) mit seiner an Epilepsie leidenden Frau Patricia (Nikki Amukka-Bird). Außerdem treffen sie dort den bereits anwesenden Rapper Mid-Sized Sedan (Aaron Pierre), der auf jemanden zu warten scheint.

Es stellt sich jedoch bald heraus, dass es irgendwie nicht möglich zu sein scheint, den Strand wieder zu verlassen. Und allesamt entwickeln seltsame Eigenheiten … bis dann plötzlich die Kinder um Jahre gealtert sind. Und die Erkenntnis kommt spät: Die Zeit an diesem Strand vergeht schneller. Jede halbe Stunde altern alle Anwesenden um ein Jahr.

Die Zeit drängt also, im wahrsten Sinn des Wortes …

Ich bin ja ein bekennender Fan von M. Night Shyamalan. Wer diesen Blog hier schon länger liest, der oder die weiß das. Ich war also nach den letzten Werken („The Visit“ – spannend, „Glass“ – je nachdem was man erwartet hat, auch gut) ein bisschen gespannt, was jetzt von ihm kommt und gebe zu: Der Trailer zu „old“ hat mich jetzt nicht so richtig mitgerissen. Aber hey, man weiß ja nie so genau, was man bei einem Film von Shyamalan kriegt. Also war „ansehen“ tatsächlich obligat.

Und bevor ich jetzt auf den Film eingehe, noch eine Info: Vorlage war die Graphic Novel „Sandcastle“ von Pierre Oscar-Lévy und Frederik Peeters, die ich jedoch nicht kenne. Allerdings habe ich vor sie zu lesen, schlichtweg, weil ich denke, dass sie um einiges besser sein muss(!) als der Film. Irgendwie kam mir der gesamte Film ziemlich gestresst vor (was bei einem Film mit dem Thema Zeit irgendwie ironisch ist) und eigentlich, wenn man es genau nimmt, ziemlich unterwältigend.

Warum? Zum einen die Dialoge. Die sind platter als platt und dienen eigentlich nur dazu, den Zuseher:innen Informationen zu vermitteln. Wirkliche Gespräche zwischen zwei Menschen, nun, die kommen in der Form eigentlich kaum vor. Dafür gibt es seltsame Gesprächfolgen und Verhaltensweisen. Da hat zum Beispiel Patricia beim Abendessen im Restaurant des Hotels einen eplileptischen Anfall und Jarin kümmert sich um sie. Charles kommt als Arzt dazu und – völlig unpassend nennt ihm Jarin seinen Namen und seinen Beruf. Nur um das gleiche eine Minute später mit einem „I’m Jarin by the way!“ nochmals zu tun. Mir ist schon klar, dass dies darauf hinweisen soll, wie oberflächlich und überheblich Charles ist, aber die Situation wirkt so dermaßen daneben, das passt einfach nicht zusammen.

Dazu kommen die Reaktionen der Menschen am Strand. Gerade der Arzt Charles, der unter Stress sein Hirn ausknipst und plötzlich von Filmen und Serien zu reden beginnt ist … befremdlich. Klar sagt Chrystal dann so etwas wie „Oh no, not this again“, aber mehr gibt es dazu auch nicht. Es ist ja jetzt nicht neu eine Gruppe von Menschen in eine begrenzte Räumlichkeit zu pferchen und Zwietracht unter ihnen zu säen bzw. ein/e davon als Bedrohung herauszupicken. Das funktioniert immer wieder mal. Wenn es gut gemacht ist, wie zum Beispiel in „The Mist„. Aber hier … hier ist es eigentlich hauptsächlich peinlich.

Von Fehlern in den Regeln des Films will ich mal gar nicht anfangen. Naja, doch vielleicht: Wenn eine halbe Stunde ein Jahr ist, wieso ist dann niemand nach zwei Stunden ohne Essen verhungert? Und das mit den zwei Stunden schreibe ich jetzt nur, um plakativ zu sein. Ganz konkret (30 Minuten durch 365 Tage * 4 Tage, die man ohne Wasser auskommt) müsste man eigentlich nach rund 20 Sekunden verdurstet sein. Vielleicht wird das ja im Buch/Graphic Novel erklärt, aber im Film kommt das nicht vor.

Ist auch okay, kann man ja drüber hinweg sehen, allerdings frage ich mich, warum es dann eine Szene geben muss in welcher ein Teenager ein Kind bekommt, welches bei der Geburts bereits tot ist und dass dann innerhalb kurzer Zeit zu Staub zerfällt und so in der Art gesagt wird: „Es ist verhungert.“ Quasi schon eine Minute nach der Geburt, weil – ihr wisst schon: Die Zeit vergeht ja so schnell. Das ist einfach nicht stimmig (davon abgesehen, dass ich es immer sch***e finde, wenn Babies und Kindern in Filmen was passiert).

Von den schlecht gemachten Spannungsszenen (ich sage nur: Eine Messerattacke bei Lagerfeuer, die absolut billig gemacht ist) schreib ich jetzt schon gar nicht mehr lang und breit. Oder von der Frau, die immer schön sein will und am Ende … naja, da hatte ich vor Lachen schon dermaßen Bauchschmerzen, da spielte das keine Rolle mehr.

Dazu kommt, dass die Dialoge einfach auch oftmals wirken als würden die einzelnen Sätze der Personen nicht zueinander passen. Die Worte stimmen, aber die Betonung ist absolut unpassend. Es fühlt sich einfach die gesamte Zeit über … komisch an. Da helfen auch manch wirklich gelungene Kameraperspektiven nichts. Da hilft auch die schöne Optik vom Strand nicht.

Das Positivste was ich also über den Film sagen kann ist: Ich möchte die Graphic Novel lesen, weil ich die Idee gut finde und mich interessiert, ob die auch alles andere dermaßen verbockt haben oder ob da jetzt echt Shyamalan Mist gebaut hat. Tatsache ist: Ich traue ihm das zu. Dieser Film ist jedenfalls eine riesengroße Enttäuschung. Vom Ende bzw. der Auflösung will ich jetzt nicht mal mehr anfangen.

„Old“ bekommt von mir 4 von 10 möglichen, primär den schönen Bildern geschuldete, Punkte.


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