Glass (Filmkritik)

„The Beast“ (James McAvoy) mordet wieder. Und David Dunne (Bruce Wilis), mittlerweile als „Overseer“ bekannt, macht Jagd auf ihn. Es kommt wie es kommen muss: Beide werden verhaftet und Fr. Dr. Ellie Staple, ihres Zeichens Psychologin, bekommt die Gelegenheit und ein paar Tage Zeit, um die „Superhelden“ davon zu überzeugen, dass sie an einer psychischen Erkrankung leiden. Sie würden nur glauben, besondere Fähigkeiten zu haben, denn in Wahrheit wären sie durch die Bank nichts Besonderes.

Auch in ihrer „Obhut“ befindet sich Elijah Price, auch „Mr. Glass“ genannt, der in einer katatonischen Starre vor sich hindämmert. Drei „Superhelden“ in einer Anstalt? Das kann nicht lange gutgehen.

Das ist nicht, was ihr erwartet habt? Ihr dachtet, es würde am Ende zu einer großen Blockbuster-CGI-Action-Schlacht oder zu einem 30minütigem Showdown zwischen dem „Overseer“ und „The Beast“ kommen? Nun, dann seid ihr im falschen Film, denn „Glass“ ist klar der logische Abschluss einer in sich konsistenten und bemerkenswerten Trilogie. Bemerkenswert aufgrund mehrere Dinge.

Erstens war nie klar, ob es jemals einen Nachfolger zu „Unbreakable“ geben würde, denn die Karriere von Shyamalan ging eher in eine traurige Richtung. Zumindest bis er vor kurzem mit „Split“ quasi aus dem Nichts einen Nachfolger aus dem Hut zauberte, der mit seiner Verknüpfung mit „Unbreakable“ genauso überraschte wie mit einer sehr bodenständigen Geschichte.

Und dann wurde „Glass“ angekündigt. Der Abschluss einer (mehr oder weniger) Superhelden-Trilogie. Die Erwartungen waren natürlich dementsprechend hoch, wenn auch vielleicht ein wenig fehlgeleitet. „Glass“ ist genau wie er sein soll. Es ist vermutlich nicht der Film, den viele sehen wollten, es ist aber mit 100%iger Sicherheit, der Film, den Shyamalan machen wollte, denn er fügt sich mit seinem Inhalt als auch seiner Machart perfekt als Abschlussfilm in die „Welt“ von „Unbreakable“ ein.

Außergewöhnlich ist noch dazu, dass sich zwei große Filmvertriebe (Buena Vista, also Disney und Universal) zusammentun, um gemeinsam einen Film zu vertreiben, der ein Nachfolger zu zwei Filmen darstellt, zu denen jeweils einer die Rechte hat. Wow, kann ich nur sagen.

Ebenfalls außergewöhnlich ist, wie vertraut sich der Film und die Figuren anfühlen. War „Unbreakable“ die Geschichte von David Dunne und „Split“ die von Kevin Crumb, so ist „Glass“, wie der Name schon sagt, der Film von Mister Glass („First Name: Mister. Last Name: Glass.“). Und er ist genauso bodenständig und unaufgeregt wie seine beiden Vorgänger.

Die Schauspielriege ist teilweise sehr gefordert und bringt großartige Leistungen (McAvoy) und andererseits spulen sie einfach ihr Ding ab (Jackson und Willis), was dazu führt, dass es zwar ein Film ist, dessen Hauptfokus in den Ränkeschmieden von Jacksons Charakter hat (der erst nach einer Stunde mal was sagen darf), sich allerdings anfühlt wie ein Vehikel für einen losgelassenen McAvoy. Willis ist … anwesend.

Der Film ist langsam und nimmt sich viel Zeit. Er besteht viel aus Gesprächen und wenig Action, aber das war ja zu erwarten. Was nicht zu erwarten war, ist wie gut er mit seinen Vorgängern verknüpft ist, denn bereits in „Unbreakable“ gibt es Hinweise darauf, wie „Glass“ enden wird. Ob das von Anfang an so geplant war kann ich nicht beurteilen – „Unbreakable“ ist 19 Jahre alt! -, aber es fügt sich wirklich als Einheit zusammen.

Der Film ist klarerweise nicht ohne Fehler, das muss man einfach festhalten. Zum Beispiel kam mir Anya Tayler-Joy richtig verschenkt vor und ihre Rolle war für mich nicht wirklich stimmig, wenn auch wichtig für das Finale. Apropos Finale: Ja, es gibt einen Twist. Es gibt sogar mehrere und der Film endet mit Sicherheit nicht so, wie ihr (oder ich) es erwartet hättet. Dabei war es so klar: Bereits die beiden „Vorgängerfilme“ enden ja eher antiklimatisch und bodenständig. Es hätte mir klar sein müssen, dass dies hier auch so ist.

Vielleicht habe ich in den letzten Jahren zu viele heroische Superheldenfilme gesehen, das ist gut möglich, aber als der Film zu Ende war, war ich gleich mal ein wenig enttäuscht. Ein paar Stunden danach finde ich allerdings, dass es kein anderes Ende hätte geben können. Die Geschichte musste so enden. Einfach weil es perfekt zur Stimmung, Atmosphäre und generell dem geerdeten Zugang von Shyamalan passt.

Alles in allem finde ich „Glass“ wirklich gelungen (auch dank seiner vielen Interpretationsspielräume, auf die ich aus Spoilergründen nicht näher eingehen kann) und der Film hat mir wieder mal gezeigt, dass man nicht immer bekommen muss, was man will. Manchmal bemerkt man erst nach einer kurzen Enttäuschung, dass das was man bekommen hat etwas völlig Anderes, aber dafür viel Besseres/Passenderes ist, als man selbst gedacht hätte.

„Glass“ bekommt von mir 9 von 10 möglichen, Shyamalans „Superhelden“-Trilogie zu einem runden und – ehrlich – ernüchternden Abschluss bringende, Punkte.


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