Spiral: From the Book of Saw (Filmkritik)

Detective Zeke Banks (Chris Rock) ist nicht gerade beliebt, da er vor ein paar Jahren, einen korrupten Kollegen ins Gefängnis gebracht hat und man so etwas einfach einem anderen Polizisten nicht antut. Nur seine Chefin Captain Angie Garza (Marisol Nichols) steht noch hinter ihm, doch nach seinem neuesten Alleingang reicht es ihr und sie stellt ihm mit Detective William Schenk (Max Minghella), einen jungen Partner zur Seite.

Die beiden müssen trotz Differenzen schon bald gut zusammen arbeiten, denn in einer U-Bahn wird eine Leiche gefunden und wie sich kurz darauf heraus stellt, handelt es sich um einen Freund und Kollegen von Zeke. Als Zeke Post bekommt und ihn die Hinweise zu weiteren Enthüllungen führen wird klar, dass hier ein Serienkiller unterwegs ist, der scheinbar in der Tradition des berüchtigten Jigsaw-Killers, seine Opfer aussucht…

Das Saw-Franchise hat ihren Machern bisher über eine Milliarde Dollar eingebracht und ist somit eines erfolgreichsten Horror-Franchises aller Zeiten. Von Halloween 2004 bis 2010 liefen die sieben Saw-Teile im Kino, dann sollte die Story angeblich abgeschlossen sein. Im Jahre 2017 folgte dann jedoch Jigsaw und nun im Jahre 2021 dreht sich die „Spiral“ weiter. Dabei spielen zwar alle Filme im selben Universum, doch derzeit wird mit Ideen für eigenständige Fortsetzungen für Saw, Jigsaw und Spiral (plus eine Serie) gespielt.

Der deutsche Titel „Saw 9: Spiral“ ist deshalb auch irreführend, weil die Macher rund um Saw-Profi und Spiral Regisseur Darren Lynn Bousman (Death of Me) – der bereits bei Teil 2 bis 4 von Saw Regie geführt hat) – hier bewusst etwas eigenständigeres schaffen wollten (ohne Jigsaw selbst). Warum ihr auf unserem Blog übrigens (bis jetzt) keine Saw-Reviews entdecken werdet, ist weil ich nach dem starken Start, irgendwann das Interesse an Saw verloren habe, da die Gewalt nur mehr zum Gimmick wurde und nicht die Handlung vorangetrieben hat (meinen Co-Autor erging es ähnlich).

Der eigentlich auf Komödien spezialisierte Chris Rock ist Fan der Filme und hatte auch die Idee zu diesem neuen Teil, weshalb ihn die Filmfirma dann auch gleich zum Produzenten und Hauptdarsteller gemacht hat. Was heraus gekommen ist, ist für mich kein schlechtes Erlebnis an sich, doch sehr speziell oder gar als Neustart, würde ich das Ganze auf keinen Fall bezeichnen. Es ist nämlich trotz der obligatorischen falschen Fährten (wohl nicht nur für Kenner) relativ leicht, den Täter heraus zu finden.

Gut, das Warum weiß man deshalb auch nicht, aber dem bei Saw ja fast schon zwingenden Twist am Ende, wird somit sämtlicher Wind aus den Segeln genommen. Was die Gewalt betrifft, ist der Bodycount vergleichsweise niedrig. Jede Falle entspricht brav dem Verbrechen, das vom jeweiligen Gefangenen begangen wurde und man kann auch für einen sehr hohen Preis, aus diesen Fallen entkommen. Doch schafft das dann auch wirklich jemals Jemand und wenn ja, würde man das selbst in der gleichen Situation überhaupt wollen?

Die Opfer sind vom Sympathie-Level her zwar sehr unterschiedlich angesiedelt, doch heißt das dann automatisch, dass ich ihnen sekundenlang beim Leiden zusehen will? Ich weiß schon, das hier ist Saw und dieser Konflikt macht wohl auch den Reiz dieser Filme aus, doch wie ihr bald bei meiner Jigsaw-Review lesen werdet, sind es ganz andere Dinge, die mir an Saw gefallen. Der wichtige Unterschied ist für mich folgendes, nämlich ob das Gezeigte noch brutal und deshalb fesselnd (no pun intended) oder nur mehr ekelhaft und Gewalt zelebrierend ist.

Kommen wir zu den Darstellern. Chris Rock (Madagascar) versucht sehr stark, hier einen richtig ernstzunehmenden Charakter zu spielen. An manchen Stellen wirkt dies etwas gewollt, aber in Summe eine starke Performance. Er soll ja gefühlsmäßig hier der einzig nicht korrupte Cop sein, doch das spürt man so gar nicht, da er einfach in keiner Weise sympathisch herüber kommt. Verbissen und konzentriert ja, doch das selbstgerechte sich abfinden mit der Opferrolle (weil ja alle Cops gegen ihn sind) führt nicht gerade dazu, dass man ihm zujubelt.

Aber da wäre ja auch noch Samuel L. Jackson (Killer´s Bodyguard) in einer Nebenrolle als sein Vater, der funktioniert doch immer, oder? Ich würde sagen nein oder zumindest nur bedingt, weil seine Rolle in etwa so angelegt ist, als würde die Regieanweisung im übertragenen Sinne lauten „he Samuel, lese ihnen einfach auf deine Art das Telefonbuch vor, das passt dann schon, denn du bist immerhin Samuel motherfucking Jackson!“ Und ohne zu spoilern wer der Killer ist, dem fehlt einfach das Charisma. Wo seine Wut herkommt, ist zwar noch zu verstehen, ansonsten kann man den jedoch nicht wirklich ernst nehmen.

Was man also bekommt, ist ein „wer war es“ Thriller mit vorhersehbarer Endkonstellation, der zwei für mich zu sehr in die Länge gezogene brutale Szenen hat, einen schwachen Bösewicht und einen Haufen von unsympathischen Figuren. Gut gemacht und gefilmt ist er jedoch allemal und bei der Erstsichtung, trotzdem spannend genug, doch das ist dann auch schon alles. Keine Ahnung wo sich der Film für Fans des Franchise einreiht, doch für mich ist das klares Mittelmaß.

„Spiral“ bekommt von mir 5/10 die Spirale bis zur Ermüdung weiter drehende Empfehlungspunkte.


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