Boogeyman (Filmkritik)

Tim (Barry Watson) muss als Kind mitansehen, wie der „Boogeyman“ (in politisch unkorrekten Zeiten hieß der bei uns früher „Der Schwarze Mann“) seinen Vater in den Kleiderschrank zerrt und er nie wieder gesehen wird. Seine Mutter stürzt daraufhin in eine große Krise, Tim wächst bei seinem Onkel auf. Jahre später ist Tim mehr oder weniger verlobt und führt ein geregeltes Leben, welches nur hin und wieder Erinnerungen an das Trauma aufwirft.

Zumindest bis sein Onkel sich meldet und meint, es wäre an der Zeit seine kranke Mutter zu besuchen und außerdem brauche man ein paar Unterschriften wegen dem Haus, welches nach wie vor offiziell im Besitz der Familie, wenn auch stark heruntergekommen, ist.

Also macht sich Tim auf, um zurückzukehren und dann passiert es. Der „Boogeyman“ ist wieder zurück und scheint nur auf Tim gewartet zu haben …

Manche Filme sollten nicht funktionieren, weil sie einfach völlig ohne irgendeine Überraschung ablaufen. Manche Filme sollten funktionieren, wenn man aus einem Horrorfilm mit Monster einen Horrorfilm über die Monster im Herzen der Menschen macht. Und manche Filme beginnen damit Zweifel über das „Monster“ zu säen, weil es ja sein könnte, dass das Trauma die Hauptperson einfach zu stark aus der Bahn geworfen hat, und entscheiden in den letzten paar Minuten des Films, dass es dann doch „nur“ ein Monsterfilm ist.

Dieser hier ist einer der letzten Sorte. Und das ist tatsächlich richtig schade.

Tim ist jetzt nicht die sympathischste Hauptfigur die man erfinden konnte, aber das macht nichts, denn grundsätzlich ist die Machart des Films auf eine Art und Weise inszeniert, dass es trotzdem spannend ist dran zu bleiben. Ich habe zum Beispiel noch nie gesehen, wie eine Krähe gegen die Windschutzscheibe eines Autos knallt, mit dem Schnabel im Glas stecken bleibt und dann entfernt werden muss und die ganze (banale) Szene so inszeniert ist, dass man die gesamte Zeit ein äußerst unangenehmes Gefühl in der Magengegend hat.

Da kann der Film wirklich punkten und in solchen Momenten trieft er vor Atmosphäre. Das rettet den Film in Summe nur leider nicht, denn dazwischen sind immer wieder Szenen, die einem wie Flickwerk vorkommen. Da trifft Tim zum Beispiel seine alte Freundin Kate (Emily Deschanel) wieder und es ist, als hätten die beiden sich erst gestern gesehen (ich war eher überrascht, weil ich mich nicht erinnern kann im Film davor jeweils irgendwas von dieser „Kate“ gehört zu haben. Aber das kann auch an mir liegen).

Tatsächlich war ich mir so 10 Minuten vor dem Ende (als Tim durch Türen geht und völlig woanders auftaucht als die Türen hinführen) sicher, dass er einfach „Blackouts“ hat und schlichtweg ein Mörder ist. Das wäre zwar ein bisschen vorhersehbar gewesen, aber überaus passend. Das war jetzt ein kleiner Spoiler und hier folgt ein größerer: Es ist am Ende tatsächlich ein böser Geist, der Tim verfolgt. Warum dieser so lange wartet bevor er wieder zuschlägt und was alles rundherum passiert … nein, das passt nicht zusammen. Das funktioniert so nicht. Und noch dazu sind die Effekte – wenn man den Boogeyman dann gegen Ende mal sieht – richtig, richtig … richtig schlecht. Ich meine „Sharknado“-schlecht.

Schade, da man eigentlich davon ausgehen sollte, dass – wenn Sam Raimi („Evil Dead“) produziert, hier etwas Gutes rauskommen sollte. Und noch dazu hat Eric Kripke, der Mann, dem wir die ersten Staffeln von Supernatural zu verdanken haben, das Drehbuch verfasst.

Kurz: Trotz teilweise super Kameraarbeit und toller Atmosphäre geht dem Film einfach einerseits gegen Ende die Luft aus und mittendrin passieren einfach Szenenwechsel, die sich anfühlen als würde ein Teil des Films fehlen. Sorry, aber so geht das nicht.

„Boogeyman“ bekommt 4 von 10 möglichen, für die coolen Momente gerade noch so verdiente, Punkte.


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