Wheelman (Filmkritik)

Er (Frank Grillo) lebt getrennt von seiner Frau und kümmert sich so gut es geht um seine Tochter Katie (Caitlin Carmichael), wenn sie gerade bei ihm sein darf. Im Gefängnis möchte er nie wieder landen, dennoch verdient er sein Geld als Fahrer bei diversen Bankräuben, alles organisiert von seinem Kumpel Clayton (Garret Dillahunt). Doch dann läuft etwas schief.

Er wird von einem unbekannten Anrufer darüber informiert, dass er in Gefahr ist und die beiden Bankräuber ihn nach erledigtem Job, töten werden. Deshalb rast er mit dem Geld davon. Was nicht gerade die klügste Entscheidung war, denn er wurde ausgetrickst und nun sind scheinbar alle hinter dem Geld her und schrecken auch davor nicht zurück, seine Familie als Druckmittel einzusetzen.

Nach ein paar Serien und Kurzfilmen, feiert Jeremy Rush hier als Drehbuchautor und Regisseur, sein Langfilm-Debüt auf Netflix. Über weite Strecken präsentiert sich der Film als „Ein Mann Show“, die sich voll und ganz auf den Fahrer konzentriert. Unterstützt wird dies dadurch, dass die Kamera nie den Wagen verlässt und man als Zuschauer somit permanent das Gefühl hat, mit dem Protagonisten gemeinsam unterwegs zu sein.

Das ist als Experiment und von den Kamera-Einstellungen durchaus interessant, bringt aber klar auch gewisse Limitierungen mit sich. Das wiederum war dem Macher sicherlich bewusst und deshalb ist neben einem sehr sorgfältig ausgesuchten Hauptdarsteller, die emotionale Achterbahnfahrt und das zügige Tempo ein zentrales Thema. Bis auf zwei Momente in denen jemand einsteigt, läuft dabei jede Kommunikation über das Handy.

Ich fühlte mich erinnert an den Film „Der Kurier“ wo genau die Tatsache der Isoliertheit, dem Film stellenweise geschadet hat. Hier fühlt sich das stimmiger an und man fühlt, dass Stillstand für unseren Antihelden der Tod bedeuten würde und er nur in Bewegung bleibend überleben kann, um eine Lösung zu finden. Immer wenn ich dachte, jetzt wirkt die Sache statt emotional aufwühlend etwas lähmend, hat das Abenteuer dann wieder an Fahrt zugenommen.

Es stimmt schon, diese Idee hätte als Kurzfilm sicherlich noch besser und ohne Leerlauf funktioniert, aber als kleines Experiment, sowohl für den Regisseur als auch für das auf modern getrimmte Netflix, geht die Sache so voll in Ordnung. Was zu großen Teilen auch an einem sich stark mit der Rolle identifizierenden Frank Grillo (Reprisal) liegt, der eine durchaus ambivalente Figur spielt.

Einerseits ist er ein Gauner, der als Fahrer gefährliche Verbrecher chauffiert, andererseits wendet er selbst keine Gewalt an (außer in Notwehr) und tut dies im Prinzip alles, um seiner Tochter eine gesicherte Zukunft zu ermöglichen. Man wünscht ihm und seiner von Caitlin Carmichael (300 Rise of an Empire) gespielten Tochter – die übrigens erst vierzehn Jahre alt ist und seit sie vier ist, vor der Kamera steht – einfach ein versöhnliches Finale.

Garret Dillahunt (Braven) bleibt seiner Rollenwahl treu und spielt wieder eine negative Figur, obwohl er hier vor allem durch Feigheit und Dummheit auf sich aufmerksam macht. In einer Nebenrolle gibt sich Shea Whigham (Kong Skull Island) als schleimiger Bankräuber die Ehre und ich muss schon sagen, nach seinen zahlreichen Nebenrollen, braucht der Kerl endlich mal einen Film, den er alleine tragen darf.

Insgesamt daher ein Film der Marke: schön kurzweilig für Zwischendurch und der experimentelle Teil ist gelungen, jedoch kann man insgesamt sicherlich noch einiges verbessern und neue Ideen hinzu fügen. Darstellerisch, von den Emotionen und den sehr kurz gehaltenen Action-Momenten her (hallo, das ist ein Film über einen Fahrer und die Verfolgungsjagden sind nie zu lange, das verdient Respekt), jedoch äußerst stimmig.

„Wheelman“ bekommt von mir 6/10 den Wagen unter keinen Umständen verlassen wollende Empfehlungspunkte.


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