The Walking Dead: Michonne (Game-Review)

Michonne ist am Ende. Sie hält die Erinnerung an eine vergangene Schuld nicht mehr aus und bricht an einem Strand zusammen. Ihre Kinder? Tot. Wessen Schuld? Michonnes. Zumindest in ihren Augen. Aber es kommt nicht zum Äußersten, denn ein freundlicher Fremder hält sie zurück und nimmt sie zu sich auf sein Boot.

Als ein Treffen mit einer anderen Crew nicht zustande kommt, tauchen Bedenken auf. Etwas muss passiert sein. Ab ins Ruderboot um das andere Schiff zu durchsuchen. Natürlich. Als ob da etwas Gutes dabei rauskommen könnte. Aber mit dieser Menge an Problemen hat selbst die äußerlich so abgebrühte Michonne nicht gerechnet.

Michonne. Hart. Kalt. Geht gut mit Schwertern um und als sie ihren Auftritt (in den Comics oder in der Serie) hatte, waren alle begeistert. Die neue Lieblingsfigur. Das, was man im guten alten Englisch als „Badass“ bezeichnet. Anscheinend gibt es in der Serie ein paar Folgen, in denen Michonne nicht vorkommt (kann ich nicht bestätigen, ich habe während Staffel 3 aufgehört zu gucken) und niemand weiß, was in dieser Zeit passiert ist.

Diese Lücke soll „The Walking Dead: Michonne“ von Telltale Games nun füllen. Drei Episoden lang begleiten wir Michonne auf ihrem Selbsterfahrungstrip, der es in Punkto Zerstörungswut und Blutbad definitiv in sich hat.

Und hier haben wir auch bereits den größten Unterschied zu den anderen Serien von Telltale. Für mich fühlte sich „Michonne“ genauso an, wie oben beschrieben: Wir begleiten Michonne. Da diese per se ein vordefinierter Charakter ist, kann ich als Spieler zwar ein paar Entscheidungen treffen, aber sie ist wie sie ist, tatsächlich eher kurz angebunden und wortkarg. Was in einem Spiel, in welchem es primär um Dialoge und Quick-Time-Events geht, nunmal nicht der beste Ansatz.

Das Hauptthema – der Umgang mit Schuld – wird meiner Ansicht nach ein wenig vergeigt, da der Tod ihrer Kinder zwar wie ein Damoklesschwert über ihrer psychischen Gesundheit hängt, aber der Tod von anderen rundherum lässt sie relativ (von kurzen, überraschten Blicken abgesehen) kalt. Passt zu ihrem Charakter, möchte man meinen. Vielleicht spielt auch die alte Engine mit (verdammt habe ich mich rasch an die neuere Optik gewöhnt), aber irgendwie hat das schon besser funktioniert.

Dabei wurde ich – das bitte nicht missverstehen – gut unterhalten und die Ideen für drei Episoden sind wirklich gut und die Verkürzung der Story hat den Vorteil, dass wirklich immer(!) was passiert. Da gibt es eigentlich keine Pause. Denn wenn mal nichts passiert, dann kann man sich sicher sein, dass Michonne etwas „sieht“ oder die Ruhe wieder gebrochen wird.

Das bedeutet: „Michonne“ ist vorhersehbar bis zu einem gewissen Grad. Die erste Folge war verdammt gut. Gerade ein Verhör, bei dem zwei Personen einzeln befragt werden, um festzustellen wer lügt ist wirklich spannend und gut gelungen. Die neuen Bösewichte (sind sie das?) sind spannend und ambivalente Figuren, da man zumindest einem Teil von ihnen zutraut, es nicht wirklich böse zu meinen.

Am Ende macht es keinen Unterschied. Ich weiß nicht, ob das nur in meinem Playthrough so war, oder ob es immer so endet, aber bei mir kam es zu einem großen Blutbad und ich konnte nichts, absolut gar nichts tun um irgendeine Eskalation zu verhindern. Auch die vielen Tode haben mich in Summe nicht mehr berührt, weil ich bei vielen einfach schon damit gerechnet hatte. Sogar die Augenblicke in denen es passiert waren klar.

Mehr Action, schien die Devise gewesen zu sein. Und wenig Zeit für Figuren. Naja. War in meinen Augen nicht die beste Idee. Und – Hand aufs Herz – Michonne hätte locker eine ganze Staffel tragen können. Aber vielleicht hätte man sie nicht als Hauptfigur nehmen sollen.

„The Walking Dead: Michonne“ bekommt 7 von 10 möglichen, leider zu kurz gestauchte und deshalb übereilte und auf die bekannte Formel verlassende, Punkte.


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