Alien: Covenant (Filmkritik)

Das Raumschiff Covenant ist mit 2000 Kolonisten beladen und auf der Reise nach Origae-6, denn dort – so glaubt man – findet man einen neuen Start für die menschliche Rasse, da der alte Planet ein wenig zu verbraucht erscheint. Auch die 15köpfige Crew wurde in den Tiefschlaf versetzt, denn die Reise ist lang. Betreut wird das Schiff vom Androiden Walter (Michael Fassbender), der leider nicht verhindern kann, dass die Sonnensegel – die das Schiff alle paar Jahre einsetzen muss, um wieder Energie für die Reise zu tanken – beschädigt werden. Also wird die Crew geweckt und ran an die Arbeit.

Während der Reparatur schleicht sich allerdings ein Signal in das Kommunikationssystem des Schiffs und kann entschlüsselt werden als … „Country Roads“ von John Denver. Am anderen Ende des Alls schickt jemand diese Botschaft in die Unendlichkeit? Beim Zurückverfolgen des Signals stoßen sie auf einen Planeten, der entgegen aller Wahrscheinlichkeit, ein Paradies zu sein scheint und sogar bessere Lebensbedingungen bereit hält, als es Origae-6 tun würde. Also wird – unter einem Vorwand – beschlossen, dorthin zu reisen und das Signal sowie den Planeten zu untersuchen …

Ich weiß, ich weiß. Bevor ich noch ein Review oder eine Kritik über „Alien: Covenant“ gelesen habe, weiß ich bereits, was dort stehen wird. „Zu eng an die klassische Alien-Formel angelehnt“ oder „Nichts Neues, nur mehr Blut“ oder „Das Alien kommt zu kurz vor“ oder „Entmystifiziert die gesamte Figur“ oder von mir aus auch „Ach, so viele dumme Kolonisten/Wissenschaftler/Wer auch immer gibt es doch überhaupt nicht. ICH würde FOLGENDES machen …“, gefolgt von viel bla bla blupp.

Meine erste Fassung dieser Kritik hatte mehr als vier Seiten. Es gab viel philosophische Abhandlungen darin über Schöpfer und Geschöpf, viele Erklärungsversuche (denn viele Kritikpunkte entkräftet der Film selbst, allerdings nur in Nebensätzen) über die scheinbare Dummheit der Crew und ganz, ganz viel Meta-Überlegungen, wieso man nicht immer auf das Publikum hören sollte.

Dann wurde mir klar, dass das keinen Menschen interessiert, denn es geht hier um eine Filmkritik. Und der Film „Alien: Covenant“ ist eigentlich relativ simpel erklärt. Er ist so ziemlich die Mitte zwischen „Prometheus“ und dem ersten „Alien“.

Wie meine ich das?

Nun, der Ablauf des Films ist so ziemlich genau der gleiche wie im 1979er Film. Ein Raumschiff mit Auftrag. Ein Notsignal. Eine – unkluge – Abweichung vom Auftrag. Ein Organismus, der sich im Wirt einpflanzt. Ein Blutbad. Das Massaker beginnt. Das Viech wird von Bord geschmissen. Ende (Fast zumindest).

Dies dem Film vorzuwerfen und gleichzeitig für „Star Wars: Episode VII“ zu schwärmen ist in meinen Augen die Definition von Doppelstandard. Das erwähne ich nur deshalb, weil das zB auf der IMDB mehrfach vorkommt.

„Alien: Covenant“ macht das was er macht, sehr, sehr gut – visuell ist der Film sehr gelungen und an der Spannungsschraube wird immer weiter gedreht. Bis zu dem Zeitpunkt der „Infektion“ und dem ersten Blutbad vergehen sicher knapp 45 Minuten, die allerdings absolut kurzweilig sind. Die erste schlimme Sequenz an Bord des Shuttles hat es dann auch tatsächlich in sich. Blutig, brutal, direkt und panisch. Hier blitzt kurz eine Brillanz auf, wie sie in „Alien“-Filmen schon lange nicht mehr zu finden war.

Dann biegt der Film mit dem Auftauchen von Fassbenders Charakter David (aus dem Vorgänger) scharf ab und das nächste Drittel ist der Anschluss an „Prometheus“ – bedeutungsschwer und voller philosophischer Gespräche, die meist zwischen Fassbender und Fassbender (der zwei Modelle des gleichen Androiden wirklich super spielt) stattfinden. Da kommen so grandiose Aussagen wie „Idle hands do the devils work“ – im Kontext perfekt untergebracht.

Das ist übrigens auch die wirkliche Story von Covenant – zwei Geschöpfe vom gleichen Schöpfer. Eines hasst seinen „Vater“ und eines liebt/dient seinem Vater. Der Schöpfer, der von seinem Werk vernichtet wird, aber nicht anders kann als trotzdem zu erschaffen. Wenn man dies im Kopf behält, dann kann man auch schon ahnen, was im dritten/letzten Teil der Prequel-Trilogie passieren muss.

Irgendwann fällt dem Film wieder ein, dass er „Alien“-Film sein soll, also wird noch rasch erklärt, wie es zur Entstehung des Monsters kam (eine Auflösung, die vielen Hardcore-Fans sicherlich missfallen wird) und wir sind wieder mittendrin im (ab jetzt leider klar vorhersehbaren und eher mittelmäßigen) „Alien“-Horror.

Dann geht es weiter wie in „Aliens“ und dann ist der Film zu Ende. Mit einem offenem Ausgang. Natürlich, denn Teil 3 der „Prequel-Trilogie“ angeblich mit dem Untertitel „Awakening“ ist schon in der Pipiline.

Für geneigte Zuseher*innen stellt sich jetzt die große Frage: Soll ich mir den Film ansehen? Das hängt jetzt schwer davon ab, ob ihr Fans von „Prometheus“ oder „Alien“ seid, denn den „Alien“-Teil des Films … den haben wir alle 1979 schon (besser) gesehen.

Wenn ihr die Fortführung der Story von „Prometheus“ wollt und euch der erste Teil gefallen hat – dann nur zu. Aber erwartet euch nicht zu viel, denn große Teile der Ansätze bzgl. Philosophie und Gedankengängen wurden zugunsten eines besseren Anschlusses an „Alien“ geopfert.

Die Schwächen des Films sind genau die gleichen wie die vom Vorgänger – wenn „Covenant“ auch ungleich brutaler ist – und alles was ich ganz oben als Kritikpunkte angeführt habe trifft zu einhundert Prozent zu. Da braucht man nichts beschönigen.

Da ich zu der scheinbar sehr kleinen Zielgruppe gehöre, der die alten Filme genauso gut gefallen wie auch „Prometheus“ (wenn auch aus anderen Gründen), dann ist „Covenant“ sicher ein super Film für euch, da er es tatsächlich schafft beide Teile des Franchise zu verknüpfen.

Das bedeutet allerdings, dass weder die eine noch die andere Seite völlig zufrieden sein wird mit dem Ding. Für die einen zu brutal und zu sehr auf Horrorschocker und für die anderen zu viel BlaBla.

Das kann passieren, wenn man nicht seiner Vision folgt, sondern auf Einnahmen an der Kinokasse und Forderungen der Fans hört – man kann es nicht beiden recht machen, auch wenn der Versuch einen Film in der Mitte abzuliefern tatsächlich geglückt ist. Mit all seinen Fehlern (und vermutlich storytechnisch wichtigen, aber trotzdem rausgeschnittenen Szenen, die wir auf Blu Ray nachgeliefert bekommen – wie das halt mittlerweile üblich ist *seufz*).

„Alien: Covenant“ bekommt von mir 7,5 von 10 möglichen, an dem Anspruch es allen Recht machen wollend scheiternde, Punkte.

Alien: Covenant [Blu-ray]


von Ridley Scott [20th Century Fox Home Entertainment]
Preis: EUR 16,99


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