Hush (Filmkritik)

Maddie (Kate Siegel) ist gehörlos. Von ihrem Freund hat sie sich getrennt und sich in eine Hütte im Wald zurück gezogen, wo sie in Ruhe kochen, vor sich hinleben und endlich ihren neuen – heiß erwarteten Roman – beenden kann. Wenn sie nur wüsste, wie sie ein spannendes Finale hinbringen könnte.

Mit ihren Nachbarn Sarah (Samantha Sloyan) und John (Michael Trucco) ist sie befreundet – Sarah lernt sogar Gebärdensprache um sich mit Maddie unterhalten zu können und sie ist ein großer Fan und auch Testleserin.

Eines abends aber passiert das Undenkbare. Ein Mann in einer Maske steht vor dem Haus. Er ermordet Sarah vor Maddies Tür und bemerkt dabei, dass Maddie gehörlos ist. Also beschließt er sich – mit einer Armbrust bewaffnet – einen Spaß daraus zu machen mit Maddie Katz und Maus zu spielen …

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Wow. Ich war ein wenig überrumpelt von diesem Film. Okay, ich kenne Mike Flanagans Filme („Absentia“ und „Oculus„) und finde beide von der Kameraarbeit, der Regie, dem Schauspiel und der Inszenierung her extrem gut. Vor allem „Oculus“ hat mich echt beeindruckt. Neulich habe ich den Trailer zu Flanagans (der in den oben erwähnten Filmen für Drehbuch, Kamera und Regie verantwortlich war) neuestem Film gesehen („Before I Wake“) und dachte mir, ich sollte mal wieder schauen, was der gute Mann so treibt. Und bin dabei auf „Hush“ gestossen.

Im Kern der Story ein klassischer Home-Invasion-Thriller. Also nichts Neues, wenn man so will. Das Genre ist ja mittlerweile schon gut bedient („You’re next„, „Panic Room“, „The Strangers“, „Hard Candy„, „The Last House On The Left„, „Funny Games“ – Original, nicht Remake oder „Static“ ) und es scheint unwahrscheinlich dem ganzen noch neue Facetten abgewinnen zu können. Das stimmt auch so.

Abgesehen davon, dass Maddie gehörlos ist, bietet der Film nichts Neues. Er spielt sich genauso ab, wie man es vermutet, aber das macht in diesem Fall überhaupt nichts, denn der Eindringling macht sich die Tatsache, dass Maddie nichts hört, wirklich zunutze und spielt ein grausames Psychospiel mit ihr. Dabei ist vor allem der visuelle Stil von Flanagan hilfreich, denn der Mann weiß, wie man inszeniert. Bereits am Anfang (Maddie kocht) schafft er es rein durch die Kameraführung und Tongestaltung Maddies Gehörlosigkeit einzuführen, ohne dabei darauf herumreiten zu müssen.

Auch das Drehbuch – er hat es zusammen mit der Hauptdarstellerin und seiner Frau Kate Siegel geschrieben – nutzt diese Tatsache gekonnt aus um Spannung zu erzeugen.
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Bereits relativ am Anfang – nachdem man Sarah als verdammt nette Nachbarin kennengelernt hat – kommt diese in einer schockierenden Szene ums Leben. Absolut grausam und nervlich für mich nur schwer auszuhalten. Sarah wird nämlich im Licht der Terrasse direkt vor dem Fenster erstochen, während Maddie im Inneren mit dem Rücken zum Fenster kocht. Sarah klopft gegen das Fenster und ruft, aber Maddie hört sie natürlich nicht. Als der Mörder ihr das Messer mehrfach in den Körper rammt (was ziemlich butal und grausam aussieht und sich vor allem auch so anhört) und dabei mehrmals an das Glas des Fensters schlägt tut er das in der vollen Absicht, da er meint, Maddie würde es hören und er hätte das nächste Opfer. Als er bemerkt, dass sie gehörlos ist kommt ihm eine Idee. Alles das passiert ohne großen Dialog (die „Maddie! Help! Help!“-Schreie zählen nicht) und fühlt sich bereits beim Zusehen absolut unangenehm an.
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Als sich dann das Katz- und Mausspiel zwischen den beiden entspinnt wird es wirklich spannend, denn Maddie kann sich schließlich nur auf ihre Augen verlassen, während der Eindringling nicht darauf zu achten braucht, ob er Lärm macht oder nicht, bzw. merkt und weiß Maddie ja nicht ob sie selbst Lärm macht, weil sie es ja verdammt nochmal nicht hören kann.

Wie gesagt – der Film läuft ziemlich genau so, wie man es erwartet und er geht auch so aus, aber bis dahin passiert einiges und ich war die ganze Zeit über in meinen Sitz gefesselt und habe gebannt auf den Schirm gestarrt, gespannt was noch kommen mag. Auch Kleinigkeiten (nein, man trifft nicht mit jedem Schuss, auch wenn man die Gute ist) und Details (ja, es ist sauschwer mit kaputten Fingern eine Armbrust zu spannen) werden beachtet, was den Film unangenehm gut in der Realität verankert und ihn umso beängstigender macht.

„Hush“ ist ein verdammt spannender Home Invasion-Thriller, der von mir 8 von 10 möglichen Punkten bekommt, aber absolut nichts für schwache Nerven ist.


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