Elektra (Filmkritik)

Die kampferprobte Sai-Kriegerin Elektra (Jennifer Garner) arbeitet als Auftragskillerin und sie ist eine der besten in ihrem Job. Doch dies war nicht immer ihr Lebensinhalt. Nach einer tödlichen Verletzung wurde sie von Martial Arts Meister Stick (Terence Stamp) wiederbelebt und in der geheimen Kunst des Kimagure unterrichtet, was ihr erlaubt, kurze Momente in die Zukunft zu blicken. Da ihre Wut hier aber nicht gelindert werden konnte, verlangte ihr Lehrer schließlich, dass sie das Trainingslager verlässt.

Jahre später betrifft ihr neuester Job Abby Miller (Kirsten Prout) und ihren Vater Mark (Goran Visnjic), doch als sie die beiden umbringen will, zögert Elektra und weigert sich schließlich, den Auftrag auszuführen. Dies ruft die Killer des Verbrechersyndikats „Die Hand“ auf den Plan, das großteils aus Ninja-Söldnern besteht, wobei einige von ihnen, über übermenschliche Kräfte verfügen. Elektra stellt sich ihnen entgegen, doch kann sie Vater und Tochter beschützen und was noch viel wichtiger erscheint, gelingt es ihr beim anstehenden Kampf, ihre Menschlichkeit zurück zu erlangen?

Elektra Jennifer Garner

Zwei Jahre nachdem Jennifer Garner in „Daredevil“ erstmals Comic-Heldin Elektra Natchios spielen durfte, bekam sie 2005 unter der Regie von Rob Bowman (Die Herrschaft des Feuers), ihr eigenes Spin-Off spendiert. Der Film konnte weltweit seine Kosten von circa 43 Millionen Dollar mit leichtem Gewinn wieder einnehmen, gilt aber neben „Howard the Duck“ und „Punisher: War Zone“ als einer der Filme, die bezogen auf ihre auf einem Marvel-Comic basierende Herkunft, am Wenigsten Geld wieder eingespielt haben. Übrigens ist der circa drei Minuten längere Director´s Cut, im Gegensatz zu dem von Daredevil, nicht wirklich besser, da sich bedingt durch die kurze Zusatz-Zeit, so gut wie nichts ändert.

Warum „Elektra“ weniger gut funktioniert, hat dabei gleich mehrere Gründe. Da wäre mal Jennifer Garner (Arthur) selbst, die ich grundsätzlich sympathisch finde und auch als Schauspielerin nichts an ihr auszusetzen habe. Als Elektra vermittelt sie auch gut ihre unnahbare Art, wie sie um Kontrolle in allen Bereichen in ihrem Leben kämpft und zuviel Kontakt zu anderen Menschen, da eben nur störend wäre. Bei Alpträumen wirkt sie dann sogar kurzzeitig hilflos, schaut drein wie ein kleines, überfordertes Mädchen. Das passt durchaus, doch glaube ich ihr dann die „eine der besten Killer/Kämpferinnen der Welt“ Ebene ihrer Persönlichkeit in den entscheidenden Momenten? Leider nicht.

Wer echte Martial Arts Artisten (meistens aus Asien) vor der Kamera kennt, der weiß, wie sich diese bewegen können. Man kann durch Training einiges ausgleichen, Schnitt und Kameraperspektive richtig wählen und vieles an nicht vorhandenem Können damit ausgleichen. Doch dass Garner nicht wirklich kämpfen kann, ist in den meisten Szenen zu sehen. Zu langsam, bzw. zu wenig geschmeidig wirken ihre Bewegungen, zu choreographiert und nicht natürlich laufen die Fights ab. Was ich aber am Schlimmsten finde, sind die erzwungen cool wirkenden Show-Off Momente, wenn Elektra in ihrem roten Kostüm im Finale zeigen will, dass sie ähnlich furchtlos wie „Daredevil“ in den Kampf zieht. Das glaube ich ihr in dieser Form einfach nicht.

Wenn ich schon handlungstechnisch die meiste Zeit auf eine bedrohliche Fluchtsituation und Gefahr durch böse Verfolger setze, dann müssen diese auch was hergeben. Das würde die übernatürlich böse Truppe hier auch durchaus, doch werden die Figuren einfach zu schnell beseitigt und haben nur wenig bis keine Zeit, sich zu etablieren. Natassia Malthe (Bloodrayne 3) als giftige Typhoid und Will Yun Lee (Wolverine: Weg des Kriegers) als Oberschurke Kirigi haben zwar ihre kurzen Momente (wenn auch nicht wirklich auf deren Charakter bezogen), doch allesamt bleiben sie viel zu oberflächlich, als dass sie für viel mehr als rein optische Schauwerte sorgen würden. Schade, denn auch der Kerl mit den lebendigen Tattoos ist schön eingebunden und von den CGI-Effekten her, großteils nicht übel in Szene gesetzt.

Auf der Seite der Guten wenigstens, vermittelt Terence Stamp (Song for Marion) eine gewisse Weisheit und Würde, was sich für einen wahren Meister auch so gehört. Kirsten Prout (Joy Ride 3) als Abby ist aufmüpfig und setzt ihre leicht neckische Art gekonnt ein, ein typischer Teenager eben, aber durchaus sympathisch. Goran Visnjic (Verblendung) als ihr Vater Mark bleibt etwas blass, man glaubt ihm aber zu jedem Moment, dass er für seine Tochter alles tun würde. Die angedeutete zarte Romanze mit Elektra hingegen, ist vollkommen unnötig und fast schon lächerlich, vor allem wenn man sich den Dialog vor dem ersten Kuss genauer überlegt. Außerdem war da nicht was mit Daredevil wegen Liebe und so, oder ist das alles Vergangenheit, wegen ihrem neuen Leben?

Daher leider in Summe ein Spin-Off eines mittelmäßigen Filmes, was insgesamt ein noch mehr unter den klaren Mängeln leidendes Abenteuer als das Original geworden ist, zumal auch auf jeglichen Humor so gut wie gänzlich verzichtet wurde und so nur alleine der, der unfreiwilligen Art vorherrscht. Ein paar Momente sind durchaus atmosphärisch dicht geworden, einige Effekte sehen gut aus und auch ein paar der Darsteller holen raus aus ihren Rollen, was zu retten ist, doch wäre ein weniger generisches Drehbuch plus ein paar Ideen sicherlich hilfreich gewesen. Garner selbst ist besser als noch bei Daredevil, doch noch lange nicht so wie die Elektra, die ich aus den Comics kenne.

P.S.: Comic-Verfilmungen mit weiblichen Heldinnen, konnten bis jetzt weder qualitativ noch finanziell überzeugen. Weder vergangene Versuche wie „Supergirl“ mit Helen Slater aus dem Jahre 1984, noch der katastrophal schlechte „Catwoman“ mit Halle Berry von 2004. Das liegt für mich jedoch auf keinen Fall am Geschlecht der Protagonistinnen, sondern vielmehr am Drehbuch, mangelndem Talent einiger Beteiligter hinter der Kamera und schlechtem Casting. Hoffe DC im Jahre 2017 mit „Wonder Woman“ und Marvel im darauf folgenden Jahr mit „Captain Marvel“, können diesen traurigen Trend endlich beenden.

„Elektra“ bekommt von mir 5/10 zuviel nicht vorhandenes, mit verschenktem Potential kombinierende Empfehlungspunkte.

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