Oldies but Goldies: Fearless – Jenseits der Angst (Filmkritik)

Der Architekt Max Klein (Jeff Bridges) befindet sich mit seinem Freund Jeff Gordon (John de Lancie) in einem Flugzeug von San Francisco nach Houston, als die Hydraulik ausfällt und das Flugzeug in einem Maisfeld abstürzt. Max, der bereits während des Absturzes mit seinem Leben abgeschlossen hat, überlebt nicht nur relativ unverletzt, sondern rettet auch mehrere Passagiere. Doch für ihn ist anschließend nichts mehr wie es vorher war.

Fearless

Dieser Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Rafael Yglesias, der für die filmische Adaption seiner Geschichte im Jahr 1993 auch für das Drehbuch verantwortlich war. Für die Regie ist an dieser Stelle Peter Weir verantwortlich, der bereits mit Filmen wie „Die Trueman Show“ bewiesen hat, dass er kein Problem damit hat, mit seinen Werken die Tiefen der menschlichen Psyche zu erforschen.

Eigentlich ist es vom ersten Moment an klar, dass es sich hier um die Verfilmung eines Romans handelt. Der Absturz und die ersten Momente danach wirken so als würde jemand die Szene beschreiben und dabei ein Bild für den Zuschauer zeichnen. Man nimmt sich Zeit die Absturzstelle und die Menschen darin wirken zu lassen und es funktioniert.

Als Max von einem Mitarbeiter der Einsatzkräfte gefragt wird ob er auch in der Maschine war, lächelt dieser andeutungsweise, verneint dies und sagt er habe ein Baby gefunden. Doch auch wenn er einer der wenigen war, die den Absturz unverletzt überlebt haben, hat er dennoch ein Trauma davon getragen und dieses Trauma sitzt tief.

Wie lebt man sein Leben, wenn man bereits damit abgeschlossen hat? Hält man sich für unverwundbar, weil man dann doch irgendwie überlebt hat oder ist man ein Geist, der nur scheinbar überlebt hat und innerlich gestorben ist? „Fearless“ hat es sich scheinbar zur Aufgabe gemacht, sich hier nach der Suche auf eine mögliche Antwort zu machen.

Entsprechend dreht sich der größte Teil der Geschichte um Max und um Carla (Rosie Perez), eine junge Mutter, die beim Absturz ihr Baby verloren hat. Alles andere wird entsprechend kurz gehalten. Zwar gibt es da beispielsweise einen Anwalt, der im Namen der Opfer die Fluglinie klagt und einen Psychologen, der im Namen der Fluglinie die Opfer betreut, aber diese kommen nur am Rande vor.

Selbst die Familie von Max inklusive seiner Gattin Laura (Isabella Rossellini), von der er sich im Laufe der Handlung immer weiter distanziert, rückt in den Hintergrund und wer, nachdem sich Max und Carla angefreundet haben, hier an eine Affäre denkt, liegt auch falsch. Stattdessen gilt es die traumatischen Erlebnisse gemeinsam zu verarbeiten.

Diese Aufarbeitung beinhaltet dann beispielsweise Geschenke für die Toten zu kaufen, oder mit einem Auto mit voller Geschwindigkeit gegen eine Wand zu fahren (bester Einsatz eines U2-Songs). Abgesehen vom Absturz, in den der Zuschauer später immer wieder durch Rückblenden zurückgeholt wird, funktioniert der Film als durchdachte Charakterstudie.

Die Tatsache, dass Jeff Bridges (TRON: Legacy) bereits mehrmals sowohl für den Oscar als auch den Golden Globe nominiert wurde und beide Preise auch einmal mit nach Hause nehmen durfte, ist wohl Beweis genug, dass der gute Herr sein Handwerk versteht. Interessanterweise wurde seine Performance in „Fearless“ nicht einmal mit einer Nominierung gewürdigt – obwohl sie es meiner Meinung nach verdient hätte.

Als Max Klein wirkt er scheinbar unbesiegbar und dennoch vermittelt Bridges in jeder Szene subtil die innere Zerbrochenheit, die seinen Charakter zu definieren scheint. Ebenfalls erstklassig ist Rosie Perez, die als Carla ihr Baby verloren hat und daran zu zerbrechen droht. Max und Carla wurden ausschließlich als Freunde inszeniert und die Chemie zwischen den beiden Schauspielern passt hervorragend.

Alles in allem ist „Fearless“ eine Charakterstudie der besonderen Art, die von einer emotionalen Inszenierung und den beiden herausragenden Hauptdarstellern lebt.

Der Film bekommt 8/10 dem Tod trotzende Empfehlungspunkte.


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