Grand Piano – Symphonie der Angst (Filmkritik)

Tom Selznick (Elijah Wood) ist einer der begabtesten Pianisten seiner Zeit. Als er jedoch bei einem als unspielbar geltenden Stück seines Lehrmeisters vom Lampenfieber erfasst wird und das Konzert nach dem darauf folgenden Nervenzusammenbruch abbricht, ist es für ihn vorbei mit seinen Konzerten und seiner Karriere. Als Jahre später das wertvolle Klavier seines nun verstorbenen Lehrers auftaucht nutzt Tom die Chance, um genau auf diesem Instrument sein Comeback zu starten.

Pech nur für ihn, dass sich ein Unbekannter (John Cusack) – ausgestattet mit einem Scharfschützen-Gewehr – in die Konzerthalle eingeschlichen hat und Tom damit droht ihn zu töten, sollte er auch nur eine falsche Note spielen. Falls er um Hilfe rufen sollte, wird seine Ehefrau sterben. Ob er es nun will oder nicht, Tom wird an diesem Abend das Konzert seines Lebens spielen und wenn es das Letzte ist, was er jemals tun wird.

Grand Piano

Dies ist der dritte Film vom spanischen Komponisten und Regisseur Eugenio Mira. Gedreht wurde in Barcelona, was aber angesichts der Tatsache, dass fast die gesamte Handlung in und um den Konzertraum herum statt findet, nicht weiter zur Geltung kommt. Um authentisch zu wirken, absolvierte Elijah Wood ein intensives dreiwöchiges „Klavierspiel-Training“, wobei er es nach eigenen Aussagen bei den Dreharbeiten selbst am Schwierigsten fand, gleichzeitig spielen und reden zu müssen und das auch noch zum exakt richtigen Zeitpunkt.

Einen klaren Sympathiebonus hat dieser Film somit für Freunde der klassischen Musik und speziell natürlich für Liebhaber von Klaviermusik an sich. Nach der knackigen Laufzeit von 78 Minuten, dauert der mit virtuosen Stücken geschmückte Schlussspann ganze 12 Minuten, in denen man unter anderem auch noch einmal das unspielbare Stück hören kann. Natürlich ist diese Länge etwas kurz für einen abendfüllenden Film, doch angesichts der Handlung – die Gefahr langweilig oder lächerlich zu werden war ja doch allgegenwärtig – ist sie sehr geschickt gewählt und verhindert so fast automatisch unnötige Füllszenen.

Natürlich muss man die Grundhandlung zunächst genau so nehmen können, wie sie ist. Was Wood da alles auf der Bühne aufführt ohne dass es auch nur einer der Zuschauer mitbekommt, ist doch einigermaßen unrealistisch, sollte aber auf keinen Fall den geneigten Zuschauer davon abhalten, diesem doch erfrischend anderen Erlebnis, eine Chance zu geben. Immerhin ist die passend zu den Musik-Stücken dynamische Inszenierung fordernd und mitreissend und wenn man sich darauf einlässt, wird die Spannungskurve bis zum Finale ständig angezogen und man bekommt ein Ende präsentiert, dass Platz für diverse Interpretationen offen lässt.

Die starke Atmosphäre wird dabei vor allem durch den Soundtrack/Score erzeugt, der sowohl im Hintergrund als auch als eigener Hauptdarsteller funktioniert und besonders gekonnt das Unbehagen von Wood und die Bedrohung durch Cusack wieder spiegelt. Den Rest erledigen die cleveren Kameraeinstellungen und Schnitte, die locker mit der Dynamik der Musik mithalten können. Vor allem das Spiel mit Licht und Dunkelheit erzeugt hier eine ganz eigene Stimmung.

Soweit ich das als Laie beurteilen kann, wirkt Elijah Wood (Der Hobbit – Eine unerwartete Reise) hier so, als wäre er im wirklichen Leben auch ein Pianist. Besonders diese leicht manische Art des sich hineinsteigernden, sich in seiner eigenen Welt befindenden Künstlers, spielt er sehr überzeugend. Und dass er von Panikattacken geplagt mit großen Augen und Dackelblick die Gefahr anstarren drauf hat, dass wissen wir ja schon lange, spätestens seit seiner Performance als Frodo. Kerry Bishé (Argo) als seine Ehefrau bekommt zwar weniger zu tun, ist aber sympathisch und liebt offensichtlich ihren Mann, was sie zu einem passenden, potentiell gefährdeten Opfer macht.

Über John Cusack (The Frozen Ground) habe ich vor kurzem von einem Kritiker gelesen, dass er nun scheinbar in seiner Karriere an einem Punkt angekommen ist, wo er überall mitspielt. Mag ja sein, dass er es nur mehr selten ins Kino schafft, doch auch wenn er vielleicht keine Herausforderung mehr sucht und seine beste Zeit vorbei ist, Lustlosigkeit bei seiner Arbeit kann ich ihm nicht unterstellen. Hier strahlt er über weite Teile des Filmes nur mit seiner Stimme diese oberflächlich ruhige Gefahr aus, was er mit einer gewissen Überheblichkeit im Unterton souverän meistert.

Insgesamt also ein Film, der leicht scheitern hätte können, doch durch seine virtuose Machart und durch die starken Schauspieler zu fesseln weiß. Wer kleine aber feine Thriller auch ohne viel Blut und Gewalt dafür mit umso mehr Atmosphäre gerne sieht, der ist hier genau richtig. Wood und Cusack Fans kommen ebenso auf ihre Kosten und wer klassische Musik mag und eine Handlung zu schätzen weiß, die mit möglichst wenigen Locations auskommt, der wird mit diesem Film seine Freude haben.

„Grand Piano“ bekommt von mir 7/10 möglichst fehlerfrei um das eigene Leben spielende Empfehlungspunkte.

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Ein Gedanke zu „Grand Piano – Symphonie der Angst (Filmkritik)

  1. Das Bild zur Rezension finde ich sehr schön ausgesucht! Der deutsche Zusatztitel ist hingegen einer der „bekloppteren“, die mir bislang untergekommen sind. Manno!

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