Apartment 143 – Emergo (Filmkritik)

Alan White (Kai Lennox) hat Probleme. Nicht nur, dass ein Poltergeist in der Wohnung sein Unwesen treibt, auch seine Tochter Caitlin, die ihn für den Tod der Mutter verantwortlich macht, bereitet ihm Probleme. Auch Sohnemann Benny ist nicht unbedingt ein leichtes Kind.

Also wendet er sich an das Team um Dr. Helzer (Michael O’Keefe), damit er mit seinem Parapsychologen zumindest mal den verdammten Poltergeist loswird. Immerhin ist der ja nicht erst in der neuen Wohnung aufgetaucht, sondern der Familie dorthin gefolgt.

Also baut das Team Kameras auf in der gesamten Wohnung um zu verfolgen, was da vor sich geht und nach und nach stellen sich immer mehr Fragen. Sagt Alan vielleicht gar nicht die Wahrheit? Weiß er vielleicht, was da vor sich geht?

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Eine Überraschung. „Emergo“ oder „Aparment 143“, wie er eigentlich wirklich heißt, ist also ein Found Footage Film. Über Parapsychologen und eine Geisteraustreibung. Wie originell. Wenn man dann genauer hinsieht und bemerkt, dass Rodrigo Cortés diesen Film geschriebenhat, dann hat man schon mal eine Ahnung, warum dieser Film interessant und anders sein könnte, denn Cortés ist der Regisseur von „Buried“, der ja doch sehr positiv aufgefallen ist.

Allerdings hat das Drehbuch von „Buried“ jemand anders geschrieben und bei „Emergo“ hat jemand anders die Regie geführt, dafür hat Cortés das Drehbuch verfasst. War vielleicht nicht die beste Idee, die sie hatten, denn obwohl „Emergo“ ein paar sehr gute Vorsätze hat, bewegt er sich doch auf dünnem Eis.

Einerseits die „Wackelkamera“, die zum Glück immer wieder durch fixe Kameraaufnahmen von den installierten Überwachungskameras unterbrochen wird. Die ist wie immer Geschmacksache, fungiert hier als Mittel, um näher ranzukommen, während die erwähnten anderen Kameras eher Ruhe in die Optik bringen bzw. auch eher dafür sorgen, um die Story voranzutreiben, denn immer wieder Mal sehen sich die Parapsychologen Dinge auf diesen Kameras an.

Andererseits die Story an sich, die ja nun alles andere als neu ist. Wirklich positiv aufgefallen sind mir ein paar Ideen, wie zum Beispiel die Probleme, die Alan mit der Erziehung von Caitlin hat und wie rebellisch der Teenager ist. Das birgt Spannung, zumal Alan gerade vor den „neuen Gästen“ doch zeigen will, dass er ein guter Vater ist, Caitlin ihn aber die ganze Zeit über absolut gegen die Wand laufen lässt. Sogar als er sie vor einer Beinahe-Vergewaltigung rettet.

Die Schauspieler sind gut besetzt, allen voran Alan, der den Film emotional auch zu einhundert Prozent trägt. Da macht Kai Lennox einen verdammt guten Job – wer mit dem armen Mann nach den ersten paar Minuten des Films nicht sofort Mitleid hat, hat einfach kein Herz. Auch Michael O’Keefe als Dr. Helzer ist genauso wie man sich solch einen Parapsychologen vorstellt, kalt, sachlich und am Thema.

Super ist zu Beginn – als die Kameras aufgebaut werden – wie der kleine Benny immer wieder Fragen das Team stellt, was dies und was jenes macht und diese ihm das so gut es geht – eben kindgerecht – beantworten. Der Kleine ist echt süß. Es hat auch den schönen Effekt, dass die Teammitglieder nicht als dumme Wissenschaftler ohne Sozialkompetenz rüberkommen, sondern sie zumindest ein wenig Charakterzeichnung bekommen. Der Umgang des Teams mit dem Kleinen ist echt nett anzusehen.

Problem, dass ich mit dem Film habe, ist – wieder einmal das Ende. Oder besser: Die letzten paar Sekunden. Es ist für mich immer schade, wenn ein Film konsequent einen anderen Weg geht (storytechnisch) als viele andere Filme, nur um dann am Ende nochmal scharf abzubiegen und alles Vorhergegangene ad absurdum zu führen. So bemüht sich der Film wirklich mit dem „böser Geist verfolgt Familie“-Klischee aufzuräumen und eine andere Erklärung für die Vorkommnisse zu finden – was in meinen Augen auch super geglückt ist. Auch das „Finale“ und das sehr symbolträchtige „Reichen der Hände“ fand ich ausgezeichnet. Als dann noch das Team über das Geschehen tratschend nach und nach die Kameras im Haus abschaltet, da dachte ich mir, dass dies ja ein super Ende ist und eine gute Idee, einen Film dieser Art mal so enden zu lassen. Allerdings kommt dann noch der oh-so-wichtige Schlusstwist und alles ist im Eimer. Schade.

Schade, dass die Macher nicht die Eier hatten, den Film ohne dieses peinliche, neumoderne Schlussgag-Ding (das war damals bei Species noch neu, aber langsam nervt es) zu inszenieren. So macht es den ganzen Film kaputt, der sonst erfrischend anders gewesen wäre.
Nicht von der Machart her, sondern vom Story-Ansatz.

Keine Ahnung, ob ich es noch extra erwähnen muss, aber der Trailer spoliert übrigens wieder einmal ganz gewaltig.

„Apartment 143“ bzw. „Emergo“ bekommt von mir 5,5 von 10 möglichen, die Welt auf den Kopf stellende und alles durch die Gegend wirbelnde, Punkte.


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