Elementary (Serienkritik)

Sherlock Holmes (Johnny Lee Miller) kommt frisch von der Reha und fadisiert sich schon. Da kommt es ihm gerade Recht, dass jemand ermordet wird (ja klingt makaber, ich weiß), denn dies bedeutet Ablenkung. Mithilfe von Jane Watson (Lucy Liu) macht er sich daran, Captain Tobias Gregson (Aidan Quinn) von der New Yorker Mordkommission unter die Arme zu greifen.

Elementary

Derzeit scheint die Figur des Sherlock Holmes ein wahres Revival zu erfahren. Da wäre einmal Robert Downey Jr. (Sherlock Holmes), der im Kino den legendären Schlaumeier spielte und die Kinokassen zu klingeln brachte. Und nachdem auch noch die absolut empfehlenswerte BBC-Serie „Sherlock“ rund um Benedict Cumberbatch als den titelgebenden Detektiv ein ausgewachsener Quotenerfolg für den BBC wurde, war es nur eine Frage der Zeit, bis auch eine amerikanische Version des Stoffes über den Bildschirm flimmert.

Und Sherlock wurde in die Jetztzeit geholt und zwar ziemlich unsanft. Holmes wird als Junkie frisch aus der Entzugsklinik vorgestellt (aus der er einen Tag vor seiner tatsächlichen Entlassung ausgebüxt ist), der gleichzeitig auf mehreren TV-Geräten Serien verfolgt nur um sie dann detailgetreu zu rezitieren. Wozu? Fragt mich was Leichteres. Der gute Sherlock lebt vom Geld seines Vaters, der ihm quasi als Bewährungsauflage einen Sober-Buddy zur Seite stellt, der dafür sorgt das Sherlock clean bleibt. Dieser Sober-Buddy ist niemand anders als Watson, Jane Watson. Eine andere „große“ Änderung – Watson ist hier eine Frau. Eigentlich eine ganz witzige Idee – noch cooler wäre es gewesen wenn Sherlock eine Frau wäre, aber hey, das ist nur meine bescheidene Meinung.

Johnny Lee Miller ist als Holmes nicht etwa schlecht, nur wenn man ihn mit Benedict Cumberbatch vergleicht, schneidet er eher mäßig ab. Er wirkt übermäßig nervös und nach einer Weile einfach nur nervtötend. Eigentlich schade, denn in der Serie „Eli Stone“ mochte ich ihn wirklich gerne.

Lucy Liu (Rise: Blood Hunter) als Jane Watson wirkt einfach nur hölzern und hat eingefrorene Gesichtszüge, die wohl auf den großzügigen Gebrauch von Botox schließen lassen. Nachdem Watson und Holmes im Original schon eine Art romantische Spannung (eine Bromance also) angedichtet wurde, überrascht es nicht, dass hier die beiden Hauptfiguren laut Produzenten tatsächlich so etwas Ähnliches wie eine Beziehung haben werden, wenngleich ich schon jetzt prophezeien möchte, dass eine Beziehung mit Sherlock Holmes auf die Dauer nicht möglich sein kann und wird.

Als Gastdarsteller fungierte in der Pilotfolge Dallas Robert, der hier unter Beweis stellt, dass er mehr kann, als in „The Good Wife“ den schwulen Bruder von Alicia Florrick zu spielen. Ich hoffe von ihm sieht man in Zukunft mehr.

Was mich ordentlich wurmte war nicht etwa der Fakt, dass Watson eine Frau ist, sondern, dass sie einfach mal quasi den ersten Fall löste. Watson ist im Original der Sidekick, der schon mal für lustige Szenen sorgt, aber intellektuell klar hinter Sherlock Holmes zurück liegt. Dass Madame Watson nun auf einer Ebene mit Holmes scheint, weicht doch deutlich vom Original ab und stört.

Was also von „Elementary“ halten? Wer wie ich die britische Quasi-Vorlage „Sherlock“ kennt, wird keine rechte Freunde mit der Neuauflage des bekannten Stoffes haben. Nach der Amerikanisierung blieb nicht mehr viel von der britischen Vorlage über. Während bei „Sherlock“ die tatsächlichen Romanvorlagen mit einem Twist in die heutige Zeit versetzt wurden, bleiben bei „Elementary“ gerade mal die 2 bekannten Hauptfiguren, die 08/15 Kriminalfälle lösen. Aufgrund der Rechtslage (Copyright und was weiß ich) konnte nicht mal der Name der Hauptfigur im Titel verwendet werden.

Aufgrund all der Unterschiede kann man „Elementary“ zumindest nicht vorwerfen, ein Abklatsch bestehender Formate zu sein. Warum allerdings meine amerikanischen Kollegen durchwegs begeistert von der Serie sind, kann ich mir wirklich nicht erklären

„Elementary“ kann man sehen, muss man nicht und wer sich dachte er könnte damit die Wartezeit bis zur nächsten Staffel von „Sherlock“ überbrücken, wird gepflegt enttäuscht und muss sich bis 2013 gedulden um in den Genuss des Originals zu kommen.

„Elementary“ bekommt 5,5/10 eher durchschnittlichen Punkten


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